Start Nachrichten Mobilität Kriegt die Streckendiskussion die Kurve?

Kriegt die Streckendiskussion die Kurve?

Konstruktiv diskutierte Stellungnahme im vergangenen Planungs-, Umwelt- und Bauausschuss: Die Verwaltung hatte einen Vorschlag abgegeben, welche Strecken-Möglichkeit der geplanten „Revierbahn West“ von go.Rheinland die Stadt Jülich präferiert.

0
0
TEILEN
Mögliche Streckenführungen der geplanten "Revierbahn West" in den Lupenräumen 1 (Aachen-Jülich) und 2 (Jülich-Bedburg). Abbildung: go.Rheinland / VRR https://ratsinfo.juelich.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZc3EOs0gshFFG5nC2nfI8gbtnt6RS6kAxWoijp3TR4_h/Anlage_1_Uebersicht_Trassenverlaeufe_gesamt.pdf
- Anzeige -

Heiße Diskussion im sengenden Ratssaal: Die Stadtverwaltung hat dem Planungs-, Umwelt- und Bauausschuss eine Stellungnahme zu der geplanten „Revierbahn West“ von go.Rheinland vorgelegt. Dabei geht es darum, welche der möglichen Strecken von der Stadt bevorzugt werden. Zu spüren war, dass deutlich unterschiedliche Meinungen zum Verwaltungsvorschlag vorhanden sind – auch innerhalb der Fraktionen.

Der von Julia Gruben (CDU) in der ersten Wortmeldung gestellte Antrag lautete, das Thema in den kommenden Haupt- und Finanzausschuss (HFA) zu verschieben. Eine nachvollziehbare Entscheidung, denn wie in den folgenden Aussagen festzustellen war, herrscht bei weitem keine Einigkeit, zu welcher konkreten Variante sich Jülich „bekennen“ soll. Die Verschiebung war schon vom Ausschussvorsitzenden Heinz Frey (UWG JÜL) vorgeschlagen worden. Dieser setzte den Tagesordnungspunkt nämlich mit der Feststellung an, dass die Stellungnahme sehr kurzfristig und die Politik nicht eingebunden worden sei. Ergänzt wurde diese Aussage um eine von Marco Maria Emunds (SPD), der von einer Stellungnahme des Gymnasiums Haus Overbach berichtete, die seines Wissens nach weder der Verwaltung noch den Fraktionen bisher vorläge. Diese könne man bis zum HFA in die Überlegungen einbeziehen.

- Anzeige -

Aus fast allen Fraktionen kamen Wortmeldungen mit konkretem Für und Wider der Varianten im Einzelnen. Dabei ging es um Abwägungspunkte wie etwa das Ausmaß des potenziellen Fahrpotenzials, künftigen, schon abzusehenden Arbeitsplatzzuwachs und interkommunale Vernetzung (Alexander Eckert, UWG JÜL), die Relevanz von Haltepunkten außerhalb des Jülicher Bahnhofs und die Anbindung an regionale Orte (Christine Klein, Die Grünen), die Notwendigkeit einer schnellen Verbindung an den Zielort (Harald Garding, SPD) und den Ausbau des Brainergy Parks und das Interesse Aachens an dem Gewerbegebiet (Andreas Wilden, CDU). Einen ganz anderen Punkt machte Franz Ritz (CDU): Er halte es für realistischer, statt der Revierbahn erstmal den Lückenschluss Linnich-Baal anzugehen, da er kürzer sei. Schließlich würden die meisten der Anwesenden die Revierbahn wahrscheinlich nicht mehr erleben.

Insgesamt, so wurde im späteren Verlauf der Diskussion deutlich, galt es aber zwei Punkte zu berücksichtigen. Dazu zählt die zuerst von Felix Brandt (CDU) genannte Grundsatzentscheidung: Was soll die Bahn aus Jülicher Sicht erreichen, eine schnelle Verbindung oder eine ÖPNV-Anbindung an die umliegenden Orte zwischen Jülich, Aachen und Bedburg? Der andere Punkt wurde von David Merz (SPD) angesprochen: Letzten Endes sei wichtig, die beste Entscheidung für die Jülicher Bevölkerung in der Stellungnahme darzustellen. Aus seiner Sicht müsse das eine Strecke sein, die langfristig betreibbar und ohne Konkurrenz zu anderen ÖPNV-Anlagen – etwa der geplanten Euregio-Bahn sowie ebenso geplanten Tram – stehen. Eine endgültige Entscheidung obliege ohnehin nicht der Stadt, sondern go.Rheinland. Wilden pflichtete dem bei und sprach von möglichen „modernen und intelligenten“ Zubringersystemen an die Haltestellen. Außerdem sei es nicht hilfreich, in eine schließlich unattraktive Verbindung zu investieren. Ein weiteres Augenmerk in diesem Zusammenhang ergänzte Gruben, indem sie dazu aufrief zu bedenken, was umsetzbar sei.

Allerdings gab sie auch zu Protokoll, dass sie der Meinung sei, dass eine Diskussion im Ausschuss zwar völlig in Ordnung sei, in den Argumentationen aber eine Art „kleine Abstimmung durch die Blume“ stattfinde, da die bisherigen Vorschläge schon sehr konkret seien. Es gebe offenbar noch viel Diskussionsbedarf, weshalb sie auch die Verschiebung beantragt habe. Dass man sich die nötige Zeit zum Erörtern nehmen sollte, bestätigte auch Eckert. Gleichzeitig betonte er, dass er es „richtig gut“ fände, so eine „richtig gute, öffentliche Diskussion“ zu haben. Das bilde vermutlich auch die vielen verschiedenen Meinungen der interessierten Jülicher Bürgerschaft ab und sei normal wie richtig. So sah es auch Bürgermeister Axel Fuchs. Er sei begeistert, wie gut die Diskussion um die Stellungnahme laufe. Dennoch gab er einige Hinweise mit auf den Weg: Jede Stadt und jeder Kreis gebe gerade eine eigene Stellungnahme ab. Gezwungen sei man allerdings nicht dazu. Man könne sich aber dabei auch der Frage nähern, ob man wolle, dass Menschen aus dieser Region demnächst wieder mit dem Zug nach Aachen kommen können – unabhängig von der genauen Strecke. Es sei wünschenswert, den Individualverkehr – Personen- wie auch demnächst den Güterverkehr – von der Straße auf die Schiene zu bringen. Möglich sei auch, statt eine Abwägung Geschwindigkeit gegen regionale Verbindung zu treffen, festzustellen: Wichtig ist für Jülich, dass es eine Verbindung nach Aachen gibt.

Einig wurde man sich schließlich darin, dass sich die Fraktionen bis zum nächsten Haupt- und Finanzausschuss zusammensetzen und einen gemeinsamen Vorschlag erarbeiten wollen.


§ 1 Der Kommentar entspricht im Printprodukt dem Leserbrief. Erwartet wird, dass die Schreiber von Kommentaren diese mit ihren Klarnamen unterzeichnen.
§ 2 Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.
§ 3 Eine Veröffentlichung wird verweigert, wenn der Schreiber nicht zu identifizieren ist und sich aus der Veröffentlichung des Kommentares aus den §§< 824 BGB (Kreditgefährdung) und 186 StGB (üble Nachrede) ergibt.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here