Das rote Kabel, das auf dem hinteren Schlossplatz aus dem Boden ragt, ist ein erster Hinweis, das hier ein Platz bereitet wird. Ab September 2027, wenn alles gut läuft, werden hier viele Menschen mit Smartphones stehen und sich vor einem Vexierschriftzug „Jülich“ und der Kulisse der Zitadelle fotografieren. Ein sogenannter „Selfie-Point“ soll hier entstehen.
Aber er ist viel mehr als das, betont Guido von Büren. Er ist nicht nur Vorsitzender des Innenstadtbeirates, der bereits die Willenserklärung zur Umsetzung abgegeben hat, sondern auch des Jülicher Geschichtsvereins. Dieser setzt federführend das von Peter Schmitz 2018 initiierte Projekt „Wege zur Kunst“ fort. Ein Synergieeffekt im besten Sinne.
Entworfen hat den Selfie-Point, der zugleich Kunstwerk ist, Ernesto Marques. Der in Broich lebende Künstler sollte mit einer Figuren-Installation „Together I and you“ Teil der Wege zur Kunst werden. Jetzt ist dieses Konzept zwar vom Tisch (oder besser: Platz), dafür hat eine neue Idee Raum und Gestalt angenommen.
Marques entwickelte die Buchstaben Jülichs zum eigentlichen Kunstwerk. Gefertigt werden soll alles aus Cortenstahl. Besonders bei Dunkelheit soll der Schriftzug seine Wirkung entfalten – daher die notwendige Stromversorgung und das rote Kabel. Der Sockel erhält ein Lichtband.
Zudem soll die Platte unterhalb der Buchstaben durchbrochen werden, damit diese von unten angestrahlt werden können. Die Idee sei, erklärt von Büren, „dass es bei Dunkelheit oder Nebel über dem Boden zu schweben scheint“. Die Buchstaben selbst sollen ungefähr Schulterhöhe erreichen.
Dabei ordnet sich der Jülich-Schriftzug in ein größeres Konzept ein. Das Projekt „Wege zur Kunst und Geschichte“ verfolgt die Idee, besondere Kunstwerke wie eine Art Perlenkette durch Jülich zu führen. Bislang realisiert sind der Sonnenfänger von Rudolf Vaasen in Sichtweite der Solartürme und die Pasqualini-Statue von Maria Fernandez auf dem Jülicher Marktplatz. Objekt 3 soll nun das Marques-Werk werden. Genau darin sieht von Büren den Mehrwert: „Ich sehe es eben als große Chance, etwas mehr zu machen, als man üblicherweise bei so einem Fotopunkt hat.“
Beide Projekte in einem zu vereinen kostet. Zwar sei keine Fundamentierung notwendig und der Künstler erhebe kein Honorar für den Entwurf, dennoch liegen die Material- und Aufstellungskosten laut von Büren bei rund 125.000 Euro. Trotz der erheblichen Kosten fiel das Votum für das Konzept aus. Guido von Büren ist der Überzeugung, dass das Kunstwerk optisch „auf jeden Fall ein Highlight“ werden könnte.
Das finden offenkundig ebenso der Innenstadtbeirat als auch Bürgermeister und Stadt Jülich, der flankierende Geschichtsverein und die Werbegemeinschaft Jülich. Sie halten das Projekt für so lohnend, dass das Geld aufgebracht werden soll. Auch das „Wie“ wird schon angegangen. Alle Befürwortenden werden viel Papier für Förderanträge füllen müssen.
Sollten sie positiv beschieden werden, wäre das Projekt auf gutem Wege. Vorab aber steht die Präsentation in den politischen Gremien noch bevor. Die ersten Termine hierfür sollen in diesem Jahr stattfinden.



















