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Patrick Enger

Ein Birdman mit dem Hang zum Spielen oder von einem, der keine Langeweile kennt.

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Patrick Enger. Foto: La Mechky Plus
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Herr Enger, mal im Vertrauen: Haben Sie einen Vogel? Wenn Unternehmensberater von Risikostreuung sprechen, haben sie vermutlich nur in den allerwenigsten Fällen ein Konzept vor Augen, bei dem ein Unternehmer einen Vogel- und Nagerzubehör betreibt und parallel dazu jeweils Paketshops von GLS, DPD und UPS. Mittlerweile ist die „Bird-Box“ auch Anlaufstelle für Gesellschaftsspiele-Fans. Mehr als 3000 unterschiedliche Titel hat der 54-Jährige auf Lager; das sind mehr Spiele, als Pakete pro Jahr über den Tresen gereicht werden. Und ja, Patrick Enger hat einen Vogel. Ganz definitiv. Eigentlich sind es rund 50. Sittiche um genau zu sein. Schmetterlinge im Bauch haben ihn übrigens vom Niederrhein an die Rur geführt. 2014 war es, als er der Liebe wegen in die Herzogstadt zog. „Ich mache das, was mir Spaß macht. Das Leben ist zu kurz, um irgendwie Geld zu verdienen“, sagt der Wahl-Jülicher mit breitem Lächeln.

Irgendwie hat sich alles entwickelt – und Patrick Enger blieb sich als Mensch stets treu. Gelernt hat er im Autohaus Groß- und Außenhandelskaufmann. Er wurde nicht übernommen; geweint hat er nicht. „Gehst du halt mal zur Bundeswehr“, dachte er sich – und blieb zehn Jahre. Nach dieser Zeit machte sich der neue Hauptfeldwebel der Reserve als Internet-Serviceprovider selbstständig, setzte Datenbanken auf, programmierte Homepages. Sein Hobby, die Vogelzucht, spielte dabei bereits eine Rolle, denn er war eigentlich nur auf der Suche nach besonderem Futter, als er seinen ersten Online-Shop ins Leben rief. Die Brieftauben verkündeten schnell in der Szene, dass der Shop-Betreiber in seiner Freizeit auch Volieren baut – das Karussell drehte sich weiter und schneller. „Eigentlich kannst du auch gleich die Tür aufmachen“, dachte er sich, als er in seinem Online-Versandhandel saß und Pakete packte. Das tat er am Niederrhein, das tut er in Jülich. Anfang 2024 kamen die Gesellschaftsspiele hinzu. Er übernahm den Onlinehandel www.allgames4you.de und räumte auch in der Bird-Box eine kleine Fläche für Spiele aller Art frei. Seitdem wächst das Angebot immer und immer weiter. Die kleine Fläche ist massiv gewachsen.

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„Ich bin privat schon immer Spieler gewesen. Gesellschaftsspiele gehören seit den 90er Jahren zu meinem Leben dazu“, sagt er. Wurde mit den Eltern noch „08/15-Kram“ gespielt, veränderte sich dieser Aspekt des Lebens spätestens im Jahr 1995 mit Klaus Teubers Klassiker „Die Siedler von Catan“, das für Brett- und Gesellschaftsspiele sozusagen die Moderne einläutete. „Aus Spaß an der Freude“ beschloss er schon damals, in seinem Zoo-Laden regelmäßig die Paletten wegzuräumen und Platz für Spiele-Events zu schaffen. Einen Weg, den er bis heute beschreitet und beweist: Der stationäre Einzelhandel hat durchaus Chancen, vor allem als hybrides Konzept mit angeschlossenem Online-Handel. „Hier kommst du hin, packst ein Spiel aus, lässt dir die Regeln erklären, testest es mal. Damit können sich auch kleine Händler von den großen Ketten abheben“, ist Patrick Enger überzeugt, der Mitglied eines Verbundes eigenständiger Spielehändler ist.

„Viele Menschen sind völlig überrascht, was es alles gibt“, weiß er aus der eigenen Beratungstätigkeit. Aufgrund der Paketshops gibt es viel Laufkundschaft, die sonst nicht in den Laden für Vogelfutter und Nagerzubehör kommen würde. „Das ist die beste Werbung“, sagt er – vor allem für den Spiele-Hot-Spot, den es in dieser Größe fernab von Großstädten nur selten gibt. Das Einzugsgebiet reicht weit über die Stadtgrenze hinaus. 20 bis 25 Stunden spielt er im Monat, wenn nicht gerade eine Veranstaltung ist. Im Geschäft, aber auch zuhause mit der Familie, mit Freunden, nach dem Abendessen. „Spielen macht Spaß, hält die Birne fit, und man lernt auch noch etwas“, sagt er. Mittlerweile gibt es auch viele Logik- und Kombinationsspiele für ältere Semester, die gezielt Training für den Kopf ermöglichen.

Ob alleine, mit der Familie, mit Freunden, gegeneinander oder kooperativ: Es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Ein Blick auf seine App verrät Patrick Enger, dass er zuletzt 1272 unterschiedliche Spiele mit 285 Menschen an 47 Orten gespielt hat. Dass er die 1272 dabei neu erlernten Regeln auch seinen Kunden erklärt, gehört zum Geschäftsmodell. Ebenso die Beratung, die auf jahrelanger Erfahrung fußt. Doch neben den Spielen gibt es noch andere Hobbys: Hund, Katzen, Vögel, ein sehr großer Garten. „Es wird nie langweilig“, bilanziert er. Wenn die Temperaturen weiter steigen, wird Patrick Enger viel Zeit im Garten verbringen, auch am Grill. „Grillen geht immer. Old School mit Feuer und Raucharoma“, sagt er. Als Nachtisch kann er bestimmt ein schnelles Kartenspiel empfehlen.

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Kein Muttkrat, aber im Besitz einer Landkarte. Misanthrop aus Leidenschaft, der im Kampf für Gerechtigkeit aus Prinzip gerne auch mal gegen Windmühlen anreitet. Ist sich für keinen blöden Spruch zu schade. Besucht gerne Kinderveranstaltungen, weil es da Schokino-Kuchen gibt, kann sich aber auch mit Opern arrangieren.

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