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Bühnenwechsel

Bürgermeister der offenen Tür macht eine gute Figur

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Axel Fuchs | Foto: Marcel Kanehl
Axel Fuchs | Foto: Marcel Kanehl
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Der letzte Fuchs-Keks längst gegessen, die Axel-ankreuzen-Button in den Erinnerungskisten aufbewahrt und die Plakate  entsorgt. „Heute wird gefeiert – dann beginnt die Arbeit“, hatte Axel Fuchs am 27. September als frischgebackener
Sieger noch im Rathaus verkündet. Jülichs
Zukunft im Blick hat in der Herzogstadt ein echter Fuchs – mindestens die nächsten fünf Jahre. Die magische 100-Tage-Grenze als Bürgermeister hat Axel Fuchs längst durchbrochen, aber über 50 Monate der ersten Amtszeit liegen noch vor ihm. Blick zurück – Blick nach vorn.

HERZOG: Erinnern Sie sich an das Gefühl, als Sie zum ersten Mal auf dem Bürgermeisterstuhl
saßen?

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Axel Fuchs: Oh ja! Das war sehr erhebend, sehr sehr emotional… und ist es immer noch.

HERZOG: Jeden Morgen?

Axel Fuchs: Nein, nicht im Büro, aber im Ratssaal ist das schon etwas anderes. In der Mitte zu sitzen, wenn alle auf einen gucken. Man begrüßt alle… „Guten Tag, Herr Bürgermeister“, viele
sagen noch „Axel“, und das freut mich auch. Die Ausschusssitzungen leiten oder den Rat leiten, das ist ein tolle Sache, ich mach es sehr gerne. Das ist wie ein Auftritt auf einer Bühne.

HERZOG: Was macht die meiste Freude am
Bürgermeistersein?

Axel Fuchs: Das ist die Anerkennung, die einem zuteil wird. Das ist nicht die Leitung einer Ratssitzung. Es ist der Moment, in dem Menschen auf mich zukommen und mir sagen, dass sie mit mir und meiner Arbeit zufrieden sind.

HERZOG: Was macht ein Bürgermeister den
ganzen Tag – außer bei Veranstaltungen gut auszusehen?

Axel Fuchs: Eine gute Figur machen muss man auf jeden Fall, weil man sehr beobachtet wird. Meine erste Amtshandlung ist morgens, meine Kollegen und Kolleginnen im Vorzimmer per Handschlag zu begrüßen. Dann guckt sich ein Bürgermeister die Vorlagen an, die von der
Verwaltung geschrieben werden, er muss Sitzungen vorbereiten, sich den Haushalt angucken, der Bürgermeister muss unglaublich viele Gespräche führen – innerhalb der Verwaltung und mit den Bürgern. Und… (schmunzelt) …Goldhochzeiten mach ich auch gerne. Ich habe 334 Termine in den letzten 100 Tagen absolviert.

HERZOG: Sie haben ja versprochen: Ihre Türe ist immer offen. Mit welchen Fragen kommen
Bürger auf Sie zu?

Axel Fuchs: Warum hab ich ein Knöllchen bekommen? Kann man den Radweg nach Mersch nicht durchziehen? Das sind ganz normale
Anliegen. Der Zustand des Barmener Baggersee, der Straßen… Die Menschen haben keine Scheu. Ich bekomme auch viele Mails mit Anfragen.

HERZOG: Wie viele Wochenstunden arbeitet
Bürgermeister Fuchs?

Axel Fuchs: Ach, ich halte das nicht so nach.
Es werden so 60 bis 70 Stunden sein.

HERZOG: Das Poloshirt war Ihr Markenzeichen im Wahlkampf: Wann tragen Sie noch Poloshirt statt Oberhemd?

Axel Fuchs:  Selten! Das ist wirklich selten! Jetzt hab ich Anzug, Krawatte und Hemd an, je nachdem, wo man mit Poloshirt hingeht, fällt man unangenehm auf – so auffallen will man nicht. Wenn man zur Einladung vom VIV (Vereinigte Industrieverbände Anm. d.Red) geht und als
Bürgermeister in der ersten Reihe sitzt, geht das nicht. Man muss schon aufpassen, dass man die Krawatte nicht vergessen hat. (lacht).

HERZOG: Fahren Sie noch Rad?

Axel Fuchs: Ja, sogar mehr als vorher: Ich radle immer zur Arbeit und auch zu
Terminen, wenn es geht und nicht vom Himmel hoch plästert. Das hat der Klimaschutzbeauftragte auch lobend
erwähnt: Dass der Bürgermeister und der Beigeordnete mit dem Fahrrad fahren.

