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Planschemalöör: Aussuchen, wo man sich zuhause fühlt

Mit „Surfpop op kölsch“ begeistern die vier Jungs von "Planschemalöör" mit viel Charme, Boyband anmutenden Tanzchoreos und ihrer ansteckenden Spielfreude auf den Bühnen der Stadt. Sänger Jury stellte sich dem Herzog für ein paar Fragen zum Auftritt am Freitag, 8. November, im Kulturbahnhof Jülich.

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Foto: Veranstalter
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Planschemalöör ist noch eine sehr junge Band…

Juri: 2018 im April haben wir uns gegründet. Dann ging es flott, wir haben relativ viel gespielt.

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Wenn ich die Homepage aufrufe, dann sehe ich die vier Herren von Planschemalöör nur mit einer riesigen Eiswaffelreklame und Sonnenbrillen bekleidet. Ist das Bild Programm?

Juri: Ja, auf jeden Fall. Ich denke, das Bild sieht nach viel Spaß aus, und das ist auch im Endeffekt, worum es uns geht, was uns ausmacht, was hoffentlich auch aufs Publikum überspringt, dass wir eigentlich immer nur Sachen machen, die sich für uns richtig anfühlen, die uns Spaß machen, und alles andere ist dann zweitrangig.

Wie weit entblößen sich „Planschemalöör“ dabei vor Ihrem Publikum?

Juri: Och, ich glaube, wir zeigen uns auf jeden Fall so, wie wir sind: unverstellt. Deswegen passt das Bild, glaube ich, auch ganz gut. Wir sind keine Typen, die jetzt groß irgendwelche Kunstfiguren oder so auf die Bühne bringen, sondern wir sind schon einfach wir selbst, und dafür steht ja auch das Bild.

Und wie sieht es textlich mit der „Entblößung“ aus?

Juri: Das ist so, dass wir immer mal wieder neue Songs haben – zwei, drei Songs, die wir auch beim Albumrelease am 17. Oktober gespielt haben, die auch autobiographisch sind, wo viel von einem drinsteckt, und wir das Gefühl haben, dass das Publikum sich auch immer freut, wenn man ein bisschen was von sich selbst erzählt.

Was erzählen Sie denn so von sich selbst?

Juri: Ach, alles Mögliche. Beim Song „Heimat“ zum Beispiel, den haben wir sehr viel gespielt, geht‘s ja darum, wie ich mich in Köln fühle, und dass das meine Heimat ist. In dem Song steckt ja, was wir eindeutig sagen wohlen, dass jeder sich selbst aussuchen kann, wo er sich zuhause fühlt, ganz ganz egal wie er aussieht oder woher er vielleicht eigentlich kommt, oder wo die Wurzeln sind. Dass es ganz wichtig ist, sich von niemandem die Entscheidung darüber nehmen zu lassen, wo man sich zuhause fühlt.

Planschemalöör hat zwei „ö“s. Das erinnert an eine andere kölsche Band, nämlich die Bläck Fööss.

Juri: (lacht) Ja, das ist ganz lustig. Das ist tatsächlich Zufall. Ist uns auch erst später bewusst geworden. Aber eigentlich ein Zufall, der ganz gut trifft, weil die Fööss ja quasi mit die älteste Kölschband sind und viele Meilensteine gesetzt haben, und wir gefühlt die neuste beziehungsweise die jüngste Kölschband sind. Deswegen gibt sich das ganz gut die Hand.

Wo ordnen Sie sich da ein zwischen Bläck Fööss, Höhner und Brings und den jüngeren Überbringer der kölschen Heilsgeschichte: Kasalla, Cat Ballou, Querbeat?

Juri: Ich glaube, rein musikalisch sind wir tatsächlich eher was Neues. Wir haben relativ wenig Einflüsse aus den Sachen, die es schon gibt: Wir sind nicht rockig wie Brings oder Kasalla und wenig Indie wie Cat Ballou. Wir sind deutlich poppiger. Deswegen würde ich uns da eigentlich eher rausnehmen, eher als eine neue Generation rein musikalisch oder auch inhaltlich. Wir haben ein paar Traditionen aus dem Kölschen mit übernommen wie auch bestimmte Themen, die die Bläck Fööss zum Beispiel angesprochen haben. In einem unserer Song, „Echte Männer danze nit“, machen wir uns über das Klischee lustig, richtige Männer dürfen nicht tanzen. Da gibt es auch den Bläck Fööss Song „Indianer kriesche nit“. Wir nehmen immer wieder traditionelle Sachen aus dem kölschen Bereich mit rein, aber dann auch wieder ganz viel Modernes, was es dort eigentlich bis jetzt noch gar nicht gibt.

Das hört sich jetzt aber schon ein wenig weg vom reinen Spaßcharakter an. Schon was zum Nachdenken…

Juri: Ja, auf jeden Fall. Aber mit Spaß meinte ich auch eher, dass wir das machen, was sich für uns gut anfühlt. Es muss Spaß machen. Das können ja auch ernste Themen sein, mit denen man sich beschäftigt, aber es muss sich immer richtig anfühlen, sonst machen wir es nicht.

