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Alles in Vernetzung

Seit Neujahr ist die Pfarrei Heilig Geist Jülich ohne leitenden Pfarrer - und Propst. Eine Steuerungsgruppe hat seit September 2022 das "operative Geschäft" übernommen und ist jetzt durch Bischof Helmut Dieser "im Amt" durch Pfarrer Hans-Otto von Danwitz bestätigt worden.

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Die Steuerungsgruppe der Pfarrei Heilig Geist Jülich ist mit (v.l.) Dagmar Stettner, Barbara Biel, Conny Keutmann und Thomas Surma multiprofessionell aufgestellt. Foto: Dorothée Schenk
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Agieren statt reagieren. Das ist das Motto, unter dem sich die Pfarrei Heilig Geist Jülich seit 2018 mit der AG 2030 auf den Weg gemacht hat. Und: „Alles in Vernetzung“ ist die Marschrichtung, mit der sie unterwegs ist. Das bedeutet, das Kooperationspartnerschaften mit Schulen und Kindertagesstätten, der Caritas und dem SKF, aber auch mit der Kommune für ein gelingendes Glaubensleben gesucht werden. Damit hat sich die Pfarrei mit ihren 16 Gemeinden schon vor dem Start des „Heute bei dir“-Prozesses gut aufgestellt und ist schon in der Umsetzung. Das gilt auch für die Leitung der Pfarrei.

Ehe Josef Wolff als leitender Pfarrer Ende September aus gesundheitlichen Gründen in sein „Wüstenjahr“ aufbrach, benannte er eine vierköpfige Steuerungsgruppe, die nun die Geschicke der rund 18.000 Gläubigen in den 16 Gemeinden leitet. Das Team erfüllt, was im Strukturprozess vom Bistum Aachen gefordert ist: Multiprofessionalität. Pastoralreferentin Barbara Biel, Pfarrvikar Konny Keutmann, Kirchenvorstand Thomas Surma und Verwaltungskoordinatorin Dagmar Stettner sind aktuell dabei, die vielen Aufgaben, die einige Excel-Tabellen füllen, aufzuteilen, beziehungsweise in die Eigenverantwortung der Gemeinden zu legen. So wurde bereits ein Budget für Reparaturarbeiten festgelegt, über das die Gemeinden selbst verfügen können, „damit wir nicht über jeden tropfenden Wasserhahn befinden müssen“.

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Alle zwei Wochen trifft sich die Gruppe, um das komplexe Unterfangen „Gemeindeorganisation“ in den Griff zu bekommen. „Vieles, was Josef Wolff mit Leidenschaft betrieben hat, werden wir nicht auffangen können“, betont Barbara Biel. Unklar ist etwa die Organisation der Schulgottesdienste. „Ermöglichung“ ist in Kirchenkreisen eine gern genutzte Vokabel – das könnte in diesem Fall bedeuten, dass Lehrkräfte für das Fach Religion hierzu befähigt werden. Klar ist: Es werden Angebote hinten „über“ fallen müssen. „Derzeit legen wir ein ‚Zwei-Priester- müssen-es-schaffen‘-Modell zugrunde“, erklärt die Pastoralreferentin. Das bedeutet etwa, dass es in 15 Gemeinden nur eine Messe im Monat geben kann. Eine verlässliche Sonntagsmesse wird lediglich in der Propsteikirche in Jülich angeboten.

Das Quartett Dagmar Stettner, Barbara Biel, Konny Keutmann und Thomas Surma stellt sich in den Dienst der Pfarrei Heilig Geist. Foto: Dorothée Schenk

Bis Ende des Jahres 2023 plant das Bistum Aachen statt der bislang verankerten Pfarrei 50 so genannte pastorale Räume zu schaffen. Wie genau sie gestaltet werden, wird derzeit für die acht Regionen –Düren, Eifel, Kempen-Viersen, Krefeld, Mönchengladbach und Heinsberg, Aachen und Aachener Land – entwickelt. „Im Grunde sind wir seit der Fusionierung zur Pfarrei 2013 bereits ein pastoraler Raum“, betont Pastoralreferentin Barbara Biel. Vor zehn Jahren wurden die 16 Gemeinden im Jülicher Land unter dem Dach „Heilig Geist“ vereint und ein leitender Pfarrer mit flankierenden Pfarrvikaren installiert. Ihnen zur Seite stehen ein gemeinsamer Kirchenvorstand und der GdG-Rat. Seit fünf Jahren ist die Groß-Pfarrei auf dem Weg, Schwerpunkte zu entwickeln und weg von der Zentralisierung, dem Kirchturm-Denken und den territorialen Gemeinden. Dazu gehören beispielsweise die Jugendgemeinde, ein Trauerzentrum und ein Familienzentrum. Die vom Bistum angestrebten „Orte von Kirche“ sind hier ebenfalls selbstverständlich installiert. Ein Beispiel hierfür ist die diakonische Initiative „Café Gemeinsam“, in der Stiftsherrenstraße. „Es gibt zwei Probleme“, sagt Barbara Biel lächelnd: „Uns wurde gesagt: Sie sind dem Bistum voraus und Sie sind dem Bistum weit voraus.“ Als großen Tanker, bezeichnet Biel das Bistum, der darum nicht so wendig wie das kleiner „Kirchenschiff“ Pfarrei Heilig Geist sein könne.

Um für die „pastoralen“ Raum und Zeit für Mensch und Seelsorge zu schaffen, sollten die „weltlichen“ Dinge von einer hauptamtlichen Verwaltungsleitung „erledigt“ werden. Das ist die Überzeugung von Kirchen vorstand Surma, der sich ehrenamtlich ums Management der 70 kircheneigenen Gebäude kümmert und als „kleines Projekt“ im Schatten des Propsteikirchturms ein neues Pfarrzentrum konzeptioniert. Die gewünschte Verwaltungsstelle gibt es bereits in anderen Pfarreien, war schon vor über zwei Jahren von den Jülichern beim Bistum ohne Erfolg beantragt worden und ist nun erneut im „Antragsstatus“. Ihm zur Seite steht seit 1. November eine Architektin, deren Aufgabenfeld Bau- und Liegenschaften sind. Vieles gehe, sagt Pfarrvikar Keutmann, immer noch zu langsam im Strukturprozess.

Das Ziel der Steuerungsgruppe formuliert Thomas Surma: „Wir möchten alle Strukturen so schön und ,leicht laufend’ machen, dass Josef Wolff zurückkommt. Das jedenfalls ist mein Antrieb.“


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