Jülich ist eine Stadt der Vielfalt. So steht es unübersehbar auf einer Plakette am Eingang zum Neuen Rathaus. Dieser Erkenntnis folgend, ist innerhalb der Stadtverwaltung schon 2015 der Arbeitskreis Interkulturelle Öffnung, kurz AK IKÖ, gegründet worden. In der ECCAR, der European Coalition of Cities against Racism, genannten Koalition europäischer Städte ist Jülich seit 2017 Mitglied. Ziel und Gedanke hinter diesen Bemühungen sind es, ein Klima zu schaffen – nicht nur, aber auch im Arbeitsumfeld – in dem sich alle Jülicherinnen und Jülicher wohlfühlen können, unabhängig von ihrer Herkunft und Geschichte.
Nun hat sich die Herzogstadt als Modellkommune für das vom Bund geförderte Projekt „Kommunen für alle? Rassismuskritik in kommunalen Verwaltungen“ innerhalb der ECCAR beworben und ist ausgewählt worden. Eine Entscheidung, über die sich nicht zuletzt die Sozialplanerin der Stadt, Beatrix Lenzen, sehr freut: „Das Modellprojekt hilft uns, Dinge umzusetzen.“ Und weiter: „Wir versuchen seit 2017 mit begrenzten Mitteln möglichst viel zu machen.“ Möglichst viel machen bedeutet konkret, ein Bewusstsein für Drohungen, Hassreden und Rassismus auch innerhalb von Verwaltungen zu schaffen.
„Wir müssen uns als Verwaltung – wie jede andere Verwaltung auch – an die eigene Nase packen“, weiß Lenzen, die als Koordinatorin federführend in der Umsetzung ist. Gemeinsam mit Jessica Fischer und Achim Holzweiler arbeitet sie an der Planung der „drei Säulen“, die das Projekt ausmachen. Gleich zu Beginn sind Schulungen für die Führungskräfte innerhalb der Verwaltung geplant. Hier geht es in erster Linie um die Sensibilisierung für alltäglichen Rassismus und Diskriminierung. Denn, welche Aussagen, die „doch gar nicht so gemeint sind“, verletzend und herabwürdigend wahrgenommen werden können, ist vielen Menschen nicht bewusst, zu sehr verwurzelt seien Klischees, Muster und überkommene Vorstellungen in unserem Denken und Handeln.
Diese Schulungen sind ohnehin geplant gewesen, durch die Förderung, die Jülich als Modellkommune nun erhält, wird die Umsetzung einfacher. Im ersten Jahr werden 7000 Euro nach Jülich fließen, für die beiden folgenden Jahren sind jeweils 10.000 Euro in Aussicht gestellt.
Die zweite Säule der Modellkommune Jülich innerhalb der ECCAR lautet: Netzwerken. Gemeinsam soll ein Netzwerk aufgebaut werden, in dem vor allem diejenigen Mitarbeitenden aus der Verwaltung aktiv werden, die selbst eine internationale Familienbiografie mitbringen. „Wir wollen die Expertise dieser Mitarbeitenden einbeziehen“, erläutert Beatrix Lenzen. So soll ein geschützter Raum für Alle entstehen, der Stärkung ermöglichen, Rückendeckung und Sicherheit geben soll.
Schließlich soll in und um Jülich ein externer Expertenrat entstehen. „Hier können wir auf etablierte Strukturen zurückgreifen“, erläutert Beatrix Lenzen. Zu nennen sind hier unter anderem verschiedene Migrantenorganisationen, der Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration, der Arbeitskreis Asyl oder die Antidiskriminierungsberatungsstelle unter dem Dach der Caritas.
„Wir stehen noch ganz am Anfang“, weiß die Sozialplanerin, blickt aber zuversichtlich, und der Tatendrang ist ihr anzumerken, in die Zukunft: „Drei Jahre sind ein guter Zeitraum, da kann man schon etwas erreichen.“
Schon vor der Bewerbung um den Modellstatus gab es in der Stadtverwaltung Aktivitäten, um mehr Menschen mit internationaler Biografie einzustellen. Gezielt wurde beispielsweise um Auszubildende geworben. Neu-Einwohner, deren Deutschkenntnisse möglicherweise noch nicht so gut sind, sollen informative Flyer in verschiedensten Sprachen dabei helfen, sich in Jülich zurechtzufinden. Auch interkulturelle Schulungen für Mitarbeitende auf freiwilliger Basis gab es bereits. Nun kann die Initiative auf breitere Füße gestellt werden, damit sich die Vielfalt der Herzogstadt wirklich überall widerspiegelt. Um es mit Beatrix Lenzen zu sagen: „Wir haben grundsätzlich ein gutes Klima in Jülich, aber wir müssen auch dafür sorgen, dass das so bleibt.“
Weiterführende Informationen zu ECCAR.



















