Wer den Kunsthandwerkerinnenmarkt besucht, den erwartet außergewöhnliches Handwerk, liebevoll gestaltete Stände, echte Einblicke in die Arbeit der Handwerkerinnen, gutes Essen und eine besondere Atmosphäre. Doch hinter dem Markt steckt eine monatelange Organisation, die in diesem Jahr von einer zusätzlichen Herausforderung geprägt ist: Wegen der anhaltenden Bauarbeiten am Schlossplatz zieht der Markt in den Brückenkopf-Park um.
Ganz neu ist dieser Standort für den Markt allerdings nicht. Bereits während der Corona-Zeit musste der Markt in den Park ausweichen. Trotzdem bedeutet der Umzug viel Planungsarbeit. „Die erste Frage ist immer: Wie viel Platz haben wir überhaupt?“, erklärte Julia Huneke, als Leiterin des Amts für Stadtmarketing verantwortlich für die Organisation. Der Bereich wird ausgemessen, Standflächen werden geplant und Wege abgestimmt. Trotz des anderen Geländes soll der Marktcharakter erhalten bleiben. Die Wege seien nicht zu weit auseinander und es wird viel Wert daraufgelegt, dass vieles ähnlich aufgebaut ist, wie es die Besucher kennen. Der neue Standort bringt dabei auch Vorteile mit sich, denn der Eintritt des Brückenkopf-Parks wird durch den Markt deutlich günstiger: Erwachsene zahlen nur fünf statt zehn Euro und Kinder und Jugendliche haben freien Eintritt. Dadurch profitieren sowohl Parkbesucher als auch der Markt. Die Veranstalterinnen sprechen von einer „Win-win-Situation“.

Die eigentliche Organisation der Veranstaltung beginnt schon im Oktober, berichtet Katrin Goertz, die bereits viele Monate vorher stapelweise Briefe an Ausstellerinnen, Gastronomen und weitere Beteiligte verschickt. Bis Januar läuft die Bewerbungsphase. Anschließend beginnt die Auswahl – eine Aufgabe fürs ganze Team. Gemeinsam sichten Gisa Stein, Julia Huneke und Katrin Goertz die vielen Bewerbungsbögen. Werden sie sich nicht einig, verrät Gisa Stein schmunzelnd, hat jede Frau einen Joker. Insgesamt gibt es 23 Kategorien wie zum Beispiel Keramik und Metallarbeiten, die es dem Team erleichtern, die schwierige Aufgabe der Auswahl zu bewältigen. Besonders gute Chancen haben außergewöhnliche oder auffällige Arbeiten sowie Handwerkerinnen, die ihr Können direkt vor Ort zeigen wollen.
Mitte Februar und im März werden Zu- und Absagen verschickt, Verträge geregelt und organisatorische Fragen geklärt. Außerdem laufen parallel dazu zahlreiche Abstimmungen mit Polizei, Feuerwehr, Security, Marketing und Medienpartnern. Auch Budgetfragen oder Werbematerialien müssen organisiert werden. Hinzu kommen unzählige Rückfragen von Ausstellerinnen und Besuchern.
Ein wichtiges Frage-Thema ist jedes Jahr die Marktordnung. Darin ist unter anderem geregelt, dass nur selbst hergestellte Produkte verkauft werden dürfen. Zudem geht es um Aufbau- und Abbauzeiten, Sicherheitsbestimmungen, Brandmaterialien, Standgebühren und die Einhaltung der Parkordnung. Die Standgebühr für einen 3×3-Meter-Stand liegt bei 150 Euro netto mit zusätzlicher Mehrwertsteuer. Wer mehr Platz benötigt, zahlt entsprechend mehr. „Damit sind wir sehr günstig, vor allem im Vergleich mit anderen Märkten in der Region“, betont Huneke. Das hat einen Grund: Der Markt versteht sich als Förderung des Kunsthandwerks aus Frauenhand und möchte besonders neuen oder noch unbekannten Ausstellerinnen eine Chance geben. Genau das mache schließlich auch die Vielfalt des Marktes aus.

In diesem Jahr sind, Gastronomie und Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz eingerechnet, 224 Stände geplant. Viele Handwerkerinnen haben eine weite Anreise, wie aus Schleswig-Holstein und Bayern. Jülichs Hotels sind, so das Orga-Team, schon jetzt weitestgehend ausgebucht.
Besonders beliebt beim Publikum sind die handwerklichen Vorführungen und Mitmachangebote. 41 Handwerkerinnen werden in diesem Jahr Techniken direkt vor Ort zeigen. Interessierte können unter anderem einer Weidenflechterin, einer Spinnerin oder einer Keramikerin zuschauen. Welche Kniffe es beim Nähen mit der Maschine braucht, wie mit Blaudruck Textilien verschönert und auf Seide gemalte Kunstwerke entstehen, zeigen ebenfalls einige Ausstellerinnen. Die Kunsthandwerkerinnen, die Vorführungen anbieten, müssen für die zusätzliche Standfläche nichts zahlen. Die Handwerkerinnen stellen immer wieder fest, so Gisa Stein, dass die Jülicher ein sehr interessiertes und wissbegieriges Publikum sind.
Auch in diesem Jahr wird es wieder eine „grüne Ecke“ geben, in der etwa Marmeladen oder Seifen angeboten werden. Auch die Gastronomie bleibt ein wichtiger Bestandteil des Marktes. Wie in den vergangenen Jahren wird es eine kleine „Gastro-Insel“ geben. Gleichzeitig profitiert auch die Innenstadt, sind sich die Organisatorinnen sicher: Nach Marktschluss um 18 Uhr zöge es viele Ausstellerinnen noch in die Restaurants und Cafés der Stadt.
Selbst Wochen, manchmal gar Jahre nach dem Markt, endet die Arbeit für das dreiköpfige Orga-Team nicht. Immer wieder melden sich etwa frühere Besucherinnen, die eine bestimmte Ausstellerin kontaktieren möchten. Dann muss sogar noch rekonstruiert werden, an welchem Platz die jeweilige Person auf dem Markt gestanden hat. Der Blick hinter die Kulissen zeigt: Der Kunsthandwerkerinnenmarkt besteht nicht nur aus zwei Veranstaltungstagen, sondern aus monatelanger Planung, vielen Entscheidungen und großem Engagement, damit möglichst viele Gäste am Ende einfach nur entspannt durch die Stände schlendern können. Apropos entspannt: Abschließend gab es noch den Hinweis, dass Hunde grundsätzlich nicht mit in den Park gebracht werden dürfen. Das gilt auch am Markt-Wochenende und sei sicher sowohl für die Vierbeiner als auch die Ausstellerinnen, die nicht um ihre kostbaren Waren fürchten müssen, die bessere Wahl, befindet das Orga-Team einstimmig.
Der 32. Kunsthandwerkerinnenmarkt öffnet seine Tore in diesem Jahr am 13. und 14. Juni von jeweils 11 bis 18 Uhr.



















