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Das „Findelmädchen“ in Jülich

Was für die Blumenhandlungen der Valentinstag ist, ist für Bibliotheken der bundesweite Vorlesetag, sagte Birgit Kasberg, Leiterin der Jülicher Stadtbücherei, schmunzelnd. Damit leitete sie die Lesung von Lioba Werrelmann, alias Lilly Bernstein ein, die aus diesem Anlass ihr neues Buch „Findelmädchen“ vorstellte.

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Lioba Werrelmann signierte nach der Lesung noch "Findelmädchen"-Bücher. Foto: Dorothée Schenk
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Für einige war es die Begegnung mit „alten Bekannten“, andere machte Lioba Werrelmann bei ihrer Lesung zum Vorlesetag erstmals mit Helga und Jürgen bekannt. Das Geschwisterpärchen, das zur Kinderbande im Köln der unmittelbaren Nachkriegszeit gehörte, spielt im ersten Bestseller der Jülicher Autorin – „Trümmermädchen“ – eine Rolle und ist nun der Protagonist im neuen Werk „Findelmädchen“. Die Geschichte beginnt am Heiligen Abend im Jahr 1954 und führt in das Deutschland des Wirtschaftswunders. Mucksmäuschenstill folgte das Auditorium den Worten von Lioba Werrelmann und ihrer radiogeschulten Stimme. Es fröstelte einen fast, als Helga und Jürgen bei Schneefall auf dem Bahnhof in Ehrenfeld ankamen und es zuckte in den Beinen, als in der Milchbar Rock’n Roll getanzt wurde. Ein akustisches Vergnügen!

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Nachdem das Publikum zunächst etwas zurückhaltend auf Lioba Werrelmann reagierte, die gerne ins Gespräch kommen wollte, brach schließlich doch das Eis. Und es gab allerhand zu erfahren, etwa, dass Lioba Werrelmann eigentlich nur Krimis schreiben wollte. Der Verlag sei mit der Idee zu dem historischen Roman, der im Hungerwinter spielen sollte, auf sie zugekommen. Durch Erzählungen ihrer Mutter war ihr das Thema vertraut. „Ich konnte aus meiner Familiengeschichte schöpfen.“ Auch die Anregung, ein Pseudonym für dieses Genre zu verwenden, stammt vom Verlag. Schließlich hatte Journalistin Lioba Werrelmann bereits Sachbücher und einen Krimi geschrieben – „der aber leider nicht so erfolgreich war“, gab die Autorin zu. So wurde Lilly Bernstein geboren. Ja, historische Romane seien arbeitsintensiver wegen der Recherche, die das Gespräch mit Zeitzeugen, aber auch das Vertiefen in Bildbände beinhalte, die sie in modernen Antiquariaten aufstöbere. „Ich präge mir die Bilder intensiv ein“, erzählt Lioba Werrelmann und so entstehen die lebendigen Bilder wie das der Frauen mit den Zigarettenspitzen und dem Jungen, der den „halven Haan“ auf dem Ehrenfelder Bahnhof verkauft. Gerne würde sie in ihren Geschichten junge Frauen als Heldinnen präsentieren, die an der Schwelle zum Erwachsenwerden stehen und eingebettet sind „in besondere politische Umstände“.

Verraten hat Lioba Werrelmann auch, dass sich die Leserschaft auf einen dritten Roman freuen darf: „Übernächste Woche fange ich mit dem ,Eifelmädchen’ an.“ Dann wird es um die 1939er Jahre gehen und um die Schmugglerpfade rund um Monschau. Erscheinungsdatum wird vermutlich im Frühjahr 2024 sein.

Bis dahin müssen die Fans von Lioba Werrelmann aber nicht ohne neuen Lesestoff auskommen, denn gerade befindet sich ein neuer Krimi vor der Vollendung. Der erste von vielen, denn es sei der Auftakt zu einer Krimireihe, die in Siebenbürgen spielen wird. „Im Krimi wird es einen männlichen Helden geben. Das ist mir etwas schwer gefallen“, sagt sie lächelnd. „Man wirft mir vor, dass ich die Männer immer zu negativ zeichne.“ Das Schreiben selbst, so sagt die Autorin, sei leicht. „Es fließt aus mir heraus. Aufregend ist die Zeit, wenn das Buch im Verlag liegt.“ In der Situation ist Lioba Werrelmann gerade und just vor der Lesung in der Jülicher Stadtbücherei hatte der Verleger ihr eine Sprachnachricht hinterlassen. „Ich habe sie aber noch nicht abgehört“, gibt sie schmunzelnd zu, sie wollte sich vor der Veranstaltung nicht ablenken. Und so bleibt die Spannung wie in Liobas Werrelmanns Büchern bis zum Schluss: Wird der Krimi noch einmal in die Überarbeitung gehen müssen, oder findet es die finale Zustimmung?


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