Vogelgezwitscher, Kettensägen, sanftes Nieseln und unwetterartig lautes Geprassel – schon die Geräuschkulisse vom Band bewies, wie breit die Spanne unterschiedlicher Themen war, die „Zwischen den Zeilen“ auf die Bühne fand. „Natur in all ihren Facetten“ war dabei das leitende Motiv, erläuterte Brigitte Böckels einführend.
Vor gerade einmal zwei Monaten sind Anh Thu Nguyen, Gerd Maria Strauch, Brigitte Böckels, Birigt Beyß und Renate Kornblum zusammengetroffen. Auf Einladung von Hannah Vierthaler haben sich die vier Frauen und ein Mann gemeinsam auf das erste generationenübergreifende Projekt aus dem Jülicher Kulturbüro „eingelassen“. In acht Treffen hat das Quintett ein Bühnenprogramm erarbeitet – leitend dabei der Satz aus der Vorbereitung: „Wir haben alle Freiheiten„. So spannte sich der Bogen von der Freude angesichts von blühender, wachsender Natur über die Bedrohung durch unktrollierbares Hochwasser, über ein Zuhause, wo die Liebe wohnt hin zu unvorstellbarer Gewalterfahrung eben dort im eigenen Heim.

Entstanden ist ein sehr persönliches Portfolio aus den Erfahrungen von fünf Menschen, die sich erst durch das Projekt kennenlernten. Und die sich während des Projekts durchaus auch miteinander auseinandersetzen und sich aneinander reiben mussten. Unterstützung bei der Ideenfindung und der Umsetzung gab es dabei von Hannah Vierthaler und Miguel-Angel Zermeño. Dafür gab es von den Teilnehmenden großes Lob, Hannah habe „tolle Arbeit geleistet, uns zu helfen alles zusammenzusetzen,“ befand etwa Anh Thu Nguyen. Der Tänzer und Choreograph Zermeño gab das Lob gleich wieder zurück und erklärte überzeugt, das sei nicht er gewesen, das „haben die Teilnehmenden alles selbst gemacht“. Krankheitsbedingt konnte Renate Kornblum ausgerechnet an diesem letzten gemeinsamen Abend nicht dabei sein. Ihre Worte – alle selbst geschrieben, wie übrigens auch sonst jedes gesprochene und gesungene Wort des Abends – wurden von den anderen Gruppenmitgliedern gelesen. Besonders eindrucksvoll dabei der Part, den Hannah Vierthaler übernahm, die es fertigbrachte ohne zu stolpern einen rasanten Text zum „Sinnestaumel“ vorzutragen.
Harte Worte und sanfte Gitarrenklänge, laut prasselnder Regen und wellenförmig-tänzerische Bewegungen der vier schwarz-weiß gekleideten Menschen auf der Bühne, leise raschelnde Plastikfolien, die mal Fluss, mal Engelsflügel waren – mit simplen Requisten und einer eher zurückhaltenden Präsenz setzten die Darsteller ihre Texte um und ließen ihr Publikum teilhaben an dieser „emotionalen Reise zwischen den Zeilen“.

„Teils mutig, teils schwierig, teils sehr schön“, fasste abschließend eine Zuschauerin ihren Eindruck zusammen, eine Sitznachbarin ergänzte, der Abend ließe sie „nachdenklich und berührt zurück“. Für das Quintett, das an diesem Abend nur aus vier Menschen bestehen konnte, markierte der Auftritt den Schlusspunkt unter einer Erfahrung, die alle unisono als wertvoll betrachten. „Ich bin froh, dass ich es gemacht habe“, stellte eine sichtlich gerührte Birgit Beyß rückblickend fest und sprach damit wohl für alle.



















