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Kultur atmet etwas auf

Mit den Lockerungen der Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus bekommt auch die Kulturlandschaft in der Herzogstadt langsam aber sicher wieder mehr Luft. Ein noch nie so dagewesenes Event geht heute an den Start.

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Noch sind die Bühnen in Jülich relativ leer. Aber es geht weiter - auch online. Foto: Mira Otto
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Viele kennen vielleicht dieses Gefühl, welches die Coronakrise mit sich gebracht hat: Sehnsucht. Sehnsucht nach dem Flimmern auf der Kinoleinwand, dem Moment, wenn der Bass während des Konzerts durch die Knochen geht, einen Gang durch die Innenstadt ohne Slalom oder nach einer Umarmung mit Freunden, während nach einer durchzechten Nacht langsam die Sonne aufgeht. Verwöhnte Gewohnheit.

Stück für Stück holt man sich etwas dieser Gewohnheit wieder zurück. Und so lebt auch die Kulturlandschaft der Herzogstadt langsam wieder auf. „Wir haben gemerkt, dass es Menschen gibt, denen wir fehlen“, sagte Marcell Perse, der Leiter des Museums Zitadelle. Deswegen treibt das Team jetzt einen Prozess voran, der sonst langsamer vonstattengegangen wäre: Die Digitalisierung. Unter https://www.juelich.de/zitadelle_digital gibt es nun ein Angebot mit Video und Autoclips zu den Ausstellungen des Museums. So gibt es durch Videos eine virtuelle Führung durch „Bildgewaltig – Fotos der Zerstörung Jülichs“. Audiomaterial eröffnet auf der Website „Die Büchse der Pandora – Saat und Ernte“ des Bildhauers und Archäologen Hermann Scharpf. Weitere Onlineausstellungen sind geplant.

Über diesen QR-Code kommt man in das digitale Museum Zitadelle.
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„Das Verhalten der Gesellschaft ändert sich. Wir wollen über ein erweitertes digitales Angebot neue Besucher erreichen. Allerdings findet dabei nicht der Austausch mit den Besuchern vor Ort statt und ist damit eher eine Ergänzung“, sagte Dr. Christoph Fischer, Mitarbeiter des Museums. Dazu Perse: „Das Foto eines Gemäldes bleibt ein Foto. Ein Alleinstellungsmerkmal unseres Museums ist die Nähe zum Original.“ In etwas schlankerer Form ist dies bald wieder möglich. Das Team des Museums plant, Tor und Tür wieder in der Pfingstwoche zu öffnen. Dann kann „Bildgewaltig – Fotos der Zerstörung Jülichs“ sowie weiteres Material von  „ÜberLeben in Jülich“ auch analog besucht werden. Die Ausstellung hat im Schlosskeller ihren Platz gefunden. Durch ein Einbahnstaßensystem können die Bilder innerhalb eines Rundganges angesehen werden. Die äußeren Festungsanlagen bleiben aufgrund der Enge der Gänge weiterhin geschlossen.

Dann verkündete Perse, dass in Absprache mit dem Bürgermeister der Eintritt zum Museum bis zum Ende des Jahres frei bleiben werde. Damit könnte man die Ausstellung auch innerhalb eines Spazierganges besuchen.

Jülich ist eine Stadt der Livemusik. Eine zentrale Bühne für Musiker ist der Kulturbahnhof. „Wir werden diese Perle wiederbeleben“, sagte Cornel Cremer, der Leiter des Kulturbahnhofes.

Die Eröffnung ist heute  

Deswegen haben die Mitglieder des Vereins Kultur im Bahnhof zusammengetan und haben im Biergarten, der sonst eher als Ruhezone während den Events im Kulturbahnhof diente, gehakt, gekehrt und schön gemacht sowie Tische nach den aktuellen Verordnungen aufgestellt. Die Eröffnung ist heute. Diese Woche ist auch mittwochs ab 17 Uhr und an Vatertag schon ab 11 Uhr offen. Bei gutem Wetter öffnet der Biergarten regulär donnerstags, freitags und samstags jeweils ab 17 Uhr. Eine Reservierung ist nicht zwingend nötig, garantiert aber einen Platz im Biergarten. Diese kann über [email protected] vorgenommen werden. Durch die Öffnung wird auch die Musikkultur weiterhin ausgelebt. Livekonzerte werden momentan durch das Internet an die Musikliebhaber übertragen. Über einen Bildschirm werden die Konzerte, die in der Halle des Kulturbahnhofes stattfinden, nur weniger Meter entfernt mitverfolgt werden. So auch heute. Während der Veranstaltung geht der digitale Hut rum. Die eine Hälfte kommt dem Kulturbahnhof, die andere den Musikern zu.

Erst aufpoliert und seit heute offen: Der Biergarten im Kulturbahnhof. Foto: Kulturbahnhof Jülich

Über 100 Veranstaltungen wurden im Kulturbahnhof seit Beginn der Coronakrise abgesagt. „Das Hauptthema sind für uns die Veranstaltungen. Da wird vor September nichts Großes kommen“, so Cremer. Der Kulturbahnhof finanziert sich größtenteils durch Events und die Gastronomie. Auch bei anderen Veranstaltungen, wie den Kinovorführungen, wird momentan hin und her überlegt. Mit den aktuellen Abstandsregelungen würde sich eine Vorführung am gewohnten Ort einfach nicht rechnen.

Die meisten Events, die aufgrund der Pandemie verschoben werden, werden momentan für das Ende des Jahres neugeplant. Man kann eventuell gespannt darauf sein, wie sich die Events dicht an dicht knubbeln werden, wenn alle Veranstalter gleichzeitig wieder an den Start gehen, sobald es grünes Licht gibt.

„Fast alles, was gewesen wäre, findet später statt“, sagte Nadine Klingebiel, die hauptverantwortliche des Kulturbüros der Stadt, welches hauptsächlich größere Veranstaltungen plant. Dies betrifft beispielsweise auch die Reihe „Watt zu Lachen“, bei der Kabarettisten und Comedians für Unterhaltung sorgen. Bei allen Veranstaltungen der Stadt behalten bereits erworbene Karten für die Ersatztermine ihre Gültigkeit. Sollte der neue Termin nicht passen, kann eine Stornierung über [email protected] erfolgen.

Großveranstaltungen sind zunächst bis Ende August nicht gestattet, allerdings ist nicht gesagt, dass bis dahin das Problem Coronavirus nicht mehr besteht. „Alle, die mit größeren Veranstaltungen zu tun haben, sitzen im selben Boot. Wir hoffen, aber Gewissheit hat man nicht“, so Klingebiel.


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