Start Magazin Schule Die Welt durch Schüleraugen

Die Welt durch Schüleraugen

Ein Großteil des Schuljahres hat im Distanzunterricht stattgefunden. Dabei werden die Schüler – von der ersten Klasse bis zum Abschlussjahrgang – über digitale Kanäle im eigenen Zuhause unterrichtet. Klar ist: Es ist ein völlig anderes Lernen. Für das HERZOG-Magazin teilen die Schüler des Abiturjahrganges des Gymnasiums Zitadelle ihre Erfahrungen und Gefühle mit den Lesern. Unterstützt werden sie dabei von den Grundschülern der Katholischen Grundschule, die ihre Sicht auf die Dinge in kleinen Kunstwerken wiedergeben.

153
0
TEILEN
Corona Bild Kinder malen
- Anzeige -

Daniel, 19

Zunächst sollte man sagen, dass diese Form des Lernens in der Situation angemessen und wohl auch die richtige Art ist, unsere Ziele zu erreichen, doch ist es eine ganz andere Art des Verständnisses von Inhalten. Die Schulen haben aus dem ersten Distanzlernen gelernt und versuchen, uns das Leben durch eine gute gezielte Organisation zu erleichtern. Doch muss ich persönlich zugeben, dass durch die indirekte Vermittlung der Inhalte die Tiefe verloren geht und man sicher auch individuell mehr nacharbeiten muss als sonst ohne hin auch schon, um die Leistungen zu halten. Die Geschwindigkeit ist eine andere als im Präsenzunterricht, und deshalb wird es wohl leider nicht einfacher, alle Anforderungen des Landes zu erfüllen. Doch sollte man, wie immer im Leben, einfach das Beste aus der Situation machen und sich nicht unterkriegen lassen.

- Anzeige -

 

 

Amelie, 17

So wie wir im Moment unsere Oberstufenzeit und vermutlich auch unseren Abschluss erleben, so wünscht es sich wahrscheinlich keiner. Natürlich klappt es in manchen Fächern auch gut, und effizienter Unterricht ist möglich, aber dennoch ist und bleibt meiner Meinung nach das
Distanzlernen nicht das Gleiche wie Präsenzunterricht. Zusätzlich ist der soziale Aspekt im Schulalltag einfach nicht zu ersetzen, und das ist etwas, was mir sehr fehlt und einfach schwierig auszugleichen ist.
Es ist also einmal diese Ungewissheit bezüglich des Abiturs, auf das man lange hinarbeitet, und auf der anderen Seite fehlt der Ausgleich durch Hobbys und durch Zeit mit Freunden.

Johannes, 17

🙂 und 🙁 sind wohl die Emojis, die das Jahr 2020 am besten beschreiben. Es gab viele Hoch- und Tiefpunkte. Zu den Besonderheiten dieses Jahres zählt auch das Distanzlernen. Am Anfang hat mir das Distanzlernen sehr gut gefallen. Ich konnte ruhig und alleine in meiner eigenen Umgebung lernen und war dabei keinem sozialen Druck oder sonstigem ausgesetzt. Es war das erste Mal in meiner Schullaufbahn, dass die SchülerInnen auf der Basis ihrer gezeigten Leistungen bewertet wurden, und die Persönlichkeit (introvertiert / extrovertiert) nicht im Vordergrund stand und einen konkreten Einfluss auf die Benotung ausgeübt hat. Jeder konnte in seinem eigenen Tempo lernen und sich individuell mit den Informationen auseinandersetzen. Allerdings wurde all das wieder mit der Einführung der Konferenzen geändert. Die Benotung funktioniert dabei erneut genauso wie im normalen Unterricht. Der einzige Unterschied ist, dass es deutlich anstrengender ist, dem Unterricht zu folgen und man sich weniger beteiligen kann. Zudem fehlen beim Distanzlernen (egal, ob nur Aufgaben oder eine Konferenz) die kleinen Informationen, die die LehrerInnen immer wieder zwischen den Zeilen und Aufgaben preisgeben, die jedoch meistens sehr nützlich für das Abitur sind.

