Start featured „Ohne Disziplin geht es nicht“

„Ohne Disziplin geht es nicht“

Eine gewisse Aufregung ist immer zu spüren, wenn man den Raum betritt, wo sie sich fertig machen. Langsam steigt dann die Spannung bis zum Auftritt: Manchmal bis zu vier Stunden sitzen die Tänzerinnen vom TSC Schwarz-Gelb Jülich e.V. „in der Maske“, bis auch der Look top aussieht.

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Foto: Verein
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Schnell noch ein paar Dehnübungen gemacht, Schrittfolgen wiederholt, bis alle geschminkt sind und in ihren Kostümen einfach umwerfend aussehen. Und dann geht es raus auf die Bühne, im übertragenen Sinne auf die „Bretter, die für die Mädchen die Welt bedeuten.“ Für diesen Moment haben alle lange geübt. Jede Sekunde des Auftritts benötige Kraft und Energie, erläutert Ulrike Kohnen, Gründerin und Herz der Gruppe. Eine Figur folge auf die andere in den Tanzdisziplinen des Vereins – Showtanz und Gardetanz.

Der Auftritt, das ist der Moment, der nicht nur Trainerin Caro Kohnen, selbst Tänzerin in der Hauptklasse von Schwarz-Gelb („Dancing Stars“), am besten gefällt. Auch die 14 jährige Katharina aus Aldenhoven, die mit ihrer zwölfjährigen Schwester Sofija bei den „Little Dancing Stars“ drei Stunden die Woche trainiert, liebt das am meisten: „Vor den Menschen auf der Bühne stehen und etwas präsentieren zu können, was andere nicht schaffen“, das mag sie. Ihr Ziel ist es, an einem Turnier teilzunehmen.

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Der Altweiberdonnerstag im Karneval ist dann der Tag, wo in Jülich immer die Tour durch die Schulen ansteht. Das ist gleichzeitig auch eine Chance, neue Mitglieder zu werben. Doch die zahlreichen Auftritte hintereinander benötigen sehr viel Kondition, wissen die Mädchen und auch die Trainerinnen. „Ohne Disziplin geht es nicht“, sagt Caro freundlich aber eindeutig. Die Mädchen wissen intuitiv, dass sie eine Geburtstagsfeier bei einer Schulfreundin für ein Training eher sausen lassen müssen, besonders vor einem Auftritt. Caro, die immer nett, ruhig und verständnisvoll wirkt, muss das aber gar nicht extra sagen. Die Mädchen haben Ehrgeiz und Teamgeist. Und auch die Eltern ziehen mit.

Die Hauptklasse trainiert zwei Mal die Woche, die Jugend und die Jüngsten einmal. Hinzu kommen die Trainings für alle besonders talentierten, die ein Solo anstreben. Das kann auch schon bei den Kleinsten anfangen, wie bei der sechsjährigen Emma, die spielerisch an die Übungen herangeführt wird.

Corona hat einiges verändert: In Zahlen ausgedrückt, waren es vorher 20 Tänzerinnen, vier Mädchen haben aufgehört, aber dafür sind nun zehn neue Tänzerinnen dazu gekommen. Doch die vorher strengen Regeln sind etwas weicher gefasst: Wer nicht an Turnieren teilnehmen möchte, der darf sich auch auf die Auftritte beschränken, erklärt Caro. Ganz neu gegründet wurden die „Minis“, um sich Potenzial für die Zukunft aufzubauen.

Was macht den Unterschied aus zu den Tanzgarden, die ausschließlich im Karneval tanzen, im Sitzungskarneval und auf lokaleren Wettbewerben auftreten? Erstens würden dort Hebefiguren trainiert, die es bei Schwarz-Gelb nicht gebe. Und noch wichtiger: „Im Unterschied dazu gibt es für unsere Ausrichtung ein konkretes Regelwerk, das abgearbeitet werden muss und eine professionelle Jury“, erklärt Ulrike Kohnen, die den Verein zusammen mit einer anderen Mutter, Monika Ningelgen, damals unter anderem für ihre eigenen Tanzmädels gegründet hatte. Die Gründung, das war im Juli 2001. Mittlerweile sind die kleinen Tänzerinnen von Ulrike Kohnen, Vero und Caro bereits 30 und 27 Jahre alt, studieren beide, sind aber emotional und auch physisch bei ihrer „Tanzfamilie“ geblieben: als Tänzerinnen und als Trainerinnen. Da kommen bei Caro, die wie Vero eigentlich studiert, schon mal locker eine 20 Stunden Woche zusammen. „Das Tanzen ist auf Platz eins“, dann kommt der Rest, sagt Caro ohne zu zögern. Das ist einfach ihr Leben. Die beiden Schwestern arbeiten die Choreografien aus, wählen die Musik. Immer bei Auftritten dabei als Organisator und Berater: Karl-Josef Kohnen, den man sonst auch als Kämmerer von Jülich kennt. „Bei uns lebt das ganze Haus nur fürs Tanzen“, sagt Ulrike. Und wer sie kennt, weiß wie sehr das stimmt: „Ein bisschen bekloppt sind wir schon alle“, lacht sie.

Aber das macht auch das Besondere aus: „Das Team, die zweite Familie, die Musik, die Turniere“, listet Caro das Flair auf. Als Trainerin der Jugend ist jetzt auch Tanz-Solistin Renée Ribouem Epanya aktiv. Auch sie ist schon lange dabei. „Wir versuchen den Tanz so zu gestalten, dass jeder mitmachen kann“, erklärt Caro das Prinzip, mit dem sich jeder wohl zu fühlen scheint in dem Team. Anders ist es bei der Hauptklasse. Da werde dann aussortiert. Jeder kann etwas anderes gut, und durch die verschiedenen Tanzrichtungen ist da ein gewisses Spektrum: Beim Showtanz gehören zum Beispiel auch Akrobatik-Elemente dazu.

Der TSC Schwarz-Gelb meint es sehr ernst mit dem Tanzen und betreibt Leistungssport im Amateur-Tanzen. Der Verein ist im Deutschen Verband für Garde- und Schautanzsport (DVG) und damit automatisch im Deutschen Tanzsportverband. Turniere gibt es grundsätzlich in ganz Deutschland, finden jedoch meist im Frankfurter Raum statt. Getanzt werden verschiedene Stilrichtungen: Polka, Modern, Charakter. Je nachdem variiert die Gruppenzusammenstellung etwas. Grundsätzlich gibt es jetzt neben den Dancing Stars, den Little Dancing Stars noch die neu hinzugekommenen Mini Dancing Stars, die schon Vierjährige aufnimmt.

Turniere finden wieder statt und die erste nach-Corona Saison liegt hinter ihnen. Allerdings sind jetzt auch kleinere Gruppen zugelassen, die so genannten „Small Groups“, damit die einzelnen Gruppen nach dem Corona-Mitgliederschwund weiter existieren können. Die Deutsche Meisterschaft ist das Ziel für die Hauptklasse.

Wer Interesse an einem Probetanzen hat, meldet sich auf Facebook, Instagram oder unter [email protected]


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