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Wer ist eigentlich „der Bürger“?

Die Bürgerbeteiligung ist ein Instrument für strukturelle Mit-Entscheidungen in der Stadt, das in Jülich Tradition hat.

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„Der Bürger“ in Jülich wird nicht nur mitgenommen, er wird beteiligt – und das seit über 20 Jahren.

Die „Kulturleitlinien 2020“ waren Anfang der 2000er der erste Prozess, den ich persönlich als Bürgerbeteiligung miterlebt habe. Zu dieser Zeit noch enthusiastisch und weniger ernüchtert als der damalige VHS-Leiter, der etwas sarkastisch sinngemäß meinte: „Es ist doch gut, dass wir über Kultur 2020 diskutieren, weil man dann davon ausgehen kann, dass es 2020 noch Kultur gibt.“ Eine Prognose, die sich bestätigt hat, obschon keines der mit den Kulturbeflissenen vereinbarten Ziele sichtbare Folgen zeitigte.

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Zuletzt beschäftigte die Zukunftsstadt 2030 ebenfalls zahlreiche Menschen. Trotz vieler Ideen erhielt Jülich nicht den Zuschlag für eine Umsetzungsphase. Im InHK ist der „Zuschlag“ bereits erteilt, und wieder sind viele Jülicher eingebunden.

Aber wer ist eigentlich „der Bürger“, der sich beteiligt? „Der Bürger“, das müssten die rheinischen Adeligen „Müller, Meier, Schmitz“ sein, Alte und Junge, Sportler und Übergewichtige, Arme und Reiche, Akademiker und Hilfskräfte, Menschen mit Arbeit und solche ohne Arbeit. Eben ein Querschnitt von Menschen in allen Lebenslagen.

Es sind aber neben der Politik und der Verwaltung aller Regel nach Ehrenamtliche, die sich in Vereinen und Institutionen engagieren. Es geht familiär zu, man kennt sich, schätzt sich. Einen Querschnitt bilden diese Beteiligten nicht ab. Wer behauptet, dass „der Bürger“ beteiligt ist, übersieht diesen Fakt. Dazu kommt, dass die meisten Bürgerinnen und Bürger es gerne den gewählten Volksvertretern und der Verwaltung überlassen, mit Kreativität und Entschlusskraft die Geschicke der Stadt zu lenken. Verantwortung zu übernehmen oder auch nur sich umfassend zu informieren, ist anstrengend, und das wird von vielen Menschen gerne vermieden.

Wer glaubt, diese Haltung sei anmaßend, der gucke sich bei der nächsten öffentlichen Ausschusssitzung mal auf den Zuschauerrängen um – oder komme am 8. Mai zur Bürgerbeteiligung. Das ist die nächste Chance zu zeigen, dass „der Bürger“ sich doch einbringen möchte.


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