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Aus dem Topf der Geschichte (3)

Für den HERZOG haben die Autoren Achim Werner und Jens Dummer einige Rezepte aus ihrem Buch ausgewählt, saisonal angepasst und mit regional-historischen Informationen ergänzt. In unregelmäßigen Abständen werden die Gerichte mit dem geschichtlichen Hintergrund vorgestellt.

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Foto: Autoren
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Im 1. Jahrhundert nach Christus hieß Jülich „Juliacum“ und war aufgrund der strategisch günstigen Lage an einer Furt der Rur ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt entlang der römischen Fernstraße von Köln nach Boulogne-sur-Mer an der Kanalküste. Diese, heute als „Via Belgica“ bezeichnete und viele andere Fernstraßen waren die Lebensadern des römischen Imperiums. Sie waren wichtig für den Transport von Handelsgütern, gleichzeitig aber auch von großer militärischer Bedeutung, um den raschen Vormarsch der Truppen in Krisengebiete zu gewährleisten. Wie überall im römischen Reich gab es auch im Umfeld von Juliacum in unmittelbarer Nähe der Fernstraße zahlreiche Gutshöfe, welche die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherten.

Im Museum Zitadelle in Jülich können entsprechende Funde aus römischer Zeit besichtigt werden. Sehenswert sind auch ein römischer Sarkophag im Jülicher Schlosspark und die Replik eines römischen Meilensteins im Bereich der Sophienhöhe am Tagebau Hambach.

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Das folgende Rezept stammt aus dem Buch „De re coquinaria“ des römischen Kochs Apicius, wir haben es auf die Verwendung von Giersch adaptiert.

Schweinegeschnetzeltes „Terentinum“ mit Giersch

Zutaten für 4 Personen:

250 g Gierschblätter
1,2 kg Schweinefleisch (Schnitzel)
6 EL Liquamen (alternativ Sojasauce)
2 EL Honig
2 TL Koriander (geschrotet)
4 TL schwarze Pfefferkörner (gemörsert)
4 TL Oregano (getrocknet)
0,3 – 0,4 l Wasser
Olivenöl (Menge nach Bedarf)

Liquamen war bei den Römern eine sehr beliebte Würzsauce, etwa wie heute „Maggi“. Der Herstellungsprozess ist sehr aufwendig, deshalb empfehlen wir ersatzweise die Verwendung von
Sojasauce.

Zubereitung:

Fleisch in Streifen von etwa 5 x 1 cm Größe schneiden, in heißem Olivenöl einige Minuten scharf anbraten, Koriander, Pfeffer, Liquamen und Wasser dazugeben und 10-12 Minuten bei mittlerer Temperatur im offenen Topf köcheln. Dann gehackte Gierschblätter und Oregano hinzufügen, weitere 4-5 Minuten auf kleiner Flamme garen.

Volksmedizin:
Bei strapazierten, geschwollenen oder wunden Füßen kann ein Fußbad aus zerquetschten Blättern, Stängeln und Wurzeln vom Giersch Linderung verschaffen; oder ihr Ziel noch nicht erreicht habende, erschöpfte Wanderer können sich frische Gierschblätter unter die Fußsohlen legen.

Als Quellen zur Veröffentlichung dientenAus dem Topf der Geschichte (2)

A.Werner; J. Dummer: Kochen durch die Epochen. Von der Steinzeit bis ins Mittelalter.

A.Werner; J. Dummer: Ahhh…Giersch 42 Kochrezepte Von der Steinzeit bis ins Mittelalter Küchenklassiker und Exoten

M. Perse: Der vicus von Jülich. In: Vera Rupp, Heide Birley (Hrsg.): Landleben im römischen Deutschland. Theiss Verlag Stuttgart 2012, 108 f..


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