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Dunkle Kapitel

Die Leitung der Stadtbücherei Jülich, Birgit Kasberg, stellt ein Buch vor, das sich einem ernstem Thema widmet: Dem Missbrauch in der katholischen Kirche.

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Ellen Sandberg
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Ellen Sandberg (Pseudonym für Inge Löhnig) ist mit ihren Spannungs- und Familienromanen regelmäßig in der Spiegel-Bestsellerliste vertreten – so auch mit diesem Titel. Diesmal hat die Autorin sich jedoch kein leichtes Thema vorgenommen – sie lässt auf fast schon erschre­ckende Weise eine Geschichte von Schuld, Hass sowie Missbrauch durch die katholische Kir­che in sogenannten „Fürsorgeanstalten“ bzw. Kinderheimen lebendig werden.

Karin – „Die Schweigende“ -, ist die Hauptfigur des Romans. Sie verbirgt seit Jahrzehnten ein Geheimnis vor ihren drei Töchtern. Als ihr Mann auf dem Sterbebett seiner Tochter Imke den Auftrag gibt, Peter zu finden, ahnt diese nicht, dass sie sich mit dieser Recherche eigent­lich auf die Suche nach ihrer Mutter begibt. Die Mutter ist so ganz anders als die Mütter ih­rer Freundinnen: gefühlskalt, sehr streng mit sich selbst und unfähig, körperliche Nähe zu ge­ben oder anzunehmen. Imke lässt das Versprechen nicht los. Während ihrer Nachforschun­gen erhält sie nach und nach einen schockierenden Einblick, was in der Vergangenheit ge­schehen sein muss und welche Auswirkungen dies auf das Leben der Mutter und der ganzen Familie hatte und immer noch hat.

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Das Buch spielt, ebenso wie die anderen Titel der Autorin, auf mehreren Zeitebenen. Zum einen handelt die Geschichte der Familie in der Gegenwart, zum anderen versetzen die Ein­schübe über die Jugend von Karin den Leser zurück in die Vergangenheit ab dem Jahr 1956.

Der Leser erhält in dabei eine Ahnung von einzelnen Schicksalen im Rahmen der „deutschen Fürsorgeerziehung“ von Nachkriegszeit bis hin zur Heimreform in den Siebzigerjahren. Wer naiv der Annahme ist, so schlimm könnten die Missstände doch nicht gewesen sein, wird durch die Autorin schnell eines Besseren belehrt. Das Zitat eines weiteren Betroffenen im Laufe des Buches bringt es auf den Punkt: „Manches kann man fast nicht erzählen. Dafür hat der Mensch keine Worte. Die müsste man erst erfinden. Worte für das, was die hier getan haben.“

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Roman dem Vergessen entgegenwirkt und dazu beiträgt, uns vor Augen zu führen, wie die Gier nach Macht und Herrschaft sich über jede Form der Moral hinwegsetzt und das Leben anderer zerstören kann.

BUCHINFORMATION

Ellen Sandberg: Die Schweigende | Penguin Verlag | 544 Seiten | ISBN 978-3-328-10485-8 | 16,- Euro


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