
„Wir wollen mehr Storytelling“, sagt Rouven Bönisch, Geschäftsführer von World of Light bei einem Rundgang durch die Neuauflage der Herbstlichtern im Brückenkopf-Park. Auf der großen Wiese am Lindenrondell steht eine Mühle, davor ein Weizenfeld und dazu Besteck: Was bei den zusammenkommt, soll eben mehr sein als eine Ansammlung leuchtender Objekte. Unter dem Titel „Wir haben Hunger“ ist so ein Themenbereich entstanden, der zum Entdecken und Nachdenken einlädt. Dahinter steckt eine Weiterentwicklung des Konzepts, erklärt Bönisch.
Die Idee beginnt bereits bei der Gestaltung: Welche Themen eignen sich für einen Lichterpark? Welche Objekte passen zusammen? Und welche Geschichte lässt sich mit ihnen erzählen? Wo früher eine Mühle als großes Einzelobjekt gestanden hätte und ein Weizenfeld vielleicht an anderer Stelle zu sehen gewesen wäre, werden die Elemente nun bewusst zusammengeführt. Titel und künftig zunehmend auch Informationstafeln mit QR-Code sollen den Besuchern Orientierung geben. Was sie in den Arrangements entdecken, bleibt dabei auch ihrer eigenen Fantasie überlassen. Das gilt ebenso für das Themenfeld „Das Eckige muss in das Runde“, „Safe the Forrest“, „Alltäglichkeit oder auch „Das Chaos“, zu dem Bönisch meint: „Ich bin ein Fan vom Chaos“ Der Grund: Hier sind aus einfachen Bau-Markt-Utensilien Objekte entstanden. Kleine Installationen, die für sich stehen, werde es aber weiterhin geben.
Mit der Weiterentwicklung reagiert das Unternehmen auch auf die Erwartungen des Publikums. Die Besucherinnen und Besucher würden anspruchsvoller, berichtet Bönisch. Deshalb habe World of Light in den vergangenen beiden Jahren bewusst in zusätzliches Material investiert. Der Bestand reicht inzwischen aus, um vier komplette Parks gleichzeitig auszustatten. Rein rechnerisch könnte ein Standort damit vier Jahre lang unterschiedlich gestaltet werden. Tatsächlich kommen jedoch jedes Jahr neue Objekte hinzu. Bestehende Installationen werden außerdem umgebaut und ihre Materialien für neue Ideen genutzt.
Kreativ beteiligt ist weiterhin auch Bönischs Vorgänger Wolfgang Flammersfeld. Bönisch hat die Geschäftsführung vor rund viereinhalb Jahren übernommen, doch sein Vorgänger bringt sich als Berater nach wie vor intensiv ein. Bei gemeinsamen Objektbesprechungen entstehen neue Ideen. Darüber hinaus besucht Flammersfeld Lichtfestivals in Europa und hält Ausschau nach Anregungen.
Wie aus solchen Ideen ein leuchtender Rundgang wird, hängt allerdings nicht allein von der Gestaltung ab. Auch die technischen Voraussetzungen müssen stimmen. In Jülich seien diese gut, betont Bönisch. Vor allem die zahlreichen Stromabnahmepunkte erleichterten die Arbeit. So kommen die „Installateure“ in Jülich mit gut zwei Kilometern Kabel aus. Denn was für die Besucher leicht und stimmungsvoll wirkt, muss über Wochen draußen funktionieren – bei Regen, Wind und auf feuchtem Boden.
Besonders große Objekte stellen das Team dabei vor eigene Herausforderungen. Das zeigte sich etwa bei den leuchtenden Sphären, zu denen auch Sonne und Erde gehören. Von vier damals neu angeschafften „Erden“ seien zunächst zwei im Sturm beschädigt worden, erzählt Bönisch. Das Team habe daraus gelernt: Solche Installationen müssten gezielt außerhalb von Windschneisen platziert werden. Seit zwei Jahren sei nun nichts mehr passiert.
Zum Schauplatz gehört in Jülich auch die besondere Umgebung mit dem napoleonischen Festungswerk und dem Wasser. Sie wird in die Gestaltung eingebunden und gibt den Lichtobjekten ihren Rahmen. Welche Wirkung eine Installation entfaltet, entscheidet sich schließlich auch durch ihren Standort und den Blick, der sich eröffnet.
Hinter den Lichterparks steht nach Bönischs Angaben ein rund 20-köpfiges Team. Das Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen entwickelt und baut Lichtobjekte und gestaltet gemeinsam mit Partnern Lichterparks in ganz Deutschland. Ihre Arbeit verbindet Gestaltung, Handwerk und Technik. Bei den Herbstlichtern wird daraus ein Rundgang, auf dem die Besucher nicht nur einzelne leuchtende Figuren betrachten können, sondern zunehmend auch Zusammenhänge entdecken sollen. Die Mühle mit ihrem Weizenfeld ist dafür ein erster Schritt: Licht wird hier zum Ausgangspunkt einer Geschichte.
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