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Gute Wahl für die erste Medaille

Einen einmaligen Preis – so nannte Pater Provinzial Josef Költringer die Franz von Sales-Medaille des Gymnasiums Haus Overbach. Denn: Es sei der erste Franz von Sales-Preis, der nicht an Journalismus, sondern an Schriftstellerinnen und Schriftsteller sowie gute Literatur verliehen werde. Die erste Auszeichnung ging an Caroline Wahl und ihren Roman „Windstärke 17“.

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Pater Provinzial Josef Költringer (rechts) zeigt Caroline Wahl (Mitte) die Sales-Medaille. Auch Marco Maria Emunds (links) betrachtet die Auszeichnung. Foto: Ariane Schenk
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Es ist ein Preis, der auch deswegen besonders ist, weil er von Jugendlichen ausgelobt wird. Die Jury für die Literatur-Medaille bestand aus zwölf Schülerinnen und Schülern der Oberstufe sowie Marco Maria Emunds und Dr. Stephanie Kroesen aus dem Kollegium des Gymnasiums. Und, so Kroesen, das Ergebnis einer lebendigen Debattenkultur. Alle drei Jahre soll die Medaille nun erneut vergeben werden – an eine deutschsprachige Roman-Neuerscheinung aus der Zwischenzeit. Grund ist, dass alle die Möglichkeit haben sollen, ein Mal in ihrer Oberstufenzeit Teil der freiwilligen Jury zu sein. Mit „Windstärke 17“ wurde die Latte allerdings direkt zu Beginn deutlich hoch gelegt.

Die Romane Caroline Wahls, insbesondere ihr Debütroman „22 Bahnen“, werden schon lange qualitativ besprochen. Wesentlich seltener aber, wie nahbar die Autorin bei ihren Auftritten wirken kann. Mikrofon-Probleme werden mit einer pragmatischen Art abgehandelt, die eine unangenehme Atmosphäre gar nicht erst entstehen lässt, sondern mit Situationskomik die Stimmung auflockert. Schlagfertige, impulsive Antworten im Gespräch mit den Jury-Vertreterinnen Emily Michaelis und Lotta Pötter, die im selben Charme rein textlich wiederzugeben kaum möglich sind. Und eine Vorleseleistung, bei der die Gedankenwelt, der Trotz, das „Ich will hier raus“-Gefühl ihrer Protagonistin Ida so greifbar wird, dass das Publikum gebannt zuhört. Vielleicht bis auf ein Lachen an den passenden Stellen, das auch der Autorin ein Lächeln entlockt.

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Nun wurde nicht nur Caroline Wahl, so ihre eigenen Angaben, mit ihrer ersten Medaille, sondern auch ihr zweites Werk mit seinem ersten Preis ausgezeichnet. Das freue sie sehr, denn sie möge den Text fast noch mehr als den ersten – will sie sagen, unterbricht sich aber: „Wobei, das darf man nicht sagen, dass man ein Lieblingskind hat.“ Dass es auch noch ausgerechnet ein von Jugendlichen ausgelobter Preis ist, so wurde über den Abend deutlich, macht das Ganze für sie vielleicht sogar noch etwas besonderer. Denn sie sprach davon, dass es ihr Hoffnung gebe, wenn junge Menschen sich für Literatur interessierten. Wenn die eigenen Texte bei jungen Menschen ankämen, sei das sehr erfüllend – auch wenn sie andeutete, dass es ein etwas seltsames Gefühl sei, Belegexemplare von ihren Werken zu bekommen, die für Schulunterrichts-Analysen aufbereitet seien. Sie wolle auch jungen Menschen Mut machen, ihren Leidenschaften nachzugehen, denn „dann hat man es zumindest versucht“. Leidenschaft, die sich in Aussagen wiederfindet, die ihre Lebenssituation als „riesengroße Freiheit und ein riesengroßes Glück“ bezeichnen.

Caroline Wahl im Gespräch mit den Jury-Vertreterinnen Emily Michaelis und Lotta Pötter. Foto: Ariane Schenk

Im Laufe des Abends gab die Autorin verschiedene Einblicke in Werk und Werdegang. Darunter die Aussage, dass Schreiben für sie ein bisschen so aufregend wie Lesen sei, da sie vorher nie wisse, was mit ihren Figuren passieren wird. Oder ihre Einbindung in die Verfilmung von „22 Bahnen“, bei der sie beispielsweise in Casting-Entscheidungen involviert gewesen sei – aber sich bei der voraussichtlich als Serie erscheinenden Verfilmung ihres dritten Romans „Die Assistentin“ erstmals an die Drehbucharbeit wagen werde. Anekdoten aus Recherche-Reisen. Und solche von Momenten auf dem Tennisplatz, in denen ihre Agentin mit einem neuen Angebot für den Debüt-Roman angerufen habe. Caroline Wahl stellte klar: Sie will darum kämpfen, dass sie weiterhin ganz oben mitspielen darf. Wer in Barmen dabei war, hatte das Gefühl: Das dürfte gelingen. Die lange Schlange zur Signierstunde nach der Veranstaltung sprach jedenfalls Bände. Ein Abend, der der Publikumsreaktion zufolge noch länger nachhallen wird.

Dass die Franz von Sales-Medaille mit ihrer Verbindung zum Heiligen Franz von Sales besonders ist, hob Dr. Stephanie Kroesen in ihrer Grußrede hervor. „In seinem Geist zeichnet die Medaille Autorinnen und Autoren aus, die sich mit ihren Werken für eine friedvolle und solidarische Gesellschaft im Geiste des christlichen Menschenbildes einsetzen“. Und das „in einer Zeit, in der der Wind schärfer bläst.“ Eine Anspielung, die nicht nur zum Zeitgeist und Buchtitel passt, sondern auch eine elegante Verbindung zur inneren Welt der Protagonistin von „Windstärke 17“ bildet.

Die Sales-Medaille wurde von Goldschmiedin Anja Schlader als Koslar gestaltet. Verliehen wurde neben Medaille und Urkunde ein Preisgeld von 2500 Euro, für die ein anonymer Spender verantwortlich zeichnet.


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