Start Magazin Gesundheit Die dritte Welle und Vorbereitung ungenügend

Die dritte Welle und Vorbereitung ungenügend

Ursprünglich waren von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kostenfreie Schnelltest für alle ab Anfang März angekündigt worden. Nun kommt der April schon langsam näher und die Supermärkte sind teils besser aufgestellt als die Ärzte. Trotzdem stehen nun jedem Bürger zwei kostenfreie Schnelltests pro Woche zu. Wie ist die Situation im Jülicher Land. Eine Bestandsaufnahme.

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Foto: pixabay
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Das Fazit: Tests sind wichtig, aber die Maßnahme kommt zu plötzlich. Es sind in der Kürze der Zeit zu wenige verfügbar.

Die Ankündigung, dass Lehrer sich nun zweimal die Woche kostenfrei einem Schnelltest unterziehen könnten, habe, wie zu erwarten, zu einer nicht zu bewältigenden Zahl von Anfragen geführt, berichtet Dr. Gabriel Yihune, der zu Beginn des Jahres das Corona-Zentrum in Koslar ins Leben gerufen hat. Die Schnelltests seien „ungenügend verfügbar“. Über die ausreichende Verfügbarkeit der Schnelltests und die Sinnhaftigkeit der Umsetzung dieses Versprechens sind die Ansichten der Mediziner aber nicht deckungsgleich.

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Wenn es nach Dr. Undine Fuchs gegangen wäre, hätte man bereits viel früher angefangen in den öffentlichen Einrichtungen, wie Schulen, so zu testen wie es nun versprochen ist. Die Notwendigkeit, ab sofort jeder Privatperson wöchentlich zwei Schnelltests zu ermöglichen, bezweifle sie allerdings stark. „Angenommen es sind gute Tests“, so der in Stetternich arbeitende Franz-Josef Hackhausen, bestehe die Chance, asymptomatisch Infizierte zu entdecken und so unbewusste Ansteckungen zu verhindern. Einig sind sich allerdings alle drei Mediziner über die Problematik der fehlenden Kontrolle der Durchführung und besonders der Ergebnisse. Wenn der oder die Betroffene ein positives Testergebnis ignorierte, ungeachtet der Gründe, dann sei dies durch niemanden zu festzustellen. Die Folgen solchen Handels wären zum einen fatal und zum anderen nicht zu ahnden.

Befürworten könne er diese im Handel erhältlichen Laientests nicht, verdeutlich Dr. Yihune seine Meinung. Zum einen fehle die Beglaubigung der Durchführung und des Ergebnisses durch medizinisches Fachpersonal. Zum anderen sei die Aussagekraft eines Schnelltests deutlich eingeschränkt. Wie groß die Aussagekraft eines solchen Laientests sei, halte er für noch fragwürdiger. Das größte Ärgernis für ihn persönlich, echauffiert Hackhausen sich, sei, dass die Ankündigung für Montag erst am Freitagnachmittag kam, als die Praxis bereits zum Wochenende geschlossen war. Er halte die Maßnahme keineswegs für schlecht, allerdings sei sie zu unvorbereitet.

Finanziert werden die Schnelltests aktuell mit 6 Euro pro Stück durch staatliche Steuergelder bei einem Stückpreis von 7,50 Euro plus Mehrwertsteuer, erklärt Dr. Yihune. Aktuell habe er etwa 2000 Stück verfügbar. Nach Kenntnisstand des Stetternichers Hackhausen werde diese Summe allerdings in absehbarer Zukunft auf 9 Euro angehoben. Gänzlich verdeutlicht Dr. Fuchs das Informationschaos in diesem Zusammenhang. Sie habe keinerlei Informationen zu Vergütung oder Verfügbarkeit, erklärt sie.

Der Einzelhandel ist mit den Laien-Selbsttests durchwachsen aufgestellt. Christina Stylianou, Leiterin der Unternehmenskommunikation von Netto Marken-Discount etwa erklärt, der Verkauf sei „mit Verfügbarkeit geplant“ und verweigert jeden weiteren Kommentar. Annika Büschken, Pressereferentin von Aldi Süd, gab bekannt, dass der Verkauf seit Montag laufe und bereits nachbestellt worden sei. Aufgrund der hohen Nachfrage sei der Verkauf aktuell allerdings begrenzt auf ein Selbsttestset pro Kunde.

Neben all diesen Unsicherheiten sind sich die Mediziner in zwei Punkten einig. Erstens: Die dritte Welle werde kommen und jeder einzelne müsse seinen oder ihren Teil zum Wohl der Gemeinschaft beitragen. Schnelltests hin oder her, müssen die Kontakte weiter reduziert bleiben, besonders wegen der sich nun ausbreitenden Virusmutationen. Zweitens: Das Impfen sei der einzige Weg aus der Pandemie und zurück in eine neue Form der Normalität. Impfbereitschaft und -fortschritt seien die essentiellen Faktoren. Ungefragt leiten alle drei das Gespräch dorthin und sprechen über die eigenen Wünsche ihre Patienten impfen zu können. Ein besonders großes Lob sprechen ebenfalls alle dem Dürener Impfzentrum aus. Das Corona Zentrum in Koslar sei bereits mitten im Antragsverfahren, um auch zum Impfzentrum werden zu können, so Dr. Yihune. Auch die Hausarztpraxen hätten nach Aussagen der Dres. Fuchs und Hackhausen die Kapazitäten und fachlichen Befähigungen, die Bevölkerung zu immunisieren. Hindernis sei lediglich die damit verbundene Bürokratie.


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