Start Stadtteile Jülich Begehrte „Rademächers“ im „Gebetsreaktor“

Begehrte „Rademächers“ im „Gebetsreaktor“

Eine Kirche als Auktionshalle? Alles für den guten Zweck! Die Kirche St. Franz von Sales soll zur Jugendkirche umgebaut werden. Dafür ist noch Bares vonnöten. Nach dem Crowdfunding verwirklichte das Team Jugendkirche nun eine zweite kreative Idee: Es lud zu einer Benefizauktion in das Gotteshaus in Jülichs Nordviertel.

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Eine Fügung könnte man es nennen, dass die Erben von Helmut Rademächers im Nachlass rund 50 Zeichnungen mit Motiven von markanten Jülicher Orten – far- big und schwarz-weiß – fanden und in Ermangelung einer privaten Verwendung auf die Gemeinde zugingen und die Werke stifteten. Schließlich war Rademächers nicht nur Zeichner, sondern vor allem Architekt der Saleskirche (siehe unten). Was aber tun mit der Schenkung? Bald war klar: Die Werke sollten nicht in der Schublade verschwinden, sondern unter den Hammer kommen, um einen Teil der benötigten 150 000 Euro Umbaukosten zu erwirtschaften.

Eine ausgesuchte Schar von heimatverbundenen Kunstfreunden fand sich zu diesem Zweck in der Kirche ein und brachte neben Bargeld auch gute Laune und Steigerfreude mit. So wurde manches Gebot, bei dem Auktionatorin Doris Vogel schon fast den Zuschlag gegeben hätte, noch einmal in die Höhe getrieben – zur Freude der Organisatoren und Amüsement der Anwesenden. Am Ende standen rund 1100 Euro unter dem Strich. Ein satter Erfolg. Nur einige wenige Zeichnungen blieben hängen. Wäh- rend die Schlosskapellen-Ansichten begehrt waren, hatten es Tiermotive der Bietergemeinde nicht so angetan.

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Interessierte haben am Samstag, 25. November, noch einmal die Chance, für die Jugendkirche und die eigene Wand etwas Gutes zu tun: Zum Festtag der heiligen Elisabeth, der Patronin des Jülicher Krankenhauses, werden beim dortigen Edel-Trödel von 10 bis 17 Uhr die letzten „Rademächers“ zu haben sein.

Zum Hintergrund:
Helmut Rademächers ist auch vier Jahre nach seinem Tod stadtbekannt in Jülich. Der Architekt hat das Gesicht der Stadt entscheidend mitgeprägt. Neben vielen Wohnhäusern und Laden- lokalen entwarf er auch das Wahrzeichen von Jülichs Nordviertel: Die Kirche St. Franz von Sales.

Es war an Heiligabend 1968 um 14 Uhr, als der damalige Bürgermeister Karl Knipprath bei Rademächers anrief mit dem Auftrag, bis zum Neujahrsempfang der Propsteipfarre den Plan für einen Kirchenbau im Nordviertel vorzustellen. Fakten sollten geschaffen werden, denn das Bistum Aachen wollte, so erinnert Helmut Rademächers, lediglich eine „Behelfskirche“ errichten lassen. Festpreis 430.000 Euro. Bei diesem unvorstellenbar niedrigen Preis für den Baukörper ist es geblieben, die Kirche aber ist ein kleines Schmuckstück geworden.

Das Oktogon, dem Gedanken des zweiten Vatikanischen Konzils folgend, wählte der Architekt, um das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gemeinde zu fördern und anders, als in Saalbauten, den Blickkontakt untereinander und zum Altar zu ermöglichen. Wie Johannes Palm, Chorleiter an Sales zum zehnjährigen Bestehen schriftlich formulierte, erhielt die Kirche nachfolgend auch „Kosenamen“ wie „Tissen-Hütte“ – angelehnt an Pfarrer Franz Tissen und vermutlich in Erinnerung an die Nissenhütten auf dem Artilleriefahrplatz – und „Gebetsreaktor“.

Dass jetzt die Zeichnungen des leidenschaftlichen Zeichners in „seiner“ Kirche versteigert werden, hätte Helmut Rademächers sicher gefallen.


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