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Hintergründe und Vereinsvita

Nach der Vereinsauflösung vor 25 Jahren und der unschönen Haftstrafe des Prokuristen der vereinsangeschlossenen Vermarktungsgesellschaft, der zweiten Insolvenz vor 14 Jahren und deren Abwendung 2012 schienen die „Zehner“ saniert. Der Vita gemäß müsste der Verein inzwischen SC Jülich 1910/97/08 heißen, so viele Höhen und Tiefen hat der Traditionsverein durchschritten. Offenbar gehört zu dieser Tradition aber auch Unruhe rund um den Vorstand. Der Vorwurf 2021 lautet: Es mangelt an satzungsgemäßer Vereinsführung und perspektivische Entscheidungen würden an den Mitgliedern vorbei getroffen. Seit 2017 ist keine Mitgliederversammlung mehr einberufen worden.

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Foto: Dorothée Schenk
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Die gemeldete SG Rurland stößt auf Widerstand bei Mitglieder von Jülich 1910 wie Jülich 1912. Sie wollen auf die lokale Identität und Tradition des Jülicher Fußballs nicht verzichten.

Angetreten waren der Zehner-Vorsitzende Michael Lingnau und sein Team 2008 um – wie er gern formuliert – den Verein „aus den Ruinen“ erstehen zu lassen. Damals gab der frischgewählte Vorsitzende Lingnau zu Protokoll: „Der Verein gehört in die Herzen der Jülicher – das wollen wir wieder erreichen“. Weder sportlich noch baulich dürfe sich Jülich 10/97 „in die Ecke stellen“ lassen. Dieses Bekenntnis galt gut 10 Jahre später nicht mehr, auch, weil zu wenig Spieler in einer ersten Mannschaft für die Zehner auflaufen wollten. 2019 gingen die Zehner darum eine Spielergemeinschaft mit dem – überspitzt – Erzkonkurrenten SV Jülich 1912 ein. Sogar von Fusion war sogar die Rede. 2021 ist aktuell eine Mannschaft SG Rurland  für die kommende Saison gemeldet. Es treten die Spielergemeinschaft Jülich 10/12 und Hoengen / Aldenhoven-Pattern als Mannschaft an. Im Klartext werden vier Vereine aus zwei (Fußball)kreisen – Düren und Aachen – gemeinsam auflaufen. Ein Novum, wie Fußballkenner sagen, denn eine solche „Super-Spielgemeinschaft“ schwächten andere Vereine. Normalerweise bestünden Spielergemeinschaften aus zwei, maximal drei Vereinen. Als namhafte Unterstützer der SG Rurland sind die ehemaligen Nationalspieler Dariusz Wosz und David Odonkor und der ehemalige Bundesligaspieler Manuel Junglas im Gespräch. Zukunftsvision ist keine Fusion, sondern die Neugründung eines Vereins 1. FC Rurland dessen Sitz Jülich sein soll. 

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Wolfgang Beck, Vorsitzender beim SV Jülich 1912, hat darum seinen Rücktritt dem Vorstand mitgeteilt und beim Notar gleich amtlich gemacht. Sein Stellvertreter und der Geschäftsführer begrüßten seiner Aussage nach ein Zusammengehen der Mannschaften zur SG Rurland. „Ich war überstimmt, wollte diese Entscheidung aber nicht mittragen“, erklärte Beck auf Nachfrage. Er könne sich zwar noch eine Fusion der Jülicher Fußballvereine vorstellen, nicht aber dieses geplante Großkonstrukt. Für ihn unverständlich ist, wie der Fußballverband Düren hierfür seine Genehmigung erteilen konnte. Beck bleibt Jugendtrainer der Bambini und F-Jugend – und natürlich Vereins-Zwölfer. Denn er möchte auf jeden Fall von seinem Stimmrecht gebrauch machen.

Seinen Rückzug aus dem Vorstand Jülich 10 hat Zehner-Urgestein Peter Kosprd auch vollzogen, allerdings planmäßig. Vor einem Jahr hatte er angekündigt, sich nach dem 20. Fußballcamp zurückzuziehen. Auch er sieht die Entwicklung kritisch. Bei der Organisation des Camps sei, so Kosprd, schon bei der Sponsorensuche spürbar gewesen, dass sich Geldgeber angesichts der angekündigten Fusion zurückgezogen hätten. Einige Unterstützer des Camps hätten darum diesmal auf eine finanzielle Zuwendung verzichtet. Auch Kosprd berichtet von Gesprächen mit Alt-Zehnern, die bei der geplanten Strukturänderung ihren Vereinsaustritt angekündigt hätten.

Empfang der Zehner auf dem Markt in Jülich als Amateurmeister 1969. Foto: Archiv SC Jülich 1910/97

Blick in die Vereinsvita

12. Januar 1910 Vereinsgründung

1968-1971 dreimal Amateurmeister

1996 16. August: Eine fünfjährige Gefängnisstrafe droht dem ehemaligen Vorsitzenden des Fußballvereins SC Jülich 1910, Ernst Dreßen.

1997 Der langjährige Hauptsponsor des Vereins hat seine Zuwendungen durch Unterschlagung erwirtschaftet. Der Ex-Vorsitzende Ernst Dreßen wird zu einer Haftstrafe verurteilt. Der Club muss im September Konkurs anmelden. Der Verein wurde aufgelöst. Der Nachfolgeverein SC 1910/97 wird gegründet.

2007 9. November
Traditionsverein Jülich 10/97 hat viele Defizite
Zehner-Vorstand ins Abseits gestellt

Buhlen um Namen und Kandidaten

2008 9. Juni
Vorstandkandidaten des Traditionsvereins stehen fest
Kompetenz-Team will Jülich 10/97 nach Vorne bringen

19.6.2008
Neuer Vorstand bei Jülich 1910/97 installiert
Karl Knippraths Patensohn ist mit am Zehner-Ball

13.09.2008, 10.41 UHR
Zweite Vereinsgründung in 100-jähriger Vereinsgeschichte
Insolvenz: SC Jülich 10/97 hat ausgespielt

Presseerklärung des Vorstandes von SC Jülich 1910/97
Neuanfang bei Jülich 10 – Insolvenzantrag und Zukunftsperspektive

2009 25. April
Insolvenzplanverfahren für SC Jülich 10/97
Zehner im Sommer schuldenfrei in der Kreisliga

2012 14. Juli
100 Jahre Fußballgeschichte(n)
E Hätz für Zehner

2012 19. Juli
Insolvenz abgewendet
Erfolg: Jülich 10/97 startet bei Schwarzer Null

2019 19. April
Zehner und Zwölfer kooperieren

2019 18. Juli
50 Jahre Amateurmeisterschaft
Meisterlich gefeiert

2019 6. September
Gemeinsamer Kick auf dem Weg zur Einheit
Die enge Kooperation der beiden Jülicher Fußballvereine SC Jülich 1910 und SV Jülich 1912 mit dem Ziel einer Vereinsfusion nimmt konkrete Formen an.

2020 11. Juli
Vereins-Verlobung auf dem Feld
Nach über zweijähriger „Schnupperphase“ kommt es zur neuen Saison zur Spielergemeinschaft Jülich 1910/12.

2021 21. Januar
Prominente Unterstützer für das Projekt 1. FC Rurland
Die Planungen für die „Super-Spielgemeinschaft“ laufen auf Hochtouren. Drei Ex-Profis haben zugesagt, für den neuen Club spielen zu wollen.


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