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Die richtige Technik für Fitness

Bei ganz gezieltem Techniktraining an Sportgeräten erlernen Schülerinnen und Schüler der Jülicher Sekundarschule unter professioneller Anleitung das Fundament für eine erfolgreiche Fitnesstrainingslaufbahn. Initiiert hat das SchulFitProjekt „Cool ohne Dope Reloaded“ Diplomsportlehrer Joachim Weber.

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Trainingszeit im Sportunterricht. Foto: Arne Schenk
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Vor – zurück, vor – zurück. Mit eiserner Geduld vollzieht der Junge immer wieder dieselbe Ruderbewegung an der Trizepspresse. Dahinter stählen zwei Mädchen ihre Körper an Bauchmaschine und Rückenstrecker. Übungen, die halt für ein Fitnessstudio so typisch sind. Und dann auch wieder nicht. Denn die Beteiligten gehen in die Klasse 10b der Sekundarschule Jülich und haben gerade Unterricht bei ihrem Lehrer Norbert Rahn.

Dass dies hier am Schulzentrum Jülich möglich ist, verdanken sie der Initiative von Diplomsportlehrer Joachim Weber. Im Sommer 2021 hat er für das SchulFitProjekt „Cool ohne Dope Reloaded“ nach passenden Geräten gesucht und wurde in einem Euskirchener Studio, das coronabedingt schließen musste, fündig. Da die Geräte günstig zu bekommen waren, wurde kurzfristig der Entschluss gefasst, sie zu kaufen und nach Jülich zu transportieren. Nachdem der Förderverein der Sekundarschule Jülich für die Finanzierung grünes Licht gegeben hatte, ging das Ansinnen in einer Art Hauruckaktion mit Schulleiterin Angelika Lafos über die Bühne: Morgens um 8 Uhr ging es los; um 1 Uhr nachts war alles erledigt.

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Damit das Training auch ernsthaft betrieben wird, holte sich die Schule das Team des Jülicher Gesundheitsstudios PowerPoint als Kooperationspartner mit ins Boot. Diese wiederum stellten als Fachkraft Vera Schleuter zur Verfügung. Sie besitzt nicht nur eine Ausbildung als Fitnesstrainerin und im Kinder- und Jugendtraining, sondern ist auch Präventions-, Rehabilitations- und Deeskalationstrainerin sowie ausgebildet in Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für Mädchen. Letzteres Angebot soll möglichst ebenfalls in den Unterricht eingebunden werden.

Denn ganz zu Anfang sei ihr aufgefallen, dass sich insbesondere Mädchen mit dem Training schwer getan hätten, unterstreicht Vera Schleuter. „Da ist eine große Scham: Wie sehe ich aus? Gut genug?“ So versucht sie, diese Scham ein wenig zu nehmen. Zudem merkten die jungen Damen schon, dass das Fitnesstraining relativ schnell einen Effekt auf ihren Körper hat. So verbessere das Training nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche und schaffe ein größeres Selbstwertgefühl.

Generell beginnen bei allen die Übungen im Unterricht mit einem Aufwärmen an den Geräten, ehe es mit einem dosierten Training und reduzierten Gewichten weitergeht und sich allmählich steigert. Als Abschluss gibt es Dehnungsübungen. „Das Ziel ist, dass sie lernen, wie es richtig geht“, bekräftigt Vera Schleuter, wohl wissend, dass sich die Trainierenden auch miteinander messen wollen. Wer kann mehr stemmen? Wenn es übertrieben wird, greift sie auch schon einmal ein.

„Also ganz gezieltes Techniktraining an den Geräten, weil das wirklich das Fundament ist für eine erfolgreiche Fitnesstrainingslaufbahn“, erzählt Joachim Weber. „Hier geht es ja nicht darum, einen Fitnessstudioersatz zu installieren, sondern eine sinnvolle Ergänzung für den Sportunterricht.“ Weil die Schülerinnen und Schüler häufig nach vorne gebeugt den ganzen Tag arbeiten müssen, werden ihnen unter anderem hilfreiche Übungen zum verstärkten Ausrichten gezeigt und diese dann angewendet.

Den Namen „Cool ohne Dope“ hat das Projekt übrigens durch die Kooperation mit der NADA, der Nationalen Anti-Doping Agentur in Bonn, erhalten. Diese stellt für Projekttage Experten zur Seite, die darüber aufklären, welche Auswirkungen Dopingmissbrauch mit Anabolika für einen Muskelzuwachs, aber auch andere Drogen zur psychischen Leistungssteigerung haben. Solche Projekttage sind noch für dieses Jahr geplant. Und das „Reloaded“ wurde angehängt, weil Joachim Weber bereits ein ähnliches Projekt an der Thomas-Edison-Realschule in Düsseldorf ins Leben gerufen hatte.

