Schon vor drei Jahren waren die Pläne für einen großen Neubau vis-à-vis der Propsteikirche fertig, dann habe das Bistum Aachen diese „um eine Minute nach zwölf“, formulierte es Propst Hans-Otto von Danwitz, die Pläne gestoppt. Zwar wurden die Planungen für einen dringend notwendigen Neubau auf diese Weise ausgebremst, aber gleichwohl nicht völlig aufgegeben.
Ein neues Architekturbüro – ZHAC aus Aachen – wurde beauftragt, die Dimensionen für Abriss, Umbau, Neubau etwas kleiner zu konzipieren. Die Kosten blieben derweil gleich. Sechs Millionen Euro werden die geplanten Maßnahmen kosten und keinen Cent mehr. Das hielt Pfarrer von Danwitz unmissverständlich fest: „Wir haben eine klare Kostendeckelung und alles bis ins Letzte durchgeplant.“
Und was, wenn sich Kostensteigerungen nicht vermeiden ließen? „Dann“, so von Danwitz, „müssen wir an anderer Stelle sparen.“ Als konkretes Beispiel nannte der Pfarrer die hübsch anzuschauenden Gauben, die dann eben nicht gebaut würden.
Inzwischen sind die Pläne so weit gediehen, dass Architekt Christoph Helmus gemeinsam mit Dagmar Stettner, Verwaltungsleiterin der Pfarrei Heilige Maria Magdalena, damit an die Öffentlichkeit trat. In der Propsteikirche ließen sich Nachbarn aus der Stiftsherrenstraße, Mitarbeitende der Pfarrei, Jugendliche aus dem Roncalli-Haus und weitere Interessierte zeigen, wie das geplante „offene Haus“ einmal aussehen könnte.
Christoph Helmus präsentierte einen trotz ziegelroter Fassade schlichten und sich ins Antlitz der Stiftsherrenstraße einfügenden dreigeschossigen Bau. Das Dach soll in „ortstypischen, anthrazitfarbenen Ziegeln gedeckt werden“.
„Weiterbauen im städtebaulichen Kontext“ nennt der Architekt seine Herangehensweise, bei der es ausdrücklich genau darum geht: etwas Neues zu schaffen, dabei aber „respektvoll“ dem gewachsenen Stadtbild gegenüber zu bleiben. Zugleich soll die öffentliche Nutzung erkennbar werden.
Helle, weitläufige Räume mit viel Glas und Holz, ein teilweise überdachter Innenhof mit schattenspendenden Bäumen – die Blicke können schweifen. Offenheit ist das leitende Motto in den Entwürfen des Aachener Architekten. Luftig gestaltet dank nachhaltiger Holzrahmen-Bauweise werden auch die beiden oberen Geschosse.
Das Erdgeschoss hingegen wird in konventioneller Stahlbeton-Bauweise ausgeführt. Das hat vor allem den Grund, so der Fachmann, dass auf diese Weise besonders massiv gebaut werden kann und so das Gewicht der Obergeschosse abgefangen wird.
Zudem wird der Stahlbeton notwendig, damit nicht zu viel Last auf dem alten Keller und seinen Fundamenten liegt. Denn angesichts „zu erwartender archäologischer Funde im Erdreich“ bleiben die Fundamente unangetastet. So ginge es schneller, lautet die einfache Begründung.
Viele Details wurden im Lauf des Abends präsentiert. Angefangen von möglichen Karnevalsfeiern, für die man alle Türen öffnen könne, hin zum überdachten Bereich, unter dem der „Waffelstand vom Gemeindefest auch mal stehenbleiben könne“, hatten die Planer vieles bedacht.
Die möglichen 22 Parkflächen, von denen zunächst die Hälfte realisiert werden soll, wurden ebenfalls erwähnt. Eine „kaskadierte Wärmepumpenanlage in Kombination mit einer großflächigen Photovoltaikanlage“ wird das Gebäude versorgen, das vollständig ohne fossile Brennstoffe auskommt.
Und manches wurde anschließend nachgefragt. So interessierte die Besucher, ob es eine Garderobe geben würde, wie viel Platz auf dem Dachboden zur Verfügung stünde und ob eine automatische Verschattung eingeplant sei.
Weiterer wichtiger Punkt in den Plänen – und für die Gäste – war der Platz, der für die Jugendeinrichtung geplant ist, die aktuell noch im Roncalli-Haus ihre Räume hat. 400 Quadratmeter dürfen Sozialarbeiter Sascha Römer und „seine“ Jugendlichen künftig nutzen. Bis der Bau fertig ist, steht das ebenfalls sanierungsbedürftige Erdgeschoss des Roncalli-Hauses weiterhin zur Verfügung.
Als Erste umziehen wird die Gemeindeverwaltung. Im November heißt die neue Adresse vorübergehend „An der Lünette“.
Der Bebauungsplan ist fertig und kurz vor Einreichung, berichtete Hans-Otto von Danwitz. Der Baubeginn respektive der Abriss der Häuser 13 und 15 an der Stiftsherrenstraße ist für Anfang des kommenden Jahres geplant.
Spätestens 2029 soll das ziegelrote Verwaltungs-, Jugend- und Gemeindezentrum fertig sein. Und dann würde die Stadtverwaltung mit der Sanierung der holprigen Straße beginnen.



















