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Dürre beginnt unter der Oberfläche

Zum gestrigen Welttag gegen Dürre und Wüstenbildung stellt das Forschungszentrum eine seiner Ausgründungen vor: Drought Analytics hilft, vereinfacht gesagt, Landwirten dabei, die Bewässerung ihrer Pflanzen zielgerichtet zu planen.

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Die Gründer von Drought Analytics: Felix Nieberding, Olga Dombrowski; David Mengen (v.l.). Foto: Forschungszentrum Jülich / Bernd Nörig
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Dürre ist längst kein Ausnahmephänomen mehr. Längere Trockenphasen, unregelmäßige Niederschläge und knappe Wasserressourcen stellen Landwirtschaft und Gesellschaft vor wachsende Herausforderungen. Genau hier setzt Drought Analytics an: Die Ausgründung aus dem Forschungszentrum Jülich unterstützt landwirtschaftliche Betriebe dabei, den Wasserbedarf ihrer Felder genauer einzuschätzen – mithilfe von Bodensensoren, Pflanzenmodellen, Wetterdaten und einer App, die daraus konkrete, frühzeitige Empfehlungen für die Bewässerung ableitet.

Der Tag gegen Dürre und Wüstenbildung erinnert daran, wie eng gesunde Böden, Wasserverfügbarkeit und Ernährungssicherheit zusammenhängen. Für landwirtschaftliche Betriebe wird daraus eine sehr konkrete Frage: Wann brauchen Pflanzen wirklich Wasser – und wann nicht? Die Antwort liegt oft unter der Oberfläche. Denn ob Pflanzen ausreichend Wasser zur Verfügung haben, zeigt sich nicht immer auf den ersten Blick. Drought Analytics macht diese verborgenen Informationen sichtbar – und übersetzt sie in Empfehlungen für die Bewässerung.

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Drought Analytics wurde von David Mengen, Dr. Olga Dombrowski und Dr. Felix Nieberding gegründet. Die Ausgründung baut auf Forschung am Institut für Bio- und Geowissenschaften – Agrosphäre des Forschungszentrums Jülich auf. Dort untersuchen Forschende, wie Wasser, Boden, Pflanzen und Atmosphäre zusammenwirken – und wie Landwirtschaft besser mit den Folgen des Klimawandels umgehen kann.

Für David Mengen steht dabei der praktische Nutzen im Mittelpunkt: „Im Boden liegen die entscheidenden Informationen. Wichtig ist, sie so aufzubereiten, dass die Landwirtinnen und Landwirten im Alltag darauf basierend die richtigen Entscheidungen für ihre Felder treffen können.“ Herzstück der Anwendung ist die Verbindung von Sensoren im Feld mit einem Modell, das die Vorgänge im Boden und in der Pflanze physikalisch beschreibt. Die Sensoren messen die Bodenfeuchte direkt im Wurzelbereich der Pflanzen. Denn für die Versorgung der Pflanze ist nicht allein entscheidend, wie viel Regen fällt, sondern wie viel Wasser tatsächlich im Boden gespeichert wird und für die Wurzeln erreichbar ist. Das Modell hilft, diese Messwerte einzuordnen und daraus den aktuellen Wasserbedarf abzuleiten.

„Trockenstress beginnt oft lange, bevor man ihn der Pflanze ansieht“, sagt Dr. Felix Nieberding. „Genau diesen Zeitpunkt wollen wir früher erkennbar machen.“ Das Pflanzenwachstumsmodell wird laufend mit den Messdaten aus dem Feld abgeglichen. So entsteht ein sogenannter digitaler Zwilling des Feldes: ein computergestütztes Abbild, das den aktuellen Zustand des Bodens und der Pflanzen möglichst genau nachzeichnet. Er wird laufend mit neuen Daten aktualisiert und mit weiteren Informationen verknüpft: Welche Kultur wächst auf dem Feld? In welchem Entwicklungsstadium befindet sie sich? Wie ist der Boden beschaffen? Wie wird sich das Wetter in den kommenden Tagen entwickeln?

Auf dieser Grundlage berechnet die Anwendung, wann Bewässerung sinnvoll ist, und welche Wassermenge gebraucht wird. „Landwirtinnen und Landwirte brauchen konkrete Hinweise: Wann wird es kritisch, und was ist jetzt zu tun?“, sagt Dr. Olga Dombrowski. Im landwirtschaftlichen Alltag kann eine solche Empfehlung den Unterschied machen. Betriebe müssen oft unter Zeitdruck entscheiden, wann sie bewässern, welche Flächen zuerst versorgt werden und wie sie mit begrenzten Wassermengen umgehen. Messdaten aus dem Boden, intelligent verknüpft mit modellbasierten Prognosen für die kommenden Tage, können dabei helfen, nicht nur auf Sicht oder Erfahrung zu reagieren, sondern die nächsten Schritte besser abzuwägen.

Das kann bedeuten, eine Bewässerung früher einzuplanen, weil sich Trockenstress abzeichnet. Es kann aber auch bedeuten, eine geplante Bewässerung zu verschieben, weil im Boden noch ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist oder Regen erwartet wird. In beiden Fällen geht es um dasselbe Ziel: Pflanzen gut versorgen und Wasser nicht unnötig einsetzen. Drought Analytics setzt deshalb nicht auf Bewässerung nach dem Prinzip „viel hilft viel“, sondern auf bedarfsgerechte Bewässerung. Die App soll Betrieben helfen, Erfahrung und Wissen über den eigenen Standort mit aktuellen Messdaten aus dem Feld zu verbinden. Das spart Wasser, Energie und Kosten – und kann zugleich dazu beitragen, Erträge und Qualität zu sichern.

Der Nutzen solcher Anwendungen reicht über einzelne Betriebe hinaus. Landwirtschaft muss auch unter veränderten Klimabedingungen zuverlässig Lebensmittel produzieren. Gleichzeitig steigt in Trockenperioden der Druck auf regionale Wasserressourcen. Wenn Wasser knapper wird, werden gute Entscheidungen wichtiger: Wann wird bewässert? Wie viel Wasser ist nötig? Wo lässt sich Wasser sparen, ohne Pflanzen zu gefährden?

Datenbasierte Systeme können diese Entscheidungen nicht vollständig abnehmen. Sie ersetzen weder Erfahrung noch die Kenntnis des eigenen Feldes. Aber sie können eine zusätzliche Grundlage liefern – besonders dann, wenn Wetter und Wasserverfügbarkeit schwerer vorhersehbar werden. Dürre lässt sich nicht verhindern. Aber sie lässt sich früher erkennen. Und wer besser versteht, was unter der Oberfläche passiert, kann gezielter handeln – auf dem Feld, in der Wasserwirtschaft und beim Umgang mit einer Ressource, die immer wertvoller wird.


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