„Planschemalöör“ klingt nach Badeunfall, schreiben Sie auch selber. Ist ja nun auch etwas, was Kindern öfters passiert, wenn die warme Umgebung im Wasser sich sehr entspannend auf sie auswirkt. Welche Wirkung hat der Einfluss von Planschemalöör auf ihr Publikum?

Juri: Ich hoffe jedenfalls, dass sie sich nicht einpinkeln wie Kinder im Wasser, aber ich habe das Gefühl: Wir haben einen Hashtag bei Instagram #planschenmachtglücklich, der ganz gut zusammenfasst, dass wir hoffen, dass die Freude, die wir auf der Bühne verspüren, auch aufs Publikum übergreift. Wir spüren zum Glück häufig, dass ganz viel Liebe aus dem Publikum an uns zurückkommt, was einen ja bestätigt, weiterzumachen. Deswegen hoffe ich einfach, dass Leute, die anderthalb Stunden Show oder wie lange wir auch immer dann spielen, für sich mitnehmen können, um so ein bisschen aus dem Alltag rauszukommen und ein bisschen tanzen und sich gutzufühlen.

Etwas anderes, was dem Betrachter, der auf die Homepage geht, direkt ins Auge springt, ist der Schriftzug „Poolparty“. Was hat dies für eine Bewandtnis? Generelles Motto oder Album-Titel?

Juri: „Poolparty“ ist der Album-Titel. Das passt einfach zu den Liedern, die auf dem Album drauf sind. Das passt zu uns, zu diesem ganzen Wasserthema. Sieht auch geschrieben irgendwie cool aus.

Nun entführen die Bilder und die Geschichte von der Namensfindung in Australien eigentlich in eher südliche Gefilde. Wie schafft es die Band in diese Kontext, sich im Gegenzug Kölle am Rhing zu nähern?

Juri: Ach, die Combo funktioniert ganz gut. Wir haben in Australien relativ viel Zeit verbracht und auch Songs geschrieben. Dieser Einfluss, den man da hat durch die Sonne, durch das Wasser, dass man generell mal weg ist von Zuhause, macht ja ganz viel mit Einem. Und das fühlt sich gut an, diese Songs auch hier in Köln zu spielen. Wir lassen da auch los von irgendwelchen verkopften Sachen: Wenn man kölsche Musik macht, muss man so oder so klingen. Das ist uns eigentlich egal. Also trifft auch da wieder zu: Wir machen das, was sich für uns richtig anfühlt. Und wenn es sich für uns richtig anfühlt, so Musik zu machen, wie wir sie grad machen, selbst wenn die Leute sagen: Das hat jetzt mit der typisch kölschen Musik nichts zu tun, dann ist das auch in Ordnung.

Sie vermitteln ja schon viel Lokalkolorit in Gesang und Ihren Texten. Wie kann man in Australien die Nähe zur Heimat bewahren beim Texteschreiben?

Juri: Eigentlich ganz gut. Das ist ja eh etwas, das man immer in sich trägt. Man kann ja auch Heimweh haben, wenn man nicht zuhause ist. Was man mit der Heimat verbindet, sind ja eher Menschen, anstatt die Stadt selbst. Ich glaube, weswegen es uns in Köln gefällt, ist vielleicht gar nicht mal die Stadt selber wie der Dom oder irgendwas, sondern dass wir hier Menschen kennengelernt haben, die wir nicht missen wollen.

Also schon ein etwas anderer Aspekt…

Juri: Ja, auf jeden Fall. Wir sind auch da ehrlich gesagt nicht so lokalpatriotisch unterwegs, sondern beziehen uns viel mehr auf das, was in Köln passiert und dass wir uns hier wohlfühlen. Wenn wir in Hamburg geboren worden wären und da tolle Menschen kennengelernt hätten, hätte ich über Hamburg gesungen. Aber es ist halt Köln gewesen.

Noch mal zu dem Doppel-ö: Das zweite „ö“ ist ein Kringel. Hat es irgendeine besondere Bewandtnis?

Juri: Das ist quasi unser Logo. Das hat sich so ergeben. Wir nennen es den „Plansche-Kringel“. Das ist ein Smiley, denn es auch bei Instagram und WhatsApp und so gibt. Den fanden wir irgendwie ganz lustig und ganz passend zu diesem ganzen Wassermotto. Das hat sich dann in unseren Schriftzug mit eingeschlichen.

Ganz kurz und knapp und als Fazit: Was erwartet die Jülicher am Freitag, 8. November, im Kulturbahnhof Jülich?

Juri: Die Jülicher erwartet da 90 Minuten Plansch.

Was?

Juri: Ein Plansch. Wir nennen Konzerte einen Plansch. 90 Minuten Plansch mit viel Tanzen, mit viel guter Laune, mit viel Mitsingen.


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