Mit jeder neuen Vernissage verändert der Hexenturm sein Gesicht. Aktuell sind die Wände des alten Gemäuers mit Gemälden in leuchtenden Farben geschmückt, manche gigantisch groß, andere messen gerade einmal zehn Zentimeter im Quadrat. „Das ist endlich mal eine Wand, an die dieses Bild auch wirklich passt“, freute sich Gunnar Landgrebe, Ehemann der Künstlerin und wies auf das riesige Werk, welches das Turmzimmer schmückt.
Das sei gleichzeitig die größte Herausforderung im Vorfeld gewesen, schmunzelt Helga Landgrebe. Beinahe hätte es dieses Stück gar nicht erst in die Ausstellung geschafft. Erst die dritte Treppe bot genug Raum, das Werk nach oben zu bekommen. Auch von dieser Erfahrung konnte die Künstlerin bei der Eröffnung ihrer Ausstellung unter dem Titel „beziehungsweise“ in aller Ruhe und im fast schon privaten Rahmen erzählen. Der Hitze geschuldet kam nur ein kleiner Kreis interessierter Menschen zur Vernissage. Was auf der einen Seite sehr schade für die Malerin war, die eigens aus Glückstadt im fernen Schlwesig-Holstein anreiste, führte andererseits zu einem entspannten Dialog zwischen Gästen und Künstlerin.
Im Gespräch mit Gerold Malß vom Kunstverein stellte Helga Landgrebe ihr Werk vor, gab einen Einblick in ihr Schaffen und ihre Herangehensweise und berichtete auch, wie sie überhaupt zur Malerei gekommen ist. Nachdem sie das Gefühl nicht los wurde, „da kommt vielleicht noch mehr“, tat die ausgebildete Architektin einen mutigen Schritt und kündigte ihre Festanstellung. Bereits seit 2019 ist sie jetzt als freischaffende Architektin und Künstlerin selbstständig. „In mir hat es gebrodelt. Die Architektur hat mir nicht mehr gereicht, es gibt so furchtbar viele Regeln“, erläuterte sie ihre Beweggründe.
In Beziehung gesetzt zum Aufbau des Turms sind Landgrebes Bilder gehängt: Im Turmzimmer, der unteren Ebene, zeigt die Ausstellung diejenigen ihrer Werke, die sich unter der Überschrift „Erde“ zusammenfassen lassen. Der Gang nach oben führt entlang der „Suche“, eher experimenteller Exponate, die die Frage beantworten wollen „Wo führt mich das alles hin?“. Auf der oberen Ebene wird es schließlich persönlich und familiär. Dort tragen die Bilder Titel wie „Mama“ oder „Papa“. Malt Helga Landgrebe zumeist sehr abstrakt und folgt dabei einfach ihrem Gefühl, das sie zur jeweils gewählten Farbe leitet, finden sich gerade in diesen Werken auch figürliche Darstellungen. Auch ist die Heransgehensweise bei den Porträts eine andere. „Während ich diese Bilder gemalt habe, lag ein entsprechendes Foto immer daneben“, erläutert die Künstlerin. An mancher Stelle habe sie auch Umrisse vorskizziert und später ins Gemälde integriert. Charakteristisch für Helga Landgrebes Kunst sind leuchtende Farben, oft in mehreren Schichten übereinander aufgetragen. Dabei stehen die Farben nicht zwangsläufig für bestimmte Gefühle, wie eine Besucherin vermutete. Vielmehr finde eine Farbe nach der anderen auf die Leinwand, immer „vorwärtsfühlend“, wie die Künstlerin es selbst beschreibt.
Noch bis zum 19. Juli kann die Ausstellung „beziehungsweise“ immer samstags und sonntags zwischen 11 und 17 Uhr besucht werden.











