HERZOG: Eine Fragen aus dem „Volk“: Bei der Amtsübergabe haben Sie Ihrer Freude Ausdruck gegeben, dass Alt-Bürgermeister Stommel angeboten hat, Ihnen für Fragen und Rat zur Verfügung zu stehen. Haben Sie sich schon an ihn
gewendet?

Axel Fuchs: Nein, bevor ich eingeführt wurde, haben wir Termine abgesprochen, die ich wahrnehmen sollte oder auch nicht muss. Ansonsten ist das Verhältnis zu Herrn Stommel ganz hervorragend – auch zu Frau Stommel.
Daher auch meine Kostüm-Hommage zu Karneval, die das Ehepaar Stommel sehr amüsiert hat. Aber
Ratschläge habe ich mir noch nicht geholt…

HERZOG: Der Wahlkampf war für Sie und Ihr Team bestimmt das „Jülicher Sommermärchen“…

Axel Fuchs: … das bis in den Herbst hineinging.

HERZOG: Jetzt sitzt „der Prinz“ auf dem Thron und das Reich ist erobert. Wie sind Sie denn in der Realität als Bürgermeister angekommen?

Axel Fuchs: Bürgermeister sein ist genau so, wie ich mir das vorgestellt habe!

HERZOG: Nichts, was Sie überrascht hat oder Sie sich anders vorgestellt haben?

Axel Fuchs: Die Frage ist mir gestern schon
einmal gestellt worden. Auch da musste ich
sagen: Nein, keine Überraschungen.

HERZOG: Das gibt es doch nicht!

Axel Fuchs: Ich habe mich so gut vorbereitet, ich habe unter anderem ein Jahr lang die Ratssitzungen und Ausschüsse besucht. Da ist nichts auf mich zugekommen, was für mich völlig fremd war.

HERZOG: Da wären wir bei der Politik und der
Fabel vom „Fuchs und Igel.“ Da heißt es: „Ist nicht der Friede längst verkündigt, und weißt du nicht, dass jeder sündigt, der immer noch gerüstet geht?“ Sie haben alle Kandidaten, auch die der etablierten Parteien ausgestochen. Wie ist das Verhältnis zur Politik?

Axel Fuchs: Es gibt Kandidaten, zu denen habe ich immer noch ein äußerst kollegiales Verhältnis. Es gibt aber auch einen Kandidaten, mit dem kann ich nichts anfangen. Die Politik ist insgesamt sehr kooperativ, ich würde sogar sagen
kollegial. Dass es natürlich immer wieder
Themen gibt, bei denen man nicht einer
Meinung ist, gehört dazu. Ich muss ja meine
Position auch halten und bin kein Fähnchen im Wind.

HERZOG: Wie hat die Verwaltung Sie empfangen?

Axel Fuchs: Sehr gut, sehr herzlich und kollegial. Ich bin ganz begeistert von meinen Leuten. Die Verwaltung und ich sind eine Einheit. Ich lass auf meine Leute nichts kommen. Ich habe in der Personalversammlung sehr deutlich gesagt: Wir sind ein Dienstleister – sehr deutlich. Und ich
erwarte, dass ihr Dienstleistung auch ausführt. Und ich weiß auch, dass sie das tun. Wer dann mit meinen Leuten nicht gut umgeht und ihnen nicht den Respekt entgegen bringt, den sie
verdienen, der bekommt es persönlich mit mir zu tun.

HERZOG: Dienstleistung… heißt das, es gibt auch mehr Termine für standesamtliche Trauungen?

Axel Fuchs: Ich werde auf jeden Fall den Kurs besuchen, um trauen zu dürfen.

HERZOG: Letzte Frage: Blick ins Jahr 2020. Was ist neu? Was ist anders?

Axel Fuchs: Neu wird sein, dass auf der
Merscher Höhe gewisse Gewerbebetriebe
stehen. Außerdem, dass im Bereich der ehe-
maligen FH eine rege Wohn-Bebauung statt-
findet und wenn ich ganz viel Glück habe, kann ich das Land noch davon überzeugen, auf dem Bereich dahinter eine Klimaschutz-Siedlung zu bauen; möglicherweise 3-Generationen-Häuser oder Faktor X Häuser. Das würde uns gut zu
Gesicht stehen. Ganz wichtig ist mir auch die
Bebauung der ehemaligen Musikschule als 100 Prozent geförderter sozialer Wohnungsbau. Ich bin dabei, Investoren zu suchen – oder wir
machen es als Stadt sogar selbst. Lieber wäre mir aber, ich fände einen Unternehmer.

  

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Dorothée Schenk
Freie Journalistin, Redakteurin (gelernt bei der Westdeutschen Zeitung in Neuss, Krefeld, Mönchengladbach) und Kunsthistorikerin (M.A. in Würzburg) Gebürtige Sauerländerin und Wahl-Jülicherin.

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