Kimia, 16

Im ersten Lockdown fanden wir das Distanzlernen alle noch lustig und erholsam. Wir freuten uns über die quasi geschenkten „Ferien“ und begrüßten es, dass wir den ganzen Tag im Schlafanzug verbringen oder bei einer Konferenz ungesehen in Ruhe frühstücken konnten. Mittlerweile hat sich meine Gefühlslage, aber auch die der meisten SchülerInnen geändert. Auch wenn ich froh bin, dass wir noch weiter lernen können, auch in Hinblick auf das immer näher rückende Abitur, so vermissen wir alle die sozialen Aspekte am Unterricht: die Gespräche in den Pausen, der Augenkontakt zur Sitznachbarin im Unterricht, das Austauschen über Neuigkeiten in langweiligeren Stunden und ganz einfach das Gefühl von Gemeinschaft. In den Videokonferenzen wird weniger gelacht, Witze zu machen ist komisch, wenn man sich nicht sieht. Immer mehr ist mir klargeworden, dass Schule mehr als nur Lernen ist.

Jeanne, 17

Ich fühle mich aufgrund des Distanzlernens von meinem Sozialleben abgekapselt. Mir fehlt es, meine Freunde und sogar die Lehrer zu sehen. Außerdem habe ich das Gefühl, den ganzen Tag vor dem Laptop zu sitzen und viel mehr zu arbeiten als sonst. Generell finde ich den Unterricht so viel einseitiger und uninteressanter. Das einzig Positive, was ich an dem Ganzen finde, ist, dass man mehr Zeit mit der Familie verbringen kann, den Tag mehr oder weniger selbst einplanen kann und nur ein paar Minuten vor dem Unterricht aufstehen muss. Ich weiß, dass ich mich glücklich schätzen kann, da andere in dieser Zeit mit viel schlimmeren Problemen zu kämpfen haben. Ich hoffe für uns alle, dass diese Phase bald vorbei ist.

Nele, 18

Der Lockdown im Frühjahr hat uns bereits mit Veränderungen konfrontiert und uns neue Lernmethoden und Voraussetzungen wie den Digitalunterricht auferlegt, denen wir nun im zweiten Lockdown erneut entgegentreten. Durch den Distanzunterricht sind wir mehr als zuvor darauf angewiesen, uns eigenständig zu organisieren. Was unsere Selbstständigkeit zwar fördert, jedoch fällt es manchmal auch schwer, die vielen verschiedenen Aufgaben nicht aufzuschieben, da wir uns den Zeitpunkt der Bearbeitung dieser bis zur Abgabe selbst aufteilen können. Zudem sind es manchmal viele zu bearbeitende Aufgaben auf einmal. Was meiner Meinung nach jedoch leichter fällt und einfacher ist als zuerst angenommen, ist die Bearbeitung der Aufgaben am Computer statt handschriftlich.
Vor allem fällt mir die unterschiedliche Umgangsweise der SchülerInnen mit dem Distanzunterricht auf, dass jeder auf eine individuelle Art probiert, die digitalen Konferenzen und die umfangreichen Aufgaben zu bewältigen. Jedoch leiden die anregenden Unterrichtsgespräche und die Produktivität des Kurses zum Teil unter den digitalen Unterrichtsstunden, da es oftmals schwierig ist, sich unvermittelt auszutauschen und Diskussionen zu führen. Teilweise entstehen Missverständnisse, die den Unterricht unnötig aufhalten und verzögern. Zudem fällt es teilweise schwer, dem Unterricht inhaltlich zu folgen, da er oftmals nicht so anschaulich und anregend gestaltet werden kann wie im Präsenzunterricht.
Auch die klare Trennung zwischen Schule und privatem Alltag ist mehr als zuvor eingeschränkt, da wir alle schulischen Aspekte wie Hausaufgaben und die digitalen Unterrichtsstunden von zuhause aus erledigen und die räumliche Trennung nun fehlt. Abzuschalten und sich anderen ebenso wichtigen Aspekten des Alltags zu widmen wie beispielweise der Familie, Hobbies oder Freunden, wird ebenso erschwert.
Der Digitalunterricht ist zwar teilweise inhaltlich mit dem Präsenzunterricht in der Schule vergleichbar, jedoch keinesfalls auf einer zwischenmenschlichen Ebene. Es ist einfach nicht dasselbe wie die schulische Interaktion mit anderen MitschülerInnen und LehrerInnen.
Auch fallen Ereignisse wie die Mottowoche und der Abigag unseres Abiturjahrgangs als auch Möglichkeiten zur Finanzierung unserer Abiturfeier weg wie beispielsweise der Kuchenverkauf, was gleichzeitig den Ausgleich und die Motivation für den kommenden Lernstress minimiert.

