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In Bewegung

Viel ist in Bürgerforen, Politik und Expertenrunden diskutiert worden und wird es noch. Fahrt aufgenommen hat das Thema erneut durch die Präsentation des vielseitigen „Mobilitätskonzeptes“ des Fachbüros Rödl & Pachan sowie die Europäische Mobilitätswoche, an der sich die Stadt Jülich mit vier „autoarmen Tagen“ beteiligt hat. Im kommenden Rat am Donnerstag, 28. Oktober, ist das Thema wieder auf der Tagesordnung.

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Abb. MMW aus der InHK-Präsentation - Große Rurstraße
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Seit rund zwei Jahren beschäftigt sich die Stadt Jülich mit dem Thema, wie Fortbewegung künftig in und um die Herzogstadt am besten gelingt: Zu Fuß, auf zwei oder vier Rädern, durch Eigenantrieb, E-Antrieb und Verbrennungsmotoren. Stichwort: Mobilitätswende.

Die Umsetzung hat schon begonnen: Die Beseitigung von „Stolperfallen“, Grünschnitt in Kreuzungsbereichen, Markierungsarbeiten, Anordnung von Verkehrszeichen und ergänzende Wegweiser. Erkannt wurde der Bedarf nach Verbesserung durch Hinweise aus der Bevölkerung und bei den Ortsbegehungen. Beschlossen wurden diese ohne großen Kostenaufwand umsetzbaren Maßnahmen im letzten Planungs-, Umwelt-, Bauausschuss. Es sind kleine, aber wichtige Schritte zum großen Ganzen. Denn nur als Ganzes ist Mobilität in der Stadt „zu denken“, schimpfen bekanntermaßen Autofahrer über Radler, Radler über Fußgänger und letztere über die Vorgenannten. Eine beliebig schnelle Umsetzung der Maßnahmen ist nicht möglich, weil viele Akteure zu beteiligen sind: Die Stadt Jülich muss – je nach Hoheitsrecht „an“ den Straßen – den Kreis Düren, das Land NRW oder den Bund an den Tisch holen. Das dauert.

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Erfolgreich ist die Stadt Jülich bereits zu Fuß unterwegs. Sie ist bekannt für ihre kurzen Wege und damit ausgesprochen fußgängerfreundlich. Dank des NRW-Förderprogramms Fußverkehrs-Check sind die Jülicher gemeinsam mit Experten und Verwaltung bei einer Stärke-Schwächen-Analyse, und das meist zu Fuß – auch schon mal zu nachtschlafender Zeit. Barrierefreiheit ist hierbei auch ein wichtiges Thema. Bis November soll ein Verbesserungskatalog erstellt werden.

Fahrräder sind in Jülich ein bevorzugtes Fortbewegungsmittel. Das hat nicht nur der Buzzer gezeigt, den Zweiradler zu den Aktionstagen auf der Kölnstraße betätigt haben. Täglich über 1500 Mal. Der Radius des Einzugsgebietes um Jülich ist durch E-Bikes um zwei auf sechs Kilometer gewachsen, nicht zuletzt durch viele Senioren, die aufs Rad umgestiegen sind. Die Radler und Planer haben Problemzonen ermittelt: Radwege, die im Nichts enden oder problematische Querungen zu besonders befahrenen Straßen aufweisen. Hier sind in einem ersten Schritt bereits Veränderungen erfolgt oder werden angegangen. Ein Beispiel: Für drei Monate wird per Radargerät an der Rübenstraße das Verkehrsverhalten von Radfahrern unmittelbar. Die Daten sollen eine Problemlösung an dieser Stelle ermöglichen.

Ein weiterer großer Aspekt ist die Anbindung der Dörfer, und dies nicht erst seit dem Dorfentwicklungskonzept. Neben verbessertem Radwegenetz werden aktuell in den Ortsteilen Mitfahrerbänke installiert. „Hinsetzen, abwarten, sich mitnehmen lassen“ ist hier das niederschwellige Prinzip. Wer nicht mit „Fremden“ mitfahren möchte, kann den On-Demand-Verkehr nutzen. Das Prinzip folgt dem des bekannten Anrufsammeltaxis. Derzeit werden dazu mit dem Kreis Düren Gespräche geführt – ebenso über eine Taktverkürzung der ÖPNV-Angebote. Stichwort: Rurtalbus und Rurtalbahn. Eindeutig haben die Erhebungen des Verkehrsfachbüros Rödl & Pachan ergeben, dass der Autoverkehr als Problem und nicht als Lösung der Mobilität der Zukunft angesehen wird. Eine bessere Ko-Existenz muss also das Ziel sein. Ein Beispiel für bereits konkrete Planungen ist die Große Rurstraße, die statt Durchgangsstraße mit Schwerverkehr zur Straße mit Aufenthaltsqualität werden soll (siehe Bild). Die Stadt Jülich ist mit ihren Konzepten derzeit in Phase 2 des Landeswettbewerbs „Liebenswerte Städte“. Ineinandergreifen muss dies mit dem „Ringschluss“ oder der sogenannten West-Umgehung der Stadt. Stichwort: Sanierung der Rurbrücke nach dem Sommer 2022.

Alternative Entwürfe sollten zum Nachdenken anregen: Überlegt wurde von den Planern, eine eigene Stadtlinie für Jülich zu etablieren, die auf noch vorhandener Schieneninfrastruktur auf gewidmeter Trasse fahren soll. Von der Straße in die Luft: Seilbahnen werden als sauber, sicher, schnell vom Land NRW begünstigt und durch die „ÖPNV-Offensive“ gefördert. Das würde zu einer modernen Forschungsstadt passen, fanden Rödl & Pachan. Die Idee fiel in der Politik mehrheitlich durch: zu experimentell, zu teuer, nichts für Jülich. Alles Werben durch Bürgermeister Axel Fuchs waren vergeblich: der Verweis, potentieller Standort der internationalen Bau- und Technologieausstellung zu werden, genauso wie auf den Mut der Wuppertaler zur Schwebebahn oder Hinweise auf Finanzierung durch einen externen Betreiber.

Die Umsetzung des Mobilitätskonzeptes, das auf vier Stufen angelegt ist, wird noch die nächsten Jahre in Anspruch nehmen.


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