Kraft mal Konzentration ist „Fitness macht Schule“. Foto: Arne Schenk
„Wir wollen den Schülern ja etwas bieten, um etwas für ihre Gesundheit zu tun, und zwar auf dem richtigen Wege, also ohne leistungssteigernde Mittel, sondern durch natürliches körperliches Training“, unterstreicht Weber. In diesem Zusammenhang spiele natürlich auch die richtige Ernährung eine Rolle. Deren Funktion soll auch in dem Fach „Verantwortung“ angesprochen werden. Daneben thematisiert der Unterricht aber auch völlig andere Aspekte in Zusammenhang mit einer Beraufsausbildung des Sport- und Fitnesskaufmanns. So wird dem Nachwuchs auch das Arbeitsfeld der Sponsoren nähergebracht. Dazu arbeiten Sponsoring Partner mit der Schule zusammen, stellen Praktikumsplätze zu Verfügung oder ihren Betrieb in der Schule vor, um zusätzliche Einblicke in eine künftige Berufsausbildung zu geben. Unter anderem PowerPoint, AOK, Allianz für die Jugend e.V. und die Sparkasse sind als Unterstützer mit im Boot. Aber auch andere Sponsoren können sich gerne einbringen. Als Gegenleistung bietet die Schule unter anderem Imagewerbung an.

„Das sollte es auch an anderen Schulen geben“, hofft Vera Schleuter. Denn auch wenn nur wenige Schulen ein derartiges Angebot im Programm hätten und es somit für die Identifikation mit der Sekundarschule einen sehr wichtigen Faktor darstellt, wäre es selbstverständlich wünschenswert, diese Idee auch an anderen Instituten zu installieren. Nicht umsonst heißt das Motto „Fitness macht Schule“. Der Kontakt ist über Joachim Weber, [email protected], Tel. 0163 / 270 1508 möglich. Infos sind unter www.fitnessmachtschule.de im Internet erhältlich.

Aber auch an der Jülicher Sekundarschule ist das Projekt noch lange nicht abgeschlossen. So wird das Aufwärmen in Fitnessstudios normalerweise an Cardio-Geräten mit Training für Herz-Kreislauf vollzogen. „Und die haben wir eben derzeit noch nicht“, erklärt Weber, „aber wir wollen diesen Bereich erweitern, und zwar schwebt uns da vor, zehn Indoor-Cycles anzuschaffen.“ Diese seien auch für das sportliche Fahren geeignet, zum Beispiel in Gruppenkursen. Im Studio fährt der Instructor frontal vor der Gruppe. Da dies im Sportunterricht schwer zu stemmen sei, plant das Team, Cyberrobics, eine Internet-Plattform mit virtuellem Training, über einen großen Bildschirm anzubieten. So lassen sich Instruktoren weltweit dazuschalten. Diese seien alle online verfügbar und ließen sich vom Lehrpersonal herunterladen und abrufen. So würde das Lehr- und Fitnesspersonal entlastet und könne sich während dieser Zeit anderen Aufgaben widmen.

Zudem sind auch andere Möglichkeiten im Fitnessbereich denkbar: von Stretching über Aerobic, Zumba bis zum Ausdauertraining. Und wenn’s gewünscht wird bei Musik. Da sei es auch kein Problem, dass wegen der besseren Übersicht die Klassen in zwei Gruppen aufgeteilt werden, unterstreicht Joachim Weber: „Unser Konzept sieht so aus, dass wir beide Gruppen optimal versorgen und auch beaufsichtigen können.“ Ein Teil sei beispielsweise nach dem Warm-up im Kraftbereich, während der andere eine Ausdauertrainingseinheit absolviere. Sogar das Trainieren in einem dritten Bereich wäre gleichzeitig denkbar: Beweglichkeitstraining über entsprechende Geräte, die noch angeschafft werden sollen.

Auch in Punkto Reinlichkeit ist ein Lerneffekt gewünscht: So legt Vera Schleuter wert darauf, dass die Schuhe der Teilnehmenden sauber sind, die Geräte hinterher wieder gesäubert und in die Grundeinstellung versetzt werden. „Im Fitnessstudio muss man das auch alles beherzigen.“ Nur ein passender Spitzname, der gleichzeitig identitätstiftend für die Schule ist, wird noch gesucht. Bislang nennen die Lehrer den Raum „Fitty“, die Schüler „Gym“. Ansonsten besteht bereits ein hohes Zugehörigkeitsgefühl. Gerade ist Pause. Einige Schüler kommen herein, fragen höflich, ob sie an die Geräte dürfen. Kein Problem. Also an die Geräte, fertig, los. Vor – zurück, vor – zurück.


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