Große Diskussion um ein seit zehn Jahren stillgelegtes Schwimmbad: Der längsten Diskussion im sechsten Haupt- und Finanzausschuss lag ein Antrag der Grünen zu Grunde. Im Rahmen der Haushaltsberatungen wollte die Fraktion erreichen, dass die vorgesehenen Planungskosten für die Wiederinbetriebnahme des Welldorfer Lehrschwimmbeckens gestrichen werden. Zwar seien sie dafür, die Schwimmlandschaft zu stärken – so ist es dem Antrags zu entnehmen – allerdings stünden die Chancen, das Schwimmbad wieder einsetzen zu können, nicht im Verhältnis zu den voraussichtlichen Kosten. Insofern schlugen sie vor, bereits auf die Planungskosten von 25.000 Euro zu verzichten.
Hier hätte die Diskussion grundsätzlich schon zu Ende sein können. Noch vor einem Jahr, im Mai 2025, hatte die Partei den Vorstoß der UWG JÜL, die Wiederinbetriebnahme des Lehrschwimmbeckens prüfen zu lassen, als „Wahlkampf“ bezeichnet. Argumente dagegen waren ähnliche wie im Haupt- und Finanzausschuss dieser Legislaturperiode: Es koste Zeit, Geld, würde möglicherweise unberechtigte Hoffnungen wecken. Außerdem seien Gründe der Schließung unter anderem die schlechte Bausubstanz, mangelhafte Filteranlage sowie ein fehlender Wasserspeicher gewesen. Auch zu diesem Zeitpunkt war das Hallenbad bereits geschlossen. Der Antrag von Mai 2025 wurde damals schließlich allen Gegenargumenten zum Trotz angenommen. Die anschließende Prüfung der Verwaltung lieferte im vergangenen Oktober zusätzlich die Antwort: Das Lehrschwimmbecken sei nicht mit relativ geringem Aufwand wieder in Betrieb zu nehmen.
Soweit die Hintergründe, die bei der aktuellen Diskussion nicht zur Sprache kamen. Sie waren allerdings der Anlass für die Grünen aktuell den Antrag „auf Streichung“ einzubringen. Frank Radermacher (CDU) bezog für seine Fraktion gegen den Antrag der Grünen Stellung, die Planungskosten einzusparen. Schwimmen sei ein wichtiger Punkt, also „warum das nicht prüfen“. Gleichzeitig gab er die Hoffnung zu Protokoll, dass der Baudezernent erstmal selbst eine Prüfung vornehmen könnte. In diesem Zuge könnten, so Radermacher, die 25.000 Euro unangetastet bleiben – wenn sich herausstelle, dass die Umsetzung in einem vernünftigen Kostenrahmen nicht machbar sei.
In ihrer Antwort betonte Christine Klein (Die Grünen), dass es bei dem Antrag nicht nur um die Planungskosten, sondern auch um den Aufwand gehe und ob das Vorhaben erfolgversprechend sei. Schließlich müsse auch die Technik komplett neu gemacht werden. Darauf stieg Christian Klems (UWG JÜL) ein. Sie habe das Problem richtig umschrieben: Man wisse aktuell überhaupt nicht, was für die Inbetriebnahme in die Hand genommen werden müsse. Es sei richtig, dass das Lehrschwimmbecken lange leer stehe. Für eine fundierte Entscheidung, gerade auch in Anbetracht der angespannten Bädersituation in Jülich, sei es allerdings wichtig, die Kosten zu kennen. Man überlege ja auch, Schwimmcontainer anzuschaffen, da sei es gut, wenn es denn die Chance gäbe, das Lehrschwimmbecken in Welldorf wieder herzurichten. Er sprach sich dafür aus, den Vorschlag anzunehmen, die Verwaltung nochmal eine Expertise abgeben zu lassen, auf deren Grundlage noch einmal final entschieden werden könne.
Sicher sei niemand im Raum gegen neue Schwimmmöglichkeiten, meldete sich Harald Garding (SPD) zu Wort. Aber er wolle daran erinnern, dass die Schließung 2014 durch die Verwaltung sehr gut begründet gewesen sei. Seit dieser Stilllegung sei nichts an der Technik gemacht worden und die Lage sei entsprechend wohl nicht besser geworden. Garding erinnerte daran, dass man sich vor nicht allzu langer Zeit noch einig war, dass es sich nicht lohne, Geld in die Nutzung des Schwimmbades als solches zu stecken. Seine Fraktion befürworte den Antrag der Grünen. Sollte die Verwaltung aber ohne zusätzlichen Kostenaufwand zu einem Ergebnis kommen, könne man eine entsprechende Stellungnahme anhören. 25.000 Euro einfach so auszugeben könne man sich aber nicht leisten.
Eine andere Position vertrat Heinz Frey (UWG JÜL). Er nannte die einstige Entscheidung einen „kapitalen Fehler“. Die aktuelle Schwimmsituation sei noch gravierender als zum Zeitpunkt der Schließung des Lehrschwimmbeckens. Man habe nun keine Hallen mehr und es gelte mit den 25.000 Euro zu überprüfen, ob wenigstens diese Variante im Jülicher Stadtgebiet wieder aufgebaut werden könnte. An diesen Kosten solle so ein wichtiges Thema nicht scheitern.
Abschließend ordnete Baudezernent Robert Helgers ein, dass die Schließung sehr lange her sei und daher die Technik komplett erneuert werden müsse. Hauptproblematik hierbei sei, dass der Gesetzgeber bei Neubauten einen anderen Maßstab ansetze. Daher sei man was die Kosten betreffe mittlerweile „weit weg“ von der damaligen Zeit. Eine Grobkostenschätzung sei zum nächsten Planungs-, Umwelt- und Bau-Ausschuss möglich. Es sei seines Ermessens kein Problem, die Planungskosten für eine künftige Entscheidung im Haushalt zu belassen.
Für den Antrag, die Planungskosten zu streichen, stimmten schließlich nur Die Grünen und die SPD.



















