Die älteren Kirchen des Jülicher Landes haben teilweise eine verwickelte Baugeschichte. Insoweit gibt es auch immer wieder Anlässe, einzelne Jubiläen zu feiern, selbst wenn die Kirche eine nicht genau bestimmbare ältere Vergangenheit hat.
Einen solchen Fall stellt die katholische Kirche Hl. Maurische Märtyrer in Bourheim dar. Der Westturm aus romanischer Zeit datiert in das 12. Jahrhundert, das Langhaus wurde 1776 neu errichtet. Letzteres jährt sich in diesem Jahr zum 250. Mal.
Grund genug, um sich einmal etwas genauer mit dieser Kirche zu beschäftigen, für deren Erhalt sich seit einigen Jahren auch ein rühriger Förderverein einsetzt. Denn seit dem 1. Januar 2013 ist die Kirche keine Pfarrkirche mehr, als 13 ehemals eigenständige Pfarreien in der Pfarrei Heilig Geist aufgingen.
In diesem Jahr setzte sich der Fusionsprozess fort: Der pastorale Raum Aldenhoven-Jülich wurde zur neuen Pfarrei Hl. Maria Magdalena verschmolzen. Die Zukunft zahlreicher kirchlicher Immobilien ist ungewiss.
Das gilt auch für historisch bedeutsame Kirchenbauten. Die Bündelung lokalen Engagements für den Erhalt der ortsbildprägenden und Identität stiftenden Kirchenbauten ist daher sinnvoll und notwendig.
Bourheim war lange Zeit keine eigene Pfarrei, sondern nur eine Filiale der Pfarrei im benachbarten Kirchberg. Erst in französischer Zeit wurde sie 1803 zur Pfarrei erhoben, nachdem sich 44 Einwohner der Gemeinde Bourheim mit einer entsprechenden Eingabe an den Bischof in Aachen gewandt hatten.
Gleichzeitig erlebte die Kirche eine bedeutsame Aufwertung ihrer Ausstattung dadurch, dass drei barocke Altäre aus dem aufgehobenen Kapuzinerkloster in Aldenhoven nach Bourheim kamen, wo sie heute noch stehen. Zu den ältesten Ausstattungsstücken gehören zwei Glocken im Westturm, die sich in die Zeit um 1300 und in das 15. Jahrhundert datieren lassen, erstere über die Form, letzte durch das Gussdatum 22. August 1431.
Das Patrozinium „Maurische Märtyrer“ klingt ungewöhnlich. Es kommt in unserem Raum nur vereinzelt vor. Der Legende nach gehörten die Mauren zur sogenannten Thebäischen Legion, die im 3. Jahrhundert nach Christus Aufstände in den gallischen Provinzen niederschlagen sollten, dafür aber als Zeichen ihrer Loyalität gegenüber dem Kaiser diesem ein Opfer darbringen sollten. Als Christen verweigerten sie sich aber diesem Befehl und wurden daraufhin hingerichtet.
Hervorgehobene Mitglieder der Thebäischen Legion werden in Bonn, Köln und Xanten verehrt. Diese Dreizahl führte zur Abstraktion der „Drei Maurischen Märtyrer“, wie sie auch in Bourheim auf dem Antependium des Hochaltars dargestellt sind, ihrer Herkunft aus Afrika nach als dunkelhäutige Menschen.
Der romanische Westturm wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, so dass der obere Teil in vereinfachten Formen vollständig neu geschaffen werden musste. Der Bau des spätbarocken Langhauses, den die Einwohner Bourheims selbst finanzierten, geht auf den Seelsorger Franz Mathias Steinfeld aus Langweiler zurück. Sein Grabstein mit lateinischer Inschrift befindet sich in der Kirche.
Demnach war er 42-jährig am 26. August 1778 nach 14-jähriger seelsorgerischer Tätigkeit in Bourheim verstorben, nachdem er zwei Jahre zuvor den Grundstein zur Kirche gelegt hatte. Den Grabstein setzte ihm sein Mitbruder und Pfarrer von Kirchberg Johannes Peter Geusen.
Zu den jüngeren Ausstattungsteilen gehören die ornamental gestalteten Fenster von 1962. Sie kommen aus der Glasmalereiwerkstatt Oidtmann in Linnich. Entworfen wurden sie von dem aus Jülich stammenden Künstler Herb Schiffer, der damals am Beginn seiner Karriere als Glasmalereikünstler stand. Die schlicht gestalteten Fenster sind bewusst weniger farbintensiv gehalten, um nicht in Konkurrenz zur barocken Innenausstattung zu treten.
Der kurze Über- und Einblick in Geschichte und Ausstattung der Bourheimer Kirche mag genügen, um zu zeigen, wie lohnend ein Besuch dieses Kleinods des Kirchenbaus des Jülicher Landes ist. Der 2019 gegründete Förderverein freut sich zudem über jede Form der Unterstützung.
FestMesse SO 20|09
Pfarrei Hl. Maria Magdalena | St. Mauri Bourheim (mit Weihbischof Karl Borsch) | 11 Uhr
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