Lennard, 17

Das Distanzlernen ist eine spezielle Situation. Der erste Lockdown stellte die größte Umstellung dar, da keine Erfahrung mit diesem Lerntyp vorhanden war. Man musste sich zurechtfinden und lernen, sich zu organisieren. Beispielsweise erwies es sich als hilfreich, in einen Wochenplan alle Termine für Videokonferenzen und Abgabetermine für Ausarbeitungen zu schreiben, um den Überblick zu wahren. Aus meiner Sicht funktioniert das Distanzlernen über das Programm Microsoft Teams zunehmend besser, jedoch kann man es mit dem Präsenzunterricht nicht vergleichen, da Interaktionen mit Mitschülern fast komplett wegfallen. Da ich den Abschlussjahrgang besuche, hoffe ich, dass alle abiturrelevanten Themen ausführlich behandelt werden können. Schließlich bleibt abzuwarten, wann sich die Infektionslage beruhigt und eine Rückkehr zum Präsenzunterricht realisiert werden kann.

Marla, 17

Nach Eintritt des ersten Lockdowns im März wurde uns allen ziemlich schnell klar, dass wir neben dem Abiturjahrgang des letzten Jahres sehr unter der Pandemie leiden werden. Der ständige Wechsel zwischen Distanz- und Präsenzlernen, die vielen Änderungen in den Hygienevorschriften und die große Ungewissheit, wie es weiter gehen wird, und wie stark man versucht, uns entgegenzukommen, sind sehr nervenaufreibend. Viele Fragen bleiben offen und die Sorge, inwiefern sich dieses große Durcheinander auf unsere Abschlussnoten auswirken wird, bleibt ebenfalls unbeantwortet. Nachdem unser Abigag, unsere langersehnte Kursfahrt und unsere Mottowoche abgesagt wurden und es nicht klar ist, ob und in welchem Maße wir unsere Abientlassfeier zelebrieren können, ist den Meisten die Lust auf unser letztes gemeinsames Schuljahr vergangen. Diese Frustration versuch(t)en viele Lehrer aufzufangen. Wir wurden meiner Meinung nach gut in das Distanzlernen eingeführt und hatten immer Ansprechpartner, die uns behilflich waren. Natürlich lief nicht immer alles rund, manchmal kam es dazu, dass man längere Zeit keine Aufgaben bekam oder teilweise auch regelrecht mit Arbeit überschüttet wurde. Jedoch mussten wir uns alle, auch die Lehrer, erstmal auf das Distanzlernen einstellen. Dadurch dass Kommunikation immer möglich und gewünscht war, konnten viele Probleme aus dem Weg geschaffen werden. Das Distanzlernen fördert die eigene Selbstständigkeit und hilft bei der eigenständigen Planung des Tages. Allerdings fängt diese Form des Lernens nicht den sozialen Kontakt auf, den man sonst in der Schule hat. Der ständige Austausch mit den Mitschülern und die üblichen Gespräche gehen dadurch verloren. Durch unterschiedliche mediale Möglichkeiten versuchen wir Schüler, so gut es geht, im Austausch zu bleiben und in dieser besonderen, herausfordernden Zeit das Beste herauszuholen.

Celina, 18

Mittlerweile läuft das Arbeiten mit der Plattform Microsoft-Teams, die unsere Schule für den Distanzunterricht nutzt, routinierter ab. In vielen Fächern führen unsere Lehrer/-innen in den eigentlichen Unterrichtsstunden Online-Konferenzen durch, die dem gewohnten Unterricht sehr ähneln. In den Fächern, in denen wir nicht konferieren, erhalten wir Aufgaben, die wir in der vorgegebenen Unterrichtszeit schriftlich bearbeiten sollen. Für das Bearbeiten dieser Aufgaben ist jedoch oftmals nicht genügend Unterrichtszeit eingeplant, und wir bearbeiten diese länger, als von den Lehrern/-innen ursprünglich angedacht. Das Distanzlernen ist also häufig zeitintensiver als ein normaler Schultag. Auch den generellen Schulalltag vermisst man während des Lernens auf Distanz, da man seine Freunde/-innen, Mitschüler/-innen und auch Lehrer/-innen nicht wie üblich täglich sieht. Generell kann ich jedoch sagen, dass das Homeschooling das selbstständige Lernen ein Stück weit fördert und somit eine gute Vorbereitung für das Abitur und das Lernen dafür darstellt.

