Was einst als Rasen, später als Kunstrasenfläche für „Grün“ auf dem Schlossplatz sorgte, ist nun eine weite graue Fläche. Die ursprüngliche Vorstellung von einem wohnlichen Begegnungsort im Zuge des InHK musste den mangelnden finanziellen Mitteln weichen.
Dieser Ratsbeschluss fiel bereits im Dezember 2024. Die Entscheidung für die Steine hatte die Grünen-Fraktion bereits damals kritisch bewertet. Klimatechnisch trage der Belag ihrer Ansicht nach nicht wirklich zur Verbesserung bei. Schließlich sei jede Versiegelung grundsätzlich eine Verschlechterung des Stadtklimas. Der Klimastein könne diesen Effekt bestenfalls abmildern, aber nicht umkehren. Auch die Menschen am Bauzaun beäugen aktuell skeptisch die neue Fläche, die vor allem Veranstaltungen dienen soll.
Dennoch kann der Klimastein eine gute Alternative zu bestehenden Bodenmaterialien darstellen. Als „beste Verbindung zwischen zwei Welten“, und zwar zwischen grünem Rasen und versiegeltem Asphalt, beschreibt Bauamtsleiter Stefan Sistemich den Stein, der nach Erkenntnis des Bauingenieurs mehr ist als nur ein Pflasterstein. Zum einen eigne er sich zur Bebauung von Veranstaltungsflächen, zum anderen stehe er für Klimaschutz ohne Versiegelung. Aufgrund dessen sieht der Diplomingenieur die Chancen des Klimasteins vor allem auf größeren Plätzen, aber auch in Gewerbegebieten.
„Es geht darum, dass man der Hitze durch mehr Kühlung entgegenwirkt“, erklärt Sistemich. Klingt gut, aber wie soll das durch Einsetzen von Steinen gehen, die ja bekanntermaßen eher Wärme speichern und dann auch abgeben? Bauingenieur Daniel Tim erklärt das Drei-Schichten-System des Klimasteins. Zunächst werde beim Setzen der Steine zwar eine befestigte, aber keine versiegelte Fläche entstehen. Dadurch soll das Wasser verdunsten können – allerdings nicht „durch den Stein“.

Dessen Oberflächenschicht dient der Reflexion des Lichts und nimmt die Verkehrslasten auf – oder im Klartext: ermöglicht bei Veranstaltungen die Befahrbarkeit des Schlossplatzes durch Lastwagen. Die Verdunstung erfolgt über die Fugen. Wasser wird über die Fugen in den Stein eingeleitet und in der mittleren Schicht des Steins zwischengespeichert. Durch die Verdunstung entstehe dann ein gewisser Kühlungseffekt.
Andererseits kann der Stein aber auch von unten durch den Boden Wasser aufnehmen, wenn kein Wasser mehr gespeichert ist. Diesen Prozess durch die unterste Schicht des Steins nennt man „Kapillareffekt“. Auch wenn die Steine bei näherer Betrachtung unterschiedlich aussehen, so funktionieren sie alle gleich.
Gleichzeitig, so erklärt Stefan Sistemich, verringerten die innovativen Steine auch das Risiko bei Starkregen und trügen zum Klimaschutz bei. Dort, wo die Wege mit Klimasteinen gepflastert sind, stehen zwar keine Bäume, aber die Steine nützten dem Umfeld. Laut Sistemich bliebe es in der Umgebung der Bäume kühler: „Wir haben jetzt acht Wochen keinen Regen mehr gehabt. Die Bäume sind aber noch alle grün.“
Durch die Wasserspeicherung im Stein soll auch das Abwassersystem entlastet werden. Erst wenn der Stein „gesättigt“ ist, versickert das Wasser in der Erde, da der Stein nicht unbegrenzt Wasser speichern kann. Während der erste „Schwung“ des Starkregens noch aufgenommen wird, kann der zweite von einem daneben angelegten Rinnensystem abgeleitet werden.
Dazu dient auch das Gefälle des Platzes. Die Seite der Steinerfinder gibt an, dass der Klimastein in den heißen Sommermonaten bis zu 70 Prozent des aufgenommenen Niederschlags verdunsten kann. Das Besondere daran ist, dass trotz langer Regenpause immer noch Wasser im Stein nachgewiesen werden konnte.

Grundsätzlich ist der Klimastein auch ein Baustein im Rahmen der Schwammstadt-Kriterien.
Eine detailreichere Darstellung des Klimasteins in all seinen Funktionen kann auf der Website der Steinerfinder nachgelesen werden.
Lesen Sie hierzu: Wann weichen die Bauzäune endgültig?.



















