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Wie teuer darf E-Mobilität werden?

Unerwartet stieß die Vorlage der Verwaltung zum Thema "E-Ladesäulen" im jüngsten Ausschuss für Kultur, Dorf- und Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung auf eine kontroverse Diskussion.

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Auf der Kölnstraße befindet sich eine Ladesäule für E-Fahrzeuge. Foto: Volker Goebels
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Am Ende war klar: So schnell wie von der CDU gewünscht werden keine weiteren E-Ladesäulen in Jülich installiert werden. Es prallten zentrale Überlegungen aufeinander: Da die Installierung jeder Säule kostspielig ist, ohne auch nur im Ansatz Gewinn abzuwerfen, stellten sich die Fragen: Wie viel Geld wollen die politischen Vertreter für Nachhaltigkeit und E-Mobilität ausgeben und wie viel Geld würde dafür im Haushalt überhaupt zur Verfügung stehen? Bürgermeister Axel Fuchs warnte angesichts der zu erwartenden Kosten davor, „in Aktionismus zu verfallen“. Das Thema sei viel komplexer, als es auf den ersten Blick erscheine und die Verwaltung selbst verfüge nicht über das fachlich qualifizierte Personal. Die Verwaltung hatte für den Ausschuss für Kultur, Dorf- und Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung eine Vorlage vorbereitet, in der sie vorschlug, dass ein externes Büro ein Ladesäulen-Infrastruktur-Konzept entwickeln solle. Die Umsetzung könnte durch das mit dem Mobilitätskonzept betrauten Büro BVS Rödel & Pachan erfolgen, das bereits mit den Stadtgegebenheiten vertraut ist. Kostenpunkt: 10.000 Euro.

Das sorgte für reichlich Diskussionen, denn in der Oktobersitzung hatten die politischen Vertreter die Verwaltung beauftragt, Vorschläge für Standorte von E-Ladesäulen in der folgenden, also der aktuelle Sitzung vorzulegen. Ziemlich verschnupft reagierte Marco Johnen für den Antragsteller CDU. Er hatte eingangs der Diskussion eine Reihe an Vorschlägen für E-Ladesäulen-Standorte vorgebracht und auf Umsetzung gedrungen, statt nur auf ein Konzept zu setzen: „Wenn ich die Diskussion verfolge, weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Ich erinnere mich an Zeiten in der Kommunalpolitik, als sehr oft Geld und Zeit in Machbarkeitsstudien gesteckt worden ist. Wenig ist dabei rumgekommen. Ich hoffe, dass sich das nicht wiederholt.“ Matthias Hoven (JÜL) widersprach: „Es liegt uns absolut fern, den Antrag kaputtzukriegen.“ Oft genug sei es auch schon andersherum gewesen, dass schnell Dinge umgesetzt worden seien und Geld falsch ausgegeben. „Es kann auch ruhig mal ein halbes Jahr vergehen, wenn eine vernünftige und richtige Entscheidung getroffen wird.“ Letztlich einigten sich die Ausschussmitglieder darauf, dass die politischen Vertreter bis zur Ratssitzung am 14. Dezember in den Fraktionen diskutieren und sich informieren sollten, um dann zu einer Beschlussfassung zu kommen.

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Die Zeit werde nicht ausreichen, prophezeite Ulf Kamburg, Geschäftsführer der Stadtwerke Jülich, der in der Sitzung anwesend war und um eine Stellungnahme gebeten wurde. Die Stadtwerke betreiben die acht E-Ladesäulen im Stadtgebiet. Er lud die Stellvertreter aller Fraktionen ein, sie in einem gemeinsamen Gespräch mit den nötigen Fakten zu versehen. Bereits in der Sitzung wiederholte Kamburg den Standpunkt von Bürgermeister Fuchs, dass das Thema keineswegs so trivial sei, wie die politischen Vertreter wohl meinten. Zwischen den Zeilen wies er darauf hin, dass den Abgeordneten grundsätzliche Informationen fehlten. Kamburg riet zur Lektüre der Analyse des Kreises Düren, die im Masterplan Luftreinhaltung von 2018 festgehalten ist. Ziemlich Ernüchterndes zeigte er auf: Neben der Bilanz etwa, dass keine der Ladesäulen wirtschaftlich sei, schlüge jede Umrüstung von Lade-Säulen um zusätzlich Fahrräder zu laden mit rund 25.000 Euro zu Buche. Sebastian Steininger (Bündnis 90/Grüne) hatte diese Erweiterung angeregt. Kamburg gab zu bedenken, dass sich die Stadt lediglich auf 12 Kilometer im Durchmesser erstrecke, also eine Verdichtung der Ladesäulen-Dichte zu überdenken sei. Geklärt werden müssen darüber hinaus, wer Betreiber der Säulen sein solle und welche Ausstattung gewünscht sei: „Da geht es schnell um ein paar 100.000 Euro nur für die Anschaffung.“ Als Hausaufgabe für das gemeinsame Gespräch gab er den Politikern auf, zu klären, welches Ziel sie erreichen wollten.

Zustimmung erhielt Ulf Kamburg von Heinz Frey (JÜL). Es sei richtig, sich erstmal sachkundig zu machen. „Dann sind wir vielleicht im Dezember im Rat in der Lage eine Beschlussfassung vorzunehmen, die etwas mehr sachlichen Hintergrund hat als es heute der Fall wäre.“ In dasselbe Horn stieß Thomas Heil (FDP) und ergänzte: „Es gibt viele unterschiedliche Systeme – aber bevor ich beginne, muss ich in mein Portemonnaie gucken.“


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