Leyla, 17

Der Distanzunterricht wird sehr unterschiedlich von Lehrkräften umgesetzt. Einige Lehrkräfte setzen das Lernen auf Distanz so gut um, dass ich kaum Unterschiede zum Präsenzunterricht feststelle. Der Unterricht findet also mit gewohntem Lernerfolg und Arbeitsaufwand statt. Die andere Hälfte der Lehrkräfte nutzen nicht die Möglichkeiten der Online-Konferenzen, sondern erteilen Aufgaben für die Lehrstunde. Oft kommt es dann dazu, dass der tatsächliche Umfang der Aufgaben unterschätzt wird und man teilweise weit über die Unterrichtszeit hinaus arbeitet. Ich finde, Folgendes muss berücksichtigt werden: Zwischendurch können technische Probleme auftreten, nicht alle haben einen angemessenen Arbeitsplatz und die technische Ausstattung. Der Präsenzunterricht kann insgesamt nicht durch das Lernen auf Distanz ersetzt werden. Durch den Distanzunterricht ist die Trennung von Schule und Freizeit schwierig.

Christina, 18

Besonders die letzten Schultage des Lebens verbringt man nur ungern allein vor dem Computer. Die Abiturprüfungen rücken näher, und gerade jetzt fehlt der persönliche Austausch mit Lehrern und Mitschülern. Auch wenn wir uns alle mittlerweile an die Onlinewelt gewöhnt haben, bleiben Nachteile wie die Abhängigkeit von der Laune der Technik bestehen. Motivation zu finden wird immer schwieriger, man vermisst seine Freunde und sogar so manche Lehrer. Auch wenn es nur Kleinigkeiten sind wie das gemeinsame Kuchenessen im Leistungskurs oder ein Späßchen mit dem Hausmeister, sie fehlen. Die schönen Momente im Abitur wie der Abiball oder die Motto Woche dienen eigentlich gerade jetzt als Ansporn. Da jedoch niemand weiß, ob und wie das Alles möglich sein wird, stehen wir bei der Planung nur vor weiteren Herausforderungen. Die Vorfreude blieb bisher aus. Ich hoffe sehr, dass wir uns schon bald wieder der Normalität nähern können.

Hanna, 17

Ich glaube. wir alle haben uns unser Abschlussjahr anders vorgestellt und erhofft. Der Ausfall der Abschlussfahrt war schon sehr traurig, und eine Erfahrung, die zum Abschluss dazugehört, bleibt uns verwehrt. Aber nun sitzen wir auch alle zu Hause und können nur spekulieren, wie wir unsere Schulzeit abschließen werden. Natürlich könnte man zwar sagen, dass es angenehm ist, sich direkt aus dem Bett mit Jogginghose vor den Laptop zu setzen, aber es ist eigentlich nur demotivierend. Es ist vergleichsweise sehr anstrengend, sich dauerhaft zu konzentrieren, wenn man alleine in seinem Zimmer hockt und zudem gar keinen richtigen Ausgleich mehr zu Schule und Lernen hat. Außerdem kommt noch dazu, dass wir nicht genau wissen, wie wir unseren Abschluss schreiben sollen, und die Angst vor dem Abitur wird immer größer. Wir wissen nicht, ob, wie und wann wir wieder in die Schule kommen dürfen, eine Abientlassfeier haben werden und uns gleichzeitig von unseren Mitschülern verabschieden können. Die aktuelle Situation ist natürlich für alle Menschen jeglicher Altersgruppe sehr belastend, aber es ist dennoch sehr traurig, dass mein Jahrgang die meiste Zeit seiner Oberstufe alleine und ohne die typischen Erfahrungen eines Abschlusses erlebt hat.


§ 1 Der Kommentar entspricht im Printprodukt dem Leserbrief. Erwartet wird, dass die Schreiber von Kommentaren diese mit ihren Klarnamen unterzeichnen.
§ 2 Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.
§ 3 Eine Veröffentlichung wird verweigert, wenn der Schreiber nicht zu identifizieren ist und sich aus der Veröffentlichung des Kommentares aus den §§< 824 BGB (Kreditgefährdung) und 186 StGB (üble Nachrede) ergibt.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here