Das Projekt „Stolpersteine“ nimmt in Jülich Form an. Seit über einem Jahr laufen die Vorbereitungen für die ersten Erinnerungsmarken in an die Verfolgten des Nazi-Regimes auch in der Herzogstadt zu setzen. Künstler Gunter Demnig hatte die Idee der „Stolpersteine“ vor über 20 Jahren initiiert. Er wird selbst die ersten Gedenksteine am 29. Januar um 9 Uhr verlegen – sieben sind es nach aktuellem Stand bei Redaktionsschluss. Sie erinnern an die Familien Voss und Horn, die einst einst in der Kölnstraße und Marktstraße zu Hause waren.
Den Stein im übertragenene Sinne ins Rollen gebracht hat der Rotary Club Jülich-Herzogtum Jülich unter der damaligen Präsidentschaft von Rudolf Hannot, der bis heute Motor der Initiative ist. Der Rotary Club sieht sich als unterstützende Kraft: „Wir wollen Stolpersteine finanzieren und bei der Organisation helfen für alle Opfer, die wir in Jülich irgendwie recherchieren können.“ Das Projekt ist bewusst auf mehrere Jahre angelegt. Besonders wichtig ist ihnen, dass die Erinnerung nicht museal bleibt, sondern lebendig wird. Oder wie Hannot es formuliert: „Die Schüler machen die Recherchearbeit und tragen damit auch diese Geschichte in die Gegenwart.“
Schülerinnen und Schüler verschiedener Schulen tragen derzeit mit Unterstützung von Susanne Richter, Leiterin des Stadtarchivs, die Daten zusammen. Richter begleitet sie eng: „Ich muss den Schülern ja voraus sein – ich erkläre ihnen, wie man überhaupt recherchiert, gebe Linklisten, zeige Bestände. Das ist ein Stück Grundlagenarbeit.“ Die Lebensläufe werden anhand von Meldekarten, Adressbüchern, Bauakten oder Wiedergutmachungsakten rekonstruiert. Die Quellenforschung ist unterschiedlich ergiebig. Manchmal ist eine „Übersetzung“ der Daten notwendig, etwa wenn in den Wiedergutmachungsakten über Ausbildungshemmnisse berichtet wird, über Geschäftsbeteiligungen oder eingelagertes Mobiliar, so dass sich daraus Lebensumstände erschließen lassen. Manche Lebensgeschichten, wie die des Ehepaars Horn, bleiben fragmentarisch. „Auch ein Nicht-Ergebnis kann ein Ergebnis sein“, sagt Richter.
Gestartet wurde mit der Schülerschaft des Gymnasiums Haus Overbach. Sie zeichnet auch für die ersten Erinnerungssteine verantwortlich. Sie haben sich für die Auftaktverlegung bewusst zwei unterschiedliche Schicksale ausgesucht: eine Familie, die ermordet wurde, und eine Familie, der die Flucht gelang. Inzwischen arbeiten auch das Gymnasium Zitadelle, die Sekundarschule oder das Mädchengymnasium in eigenen Projekten mit. Sicher besonders ist das Vorhaben der Sekundarschule, die eine Graphic Novel, eine Art Comic im Buchformat. vorbereitet.
Für Hannot zeigt sich bereits jetzt, wie sehr das Projekt junge Menschen erreicht: „Sie haben verstanden, dass das Menschen waren wie du und ich, die in Situationen gerieten, die sie nicht zu verantworten hatten.“ Und noch etwas betont er: „Das war sozusagen für mich mein Ziel, dass sie die Geschichte in ihr Leben übersetzen.“
Die praktische Umsetzung übernimmt am 29. Januar der städtische Bauhof. Die Steine müssen nach Vorgaben des Initiator und Künstlers Gunter Demnig gesetzt werden. Flankierend zur Verlegung wollen „die Overbacher“ Ergebnisse ihrer Recherchen vortragen. Noch unklar ist, ob es ein weiteres Rahmenprogramm gibt.
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