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Jülich ist Pop

Jülich ist Pop. Zumindest nach den neuesten Stadtansichten von Marc Remus zu urteilen. Bunt, manchmal etwas schräg und auch „zum Abhängen“. Nach den bekannt detailfreudig gezeichneten „Wahrzeichen“ der Herzogstadt, in ihrer Vielzahl zu einem Bild komponiert und durch die Remus-Spezialtechnik der Teegrundierung historisch anmutend, kommt jetzt reichlich Farbe und Experimentiertfreude auf der Leinwand dazu– und die dritte Dimension. Denn am „seiligen Faden“ hängt im wahrsten Sinne das Jülicher Rathaus.

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Premiere für Marc Remus Werk Skyline von Jülich aus der Serie
Premiere für Marc Remus Werk Skyline von Jülich aus der Serie "Fossilien". Gerne erklärte der Künstler selbst die Technik. Foto: Dorothée Schenk
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„Funcitys“ nennt der 48-jährige seine neuen Entwürfe. Der Reiz: „Ich kann in diesen Bildern Geschichten verarbeiten“, erklärt Remus.

Natürlich sind damit Stadtgeschichten gemeint. Sie faszinieren den Kosmopoliten, der von Kindbeinen an mit den Eltern in der Weltgeschichte herumreiste. Geboren in Deutschland standen Besuche in den USA bei Verwandten früh auf dem Urlaubsplan, und 1987 kam die Übersiedlung in die Staaten. Aufenthalten in Japan prägten die 90er Jahre, ein einjähriges Intermezzo in Honduras kam dazu und immer wieder Reisen: Über 65 Länder und eine potenzierte Zahl an Städten hat Marc Remus nach eigener Aussage besucht und „es war nie so, dass man in eine Stadt fährt, um das beste Restaurant zu finden“. Kulturschätze wurden „gehoben“ und die touristischen Sehenswürdigkeiten erkundet. Und plötzlich stand 2002 die Frage im Raum: „Warum kann ich nicht meine Begeisterung für Städte übertragen in Bilder?“

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Also nicht, wie böse meinende Menschen argwöhnen könnten, der kommerzielle Gedanke steckt hinter den Stadtansichten mit guten Absatzmöglichkeiten bei Lokalpatrioten. Dennoch ist der Remus-Stil ein Garant für Erfolg und „Pop“ steht eindeutig für „populär“. Unter den 100 Städten, die Marc Remus in Szene gesetzt hat sind die deutschen Metropolen Frankfurt, Köln und Aachen. Auch Buenos Aires, Los Angeles, Miami, Paris, Rom und London haben ihm „Modell“ gestanden. Ein sehr launig gestimmter Bürgermeister Axel Fuchs meinte grinsend: „… und alle diese Städte dürfen sich glücklich schätzen, das sie in den Fokus geraten sind von Marc Remus – obwohl es Jülich gibt!“ und ergänzt: „Das macht uns natürlich ganz besonders stolz.“

Täglich vor Augen hat Bürgermeister Fuchs die Stadt aus dem Blickwinkel des Künstlers, denn in seinem Büro hängt ein Original. „Wir Muttkraate sind ja ab und zu etwas skeptisch bei dem Blick auf unsere eigene Stadt. Deswegen ist es umso besser, dass Sie da sind und wir immer wieder neu erkennen und erleben dürfen, wie schön unsere Stadt eigentlich ist.“ Ein kleiner Seitenhieb auf die Jülicher, die ihre Heimatstadt manchmal gerne „klein reden“, wie Fuchs sagt. „Es ist doch schön, wenn ein Künstler mit Weltruf sagt, ich habe diese Stadt in mein Herz geschlossen und ich kann ihnen versichern – das haben wir auch gemeinsam.“

In seinen neuen Werken der Reihe „Fossilien“ kombiniert der Neo-Pop-Art-Künstler gleich mehrere Techniken. Zu den verwendeten Materialien gehören jetzt neben einer besonderes ausgeklügelten Mischung von sechs unterschiedlichen Schwarztees, „deren Namen die meisten Menschen noch nie gehört haben“, zuweilen etwas Kaffee, zerbröselte Eierschalen, Salze, Aquarell- und Acrylfarben sowie Lacke und Marmormehl. Es kommt Marc Remus auf die Wirkung an – Leben und Vergänglichkeit sind große Themen, die den Künstler beschäftigen. Die Eierschalen sind Stellvertreter für Fossilien, die oft nur in Form von zersplitterten Knochen die Zeit überdauerten. Mit dem erhitzen Marmormehl erzeugt er durch Vorzeichnungen mit einer Nadel gezielt Risse und Aufbrüche. So ist bei aller Harmonie in die Irritation des Auges immer ein Teil der Werke. Ein Premiere hatte der Künstler übrigens auch mit nach Jülich gebracht: Erstmals zu sehen war die 1,80 Meter breite „Skyline“ der Herzogstadt.

Auch wenn die Ausstellung „Neue Ansichten von Jülich“ inzwischen wieder Geschichte ist, bleibt Marc Remus weiterhin der Herzogstadt erhalten: Die Galerie an der Zitadelle an der Düsseldorfer Straße vertritt den Künstler seit 15 Jahren vor Ort.


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