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In Freud und Leid zum Lied bereit

Wenn Männer singen

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der Männerchorgesang in Jülich | Foto: Stadtarchiv
Männergesangsverein aus Jülich | Foto: Stadtarchiv
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Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter des Bürgertums. In den Städten erstarkte eine Mittelschicht, die als Staatsbedienstete, Militärs, Handwerker, Gewerbetreibende, Industrielle und leitende Angestellte über Freizeit verfügten, die es sinnvoll zu gestalten galt. In diesem Milieu blühte der Chorgesang auf. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten sich im deutschsprachigen Raum Singkreise gebildet, die – nicht selten aus einer patriotischen Stimmung heraus – einen immer größeren Zulauf erhielten. Im Umfeld der Deutschen Revolution von 1848/49 nahm die Zahl der Neugründungen von Männer-Gesangs-Vereinen deutlich zu. So reichen auch die Anfänge des Jülicher Männer-Gesang-Vereins bis in das Jahr 1849 zurück, aber erst 1852 wurde den Behörden eine Mitgliederliste und eine Satzung übersandt. Als Zweck des Vereins wurde angegeben: „…möglichste Vervollkommnung in dem Vortrage mehrstimmiger Männer-Gesänge und gesellschaftliche Unterhaltung mittels derselben.“ Für den Zeitraum von 1852 bis 1914, den Chantal Kröber in ihrer Darstellung der Geschichte des Jülicher Männer-Gesang-Vereins aus dem Jahr 2013 behandelt, weist sie 152 Mitglieder nach, vom Tagelöhner über den Pharmazeut bis zum Zigarrenfabrikant. Nicht wenige Mitglieder entstammten dem in Jülich stationierten Militär, darunter Carl Stock, Kapellmeister der königlichen Unteroffiziersschule, der zeitweilig die Leitung des Chores übernahm. 1855 erhielt der Verein seine erste Fahne mit der für Männer-Gesangs-Vereine der Zeit typischen Aufschrift „In Freud und Leid zum Lied bereit“. Regelmäßig veranstaltete der Verein Konzerte in Jülich, nahm aber auch anderenorts an Musikveranstaltungen, vor allem Gesangwettstreiten, teil. Der Aspekt der Geselligkeit, der ausdrücklich die Familien der Mitglieder mit einschloss, spielte dabei eine große Rolle. So zeigt das älteste erhaltene Foto des Vereins aus dem Jahr 1905, das vermutlich während der Teilnahme an einem Wettstreit in Selgersdorf entstand, neben den männlichen Aktiven auch Frauen und Kinder.

1876 feierte der Männer-Gesang-Verein sein 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass formulierte der Jülicher Bürgermeister Friedrich Heinrich Nyssen den Wunsch, dass „der Jülicher Männer-Gesang-Verein bis in die fernsten Zeiten wachsen, blühen und gedeihen möge“. Bis heute ging dieser Wunsch in Erfüllung, sodass der Verein auf stolze 164 Jahre seit seiner Gründung zurückblicken kann. Nicht nur dafür gebührt ihm Dank und Respekt, sondern auch für das Lebendig halten der kulturellen Tradition des männlichen Chorgesangs innerhalb der reichen Jülicher Chorlandschaft.

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Guido von Büren
Eine echte Muttkrat und mit unbändiger Leidenschaft für Geschichte und Geschichten, Kurator mit Heiligem Geist, manchmal auch Wilhelm V., Referent, Rezensent, Herausgeber und Schriftleiter von Publikationen, Mitarbeiter des Museums Zitadelle und weit über die Stadtgrenzen hinaus anerkannter Historiker, deswegen auch Vorsitzender der renommierten Wartburg-Gesellschaft

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