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Baden in Jülich

Mit dem Baden in Jülich war es schon immer nicht so ganz einfach trotz der Lage an der Rur.

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Freibad Jülich vor dem Zweiten Weltkrieg: Becken und Sprungturm ca. 1925-. Foto: Stadtarchiv
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Lange Zeit konnten Jung wie Alt im Sommer in der Rur baden. Es gab viele Badestellen, vor allem an natürlichen Einbuchtungen und verborgenen Badestellen der Rur, die Namen wie „Am Boochewäldche“ „an de Köpp“ „am Stippchen“ oder „an et Löchelche“ trugen. Sie lagen an der Eisenbahnbrücke bei Kirchberg oder am Ende des Rurdammes, später auch in den Broicher Weiden. Die Unteroffizierschule besaß sogar eine eigene feste „Badeanstalt“. Im Sommer zogen die Schüler abends in Bataillonstärke singend zum Baden an die Rur.

Seit den 1880er Jahren veränderte sich der Wasserlauf der Rur. Sie wurde breiter, führte mehr Kies mit sich, und die Badestellen wurden zunehmend flacher. Die Badeanstalt der Unteroffizierschule musste aufgegeben werden. Als Ersatz wurde 1893 eine „Militärbadeanstalt“ im nördlichen Teil des Brückenkopfes gebaut. Es wurde ein Becken ausgehoben, das über eine Leitung mit Flusswasser gefüllt wurde. Das Becken füllte sich aber immer wieder auch mit Grundwasser, und das Wasser war zu kalt. Die Badeanstalt wurde deshalb schon wenige Jahre später wieder aufgegeben.

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Die Stadt errichtete 1891 eine „Städtische Zellen-Badeanstalt“ an der Nordseite der alten Rurbrücke. Sie bestand aus zunächst fünf, seit 1893 aus sieben einzelnen Badezellen auf Schwimmzylindern aus verzinktem Blech. Die Badeanstalt war sehr beliebt. Es wurden viele „Abonnements“ verkauft, und das, obwohl das Wasser an den wärmsten Tagen durchschnittlich 19°C hatte. Nach dem Neubau der Rurbrücke 1902 musste die Badeanstalt auf die andere Rurseite verlegt werden. Hier gab es aber nicht genug Platz, um das Wasser zu sammeln und anschließend mit starkem Gefälle in die Zellen zu führen. Damit fehlte der Badeanstalt das nötige Wasser. 1905 wurde sie aufgegeben, und die Stadt machte sich erste Gedanken zum Bau einer „ständigen Badeanstalt“, die auch im Winter genutzt werden konnte.

Badeanstalten hatten noch bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg eine große hygienische Bedeutung: Nur wenige Einwohner hatten eigene Bäder in ihren Häusern und Wohnungen. Wollte man duschen oder baden, musste ein großer Aufwand betrieben werden. Wer es sich leisten konnte, besuchte eine Badeanstalt. Seit 1919 gab es im Keller der Katholischen Volksschule Düsseldorfer Straße eine Badeanstalt mit sechs Wannen und fünf Brausen. Auch die 1926 eröffnete Promenadenschule hatte im Keller vier Wannen- und neun Brausebäder. Zunächst wurden in der Promenadenschule zwei Badetage für Männer und ein Badetag für Frauen eingerichtet. Der zweite Badetag für Männer wurde aber schnell aufgegeben, weil er sich nicht rechnete.

Abbildung: Stadtarchiv Jülich

Drei Jahre vorher, 1923, hatte sich der Jülicher Wassersportverein mit dem Ziel gegründet, im Bereich der neu eingerichteten Sportplatzanlagen an der Rur ein Schwimmbad zu bauen. Die Eigenmittel reichten nicht, aber die Stadt erhielt die Möglichkeit, das Bauprojekt durch eine Förderung im Rahmen der sogenannten „produktiven Erwerbslosenfürsorge“ umzusetzen. Schon am 5. Juli 1925 wurde das neue Freibad mit einem großen Schwimmfest des Wassersportvereins eröffnet. Das Wasser im Freibad hatte allerdings auch hier nur eine Durchschnittstemperatur von 19,5°C.

In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges wurde das Freibad zu großen Teilen zerstört. Schon 1946 begannen Mitglieder des Wassersportvereins mit der Entschuttung, und auch die Verwaltung war sehr an einer zügigen Wiederherstellung des Bades interessiert: Die hygienische Lage war in der Nachkriegszeit mit den zahlreichen Notwohnungen schwierig, und das Freibad bot häufig die einzige Möglichkeit einer Dusche. 1950 wurde das Freibad wiedereröffnet und bis heute noch mehrfach umgebaut und erweitert, zuletzt umfassend 2005 / 2006. Es bleibt zu hoffen, dass die Jülicher im kommenden Jahr wieder in diesem traditionsreichen Bad den Sommer genießen können und das Bad vielleicht 2025 hundertjähriges Jubiläum feiern kann.

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