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Abpfiff

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Illustration: Sopio Kiknavelidze
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…wird auch nicht unbedingt lieber gehört als ein Anpfiff. (Den bekommen Sie im Januar-HERZOG.)

Beides kann bedeuten: Das war‘s, Ende der Fahnenstange… Die hat nämlich ein Ende.

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Ansonsten: keines in Sicht. Denn nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Und leider fehlt mir die Befähigung, diese / unsere noch endlose Geschichte als Spiel zu sehen. Das scheinen allerdings so manche, leider auch über etliche Macht verfügende Personen gänzlich anders zu sehen und entsprechend handzuhaben. Die benehmen sich wie der Spielsüchtige am Roulettetisch: Faites mon jeu! Nur ist ihr Einsatz nicht wirklich der eigene, sondern sowohl der anderer Menschen Geld als auch deren Leben. Das und denen können sie offensichtlich gut und bedenkenlos auf den Kopf hauen. Und keine höhere Instanz in Sicht, die ihnen den Abpfiff erteilt.

Die eine hat Nietzsche zwar für tot erklärt, aber möglicherweise ist sie eher vom Ergebnis ihrer letzten Schöpfung erschöpft und enttäuscht in tatenlose Depression verfallen.

Die anderen Instanzen stehen auf dem Papier und sitzen sich gegenseitig müde quatschend und ziemlich machtlos in Vollversammlungen.

Was soll man selbst als milliardstel Teil einer zumindest zu 50% des- oder uninformierten, sogar im Grunde uninteressierten (man sehe nur die Wahlbeteiligung derer, die überhaupt eine haben) Menschheit noch (!) machen?
Jedenfalls nicht drauf pfeifen.

Wenn jeder sein Bestes gibt… – Oweh!
Auch keine Lösung: Was manche für ihr Bestes halten, will ich gar nicht haben, weder materiell noch ideell. Was soll ich mit dem dritten Porsche oder AfDschem Gedankengut? Ein Porsche ist immerhin funktionell und gut designt. Doch bei dem Letzteren vermisse ich sowohl Gedanken als auch gut. Da nimmt eine alte, hohle, braune Karosserie, schlecht blau überlackiert, Fahrt auf – und der Zweitaktmotor läuft nur über Aus- und Eingrenzung… Inhalt? Insassen? Selbstdarsteller mit Anhang, die sich durch Mitläufer und -fahrer als Lenker (fast hätte ich „Führer“ geschrieben) verstehen.

Wie wäre es zur Abwechslung mal mit Vernunft?

Auch nicht so einfach, wenn man nur die eigenen Interessen für vernünftig hält. Und da höre ich schon die ersten Abpfiffe: So was muss ich nicht lesen! Stimmt, ich beschreibe Tatsachen ebenso ungerne, wie sie ungerne oder gar nicht gelesen werden.

Jedoch, die Hoffnung stirbt zuletzt, und wer bis hierhin gelesen hat, ahnt, dass auch ich kein die grassierende Unzufriedenheit beseitigendes Mittel habe.

Eben deshalb gestatte ich mir die Frage: Haben die hierzulande Unzufriedenen, die sich prozentual immer höher schrauben, wirkliche Begründungen, solche zu sein?

Unzufriedenheit ist ja nun mal keine objektive Tatsache, sondern ein Gefühl. Und zumal eines, das ebenso gerne von den Medien bedient wird wie konsumbedingte Befriedigung.

Ihnen geht es gerade besch…eiden ? Na, da haben wir was für Sie! Drei Sprühstöße und ihr Problem ist weg! Fußpilz, Fett, Haarausfall – erledigt! Jaaa! So haben wir es gern: fettes Problem, magere Lösung.

Die echten Probleme überlassen wir dann der Politik, da kommen sie ja auch her. Aber drei fette Sprühstöße AfD, da wird es noch magerer, als es jetzt schon wurde. So, wie der Zusammenhang zwischen viel und das Falsche fressen zum Dickwerden nicht gesehen werden will, wird dann mal schnell (denn schnell muss ja mittlerweile alles gehen) die „einfachere“ Lösung gewählt. Die keine ist, sondern nur als solche „glaubwürdig“ präsentiert wird. Schnell und einfach? Das funktioniert leider nur beim Kaputtmachen. Einige wenige fahren den Karren einfach schnell in den Dreck – und Tausende müssen ihn langsam wieder herausziehen. Es geht aber auch andersherum: Tausende sehen zu, wie der Karren langsam scheitert… Und einer soll ihn schnell wieder flottmachen. Beides müssen wir derzeit und gleichzeitig erleben. Ein Größenwahnsinniger fühlt sich als Neu-Zar, ein anderer als Heils- und Friedensbringer. Und Millionen sehen sich dämliche Videos auf Tik-Tok an, weil ihnen diese Realität zu anstrengend ist. Da hat man wenigstens was zu lachen, bevor es einem endgültig vergeht.

Abpfiff? Der verhallt unwahrgenommen im Ablenkungsgetöse. Seit Jahren trillern Wissenschaftler gegen den Klimawandel, der nun seinen Kipppunkt unwiderruflich und unübersehbar erreicht hat. Einen dieser Tatsache Rechnung tragenden Verhaltenswandel sehe ich nicht.

Jedem Internet-Nutzer dürfte / sollte mittlerweile klar sein, dass die Server (die ja nicht um die Ecke stehen, sondern meist sogar auf einem anderen Kontinent) Unmengen an Energie und Trink!Wasser zur Kühlung verbrauchen… Nichtsdestotrotz bedient sich die Menschenmasse in jeder (freien?) Minute ihres Smartphones und damit unserer aller immer knapper werdenden Ressourcen hemmungs- und gedankenlos… Kostet ja nix.

Sie können / wollen Derartiges nicht mehr hören / lesen? Ich mag es eigentlich auch nicht mehr schreiben. Wer ist schon gerne Rufer in der (absehbar eintreffenden) Wüste.

Eben deshalb zähle ich auf jeden, der trotzdem bis zum Ende dieses Artikels nach- und mitdenkend durchgehalten hat.

Triiiii! Abpfiff!

Ansonsten: Weiter geht‘s mit Trullala…


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