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Noch lange kein Schlussakkord zu erwarten

Ohne einen Initiator ist alles nichts: Für die Musikkultur im Nachkriegs-Jülich war Georg Bischof (1916 – 2000) – am Kriegsende aus Schweidnitz, Nieder-Schlesien geflüchtet und in Jülich neu beheimatet – einer der maß- geblichen Impulsgeber für die Gründung der Jülicher Schlosskonzerte. Jetzt feiert der Verein sein 40-jähriges Bestehen.

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Der Chor der Schlosskaelle der Jülicher Zitadelle zeigt im 1. Obergeschoss eine prächtige Renaissancearchitektur. Foto: Museum Zitadelle
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Ein bei seinen Schülern in den 1950er Jahren nicht unumstrittener Lehrer: „Fips“ war zwar kleinwüchsig, aber nicht nur auf seinem Dirigenten-Podium duldete er keinen Widerspruch. Und sein berühmter Schulchor war – vor allem für uns „Fahrschüler” – ein Horror: Die letzten zwei Schulstunden am Samstagmittag hätten uns – wegen der schon damals dünnen Zugverbindungen – für weitere Stunden am Schulort festgehalten, wenn wir nicht rechtzeitig auf „Stimmbruch” simuliert hätten… Unsere in Jülich ansässigen Mitschüler hatten es da deutlich leichter mit der Kultur.

Doch mit zunehmender „Reife“ empfanden auch wir das ganz anders. Georg Bischof war ein wahrer „Rattenfänger“! Niemand verließ seine Schule, dem die Musik gleichgültig gewesen wäre. Musik ist unsere erste Muttersprache – das war sein Credo. Für das gesamte Jülicher Musikleben in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts war Georg Bischof die „Graue Eminenz” im Hintergrund. Mit besonderer Freude haben wir deshalb registriert, dass er wegen seiner Verdienste um das Musikleben in Jülich – gerade noch rechtzeitig zu unserem Jubiläum – mit der Widmung einer Straße im Neubaugebiet Ginsterweg geehrt und dadurch sozusagen unsterblich wird. 25 Jahre lang waren die Jülicher Schlosskonzerte eine städtische Veranstaltung.

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Die Organisation lag beim Kulturamt der Stadt Jülich – dem Kulturdezernenten Joachim Krause und seinen Mitarbeiterinnen Gertrud Völler und Marianne Lohmer.

Bei der Vereinsgründung vor 15 Jahren waren erst etwa 60 (der 185) Plätze in festen Händen. Um das finanzielle Risiko für den neu gegründeten Verein zu minimieren, unternahm der Gründungs-Vorstand (Dr. Helmut und Susanne Trinkaus, Thomas Palm, Karin Witte und Dr. Gerhard Pirug) größte Anstrengungen, bei den Konzertbesuchern um Mitglieder und neue Abonnenten zu werben. Der Erfolg blieb nicht aus: Schon in der ersten Konzertsaison waren drei Viertel der 185 Plätze abonniert. Seit nunmehr fünf Jahren sind es über 90 %! So bleiben regelmäßig nur rund ein Dutzend Tickets für den Verkauf an der Abendkasse. Zusätzlich können oft noch Plätze von am Konzertabend verhinderten Abonnenten vergeben werden.

Das bewährte – von Georg Bischof entwickelte und von seinen Nachfolgern weiter ausgefeilte – Konzept lautet: In jeder Saison ‒ vom September bis Mai ‒ gibt es sechs abwechslungsreiche Kammermusik-Konzerte, dabei möglichst oft ein Klavier- oder Lieder-Abend und ein Streichquartett als die Krone der Kammermusik.
Ohne die gelegentlichen Sonderkonzerte bedeutet dies eine Kette von 240 Kammerkonzerten in 40 Jahren – alle dokumentiert im Archiv.

Seit mehr als zwanzig Jahren – also auch schon unter Georg Bischof – ist Susanne Trinkaus an der künstlerischen Leitung maßgeblich beteiligt. Zusammen mit ihrem verstorbenen Ehemann Dr. Helmut Trinkaus und Thomas Palm bestimmte sie das Programm der ersten Vereinsjahre (ab der Saison 2004/05). Seit 2015 wird sie von Prof. Dr. Hans Otto Horch als Beirat, mit dem sie unter anderem im Jülicher Pasqualini-Quartett musikalisch verbunden ist, auch offiziell unterstützt. Durch ihre eigenen vielfältigen musikalischen Aktivitäten und durch die damit verbundenen Kontakte ist es möglich, hochkarätige internationale Künstler zu engagieren, darunter viele jüngere Musi- ker mit erkennbar großen Karrierechancen.

Der Vereinsvorstand 2009. Foto: Verein

Nachdem ich selbst (manche mögen mich als Kinderarzt in Jülich kennen) vor knapp zehn Jahren als Geschäftsführer des Vereins gewählt wurde, habe ich auch die Betreuung der Künstlerinnen und Künstler vor Ort in Jülich übernehmen dürfen. Anfangs noch eher eine Pflicht, ist mir dies inzwischen zu einer lehrreichen Aufgabe geworden. Denn mit der Zeit habe ich erkannt, dass auch bei einer so kurzfristigen Interaktion zwischen Ensemble und Veranstalter das Ergebnis eines Konzerts entscheidend davon abhängen kann, wie gut die menschlichen Beziehungen sind.

Das 40-jährige Jubiläum wird mit einem Sonderkonzert gefeiert.


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