Gemeinhin sagt man ja, dass Reisen bildet – und das war auch in vergangenen Zeiten schon so. 1571 brach der Erbprinz des Hauses Jülich-Kleve-Berg mit 16 Jahren zu einer umfangreichen Kavalierstour auf, die ihn für mehr als zwei Jahre an den Kaiserhof in Wien und schließlich nach Rom führte.
Die Leitung der Reise lag in den Händen des Prinzenerziehers Stephanus Winandus Pighius, eines äußerst gelehrten Mannes, der einige Zeit in Rom gelebt hatte und als einer der Begründer der modernen Epigraphik – der Inschriftenkunde – gilt. Pighius war Geistlicher und hatte unter anderem als Sekretär des mächtigen Kardinals Granvelle, eines engen Vertrauten der kaiserlichen Familie, gearbeitet. Er war keine unumstrittene Persönlichkeit.
Als er 1571 an den jülich-klevischen Hof berufen wurde, passte das Konrad Heresbach, Erzieher und langjährigem Rat Herzog Wilhelms V., gar nicht. Heresbach sah in Pighius einen Vertreter der Gegenreformation, was so gar nicht zum auf Ausgleich bedachten Wesen des Herzogs zu passen schien.
Heresbach veröffentlichte als Reaktion auf die Berufung von Pighius sein Werk über die Erziehung der Fürstenkinder. In diesem breitet er ein umfassendes Lehrprogramm aus, das den zukünftigen Herrscher zu einem christlichen, gerechten und friedensliebenden Fürsten machen sollte. Kavalierstouren hielt er für überflüssig.
Bei der Erziehung Wilhelms V. hatte Heresbach ausdrücklich auf eine solche Reise verzichtet, da ihm diese als viel zu gefährlich für Leib und Leben des zukünftigen Herrschers erschien. Der Nachteil dieser Haltung war, dass Herzog Wilhelm V. bei seinem frühen Regierungsantritt 1539 eine gewisse Weltläufigkeit fehlte. Vielleicht war es diese eigene Erfahrung, die den Herzog seinen Sohn wiederum in die weite Welt ziehen ließ.
Die sorgfältig vorbereitete Reise Karl Friedrichs mit einem eigenen kleinen Hofstaat unter der Führung von Hofmarschall Werner von Gymnich reiste zunächst nach Wien an den Hof Kaiser Maximilians II., des Onkels des jülich-klevischen Erbprinzen. Fast drei Jahre hielt man sich hier auf und erlebte zahlreiche Feste und Feiern.
Im Jahr 1574 erreichte Karl Friedrich eine Einladung nach Rom. Papst Gregor XIII. wollte ihn an seiner Seite wissen, wenn er am Heiligen Abend 1574 feierlich das Heilige Jahr eröffnen würde. Karl Friedrich nahm die Einladung an.
Über die Reise nach Rom mit einem Abstecher nach Neapel sind wir sehr gut informiert, da Pighius 1581 ein mehr als 500-seitiges Buch herausgab, das den Charakter einer Rechtfertigungsschrift hatte, war die Reise doch mehr als unglücklich ausgegangen.
Aber der Reihe nach: Über Innsbruck und den Brennerpass war die Reisegruppe im Herbst 1574 nach Oberitalien gekommen. Rechtzeitig vor Weihnachten erreichte man Rom. Mit allen Ehren wurde Karl Friedrich vom Papst empfangen, an dessen Seite er am Heiligen Abend 1574 die Heilige Pforte in St. Peter öffnete.
Diese Ehrbezeugung hatte vor allem ihren Zweck darin, den zukünftigen Herrscher über die bedeutenden Territorien Jülich-Kleve-Berg als papsttreuen Katholiken zu inszenieren. Die niederrheinischen Herzogtümer sollten auf keinen Fall der Reformation zufallen.
Nach den Feierlichkeiten in Rom zog Pighius mit seinem Zögling für einige Zeit nach Neapel. Hier muss es dann passiert sein: Der Jungherzog infizierte sich mit den Blattern (Pocken). Nach Rom zurückgekehrt, verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends. Die besten Ärzte des Papstes konnten nichts ausrichten – Anfang Februar 1575 verstarb Karl Friedrich in Rom mit knapp 20 Jahren.
Eine menschliche Tragödie und eine Katastrophe für das Haus Jülich-Kleve-Berg. Mit großem Gepränge wurde der Jungherzog in der Nationalkirche der Deutschen in Rom beigesetzt, wo man das einige Jahre später errichtete prachtvolle Grabdenkmal noch heute bewundern kann. Das jülich-klevische Herrscherhaus verabschiedete sich damit letztlich aus der Geschichte, da der jüngere Bruder Karl Friedrichs, Johann Wilhelm, 1609 ohne männlichen Nachkommen starb – und etwas salopp gesagt: Tschööö!
Dieser Beitrag ist erstmals 2017 erschienen. Aktuell ist in Kooperation des Jülicher Schlosskonzerte e.V. mit dem Jülicher Geschichtsverein und namhaften Sponsoren drei Ensembles historischer Musik eine CD in Vorbereitung. Der Titel „Der ersehnte Fürst ist da“.
In musikalischen Werken wird die Lebensgeschichte des Erbprinzen Karl Friedrich von Jülich-Kleve-Berg nacherzählt. Nach Auskunft von Initiator Guido von Büren wird das musikalische Werk ab Herbst auf allen Online-Plattformen zu finden sein. Guido von Büren wird am 29. September auf Einladung der VHS Jülicher Land einen Vortrag zum Thema halten. Um eine Anmeldung aus organisatorischen Gründen unter Angabe der Kursnummer U02-008 per Mail an vhs@juelich.de oder telefonisch unter 02461 / 63 201 wird gebeten.




















