
Es begann alles so prunkvoll: Am 16. Juni 1585 heiratete Jakobe von Baden (1558–1597) den jülich-klevischen Erbsohn Johann Wilhelm I. (1562–1609) in Düsseldorf. Acht Tage lang wurde dieses bedeutende Ereignis mit 1.500 Gästen gefeiert. Es war eine der prunkvollsten Fürstenhochzeiten in den Ländern am Rhein in der Zeit der Spätrenaissance. Das Fest ist gut dokumentiert durch eine ausführliche Beschreibung des jülich-bergischen Landschreibers Dietrich Graminäus, die mit zahlreichen Kupferstichen aus der Werkstatt von Franz Hogenberg illustriert ist. Zwei Jahre nach den Feierlichkeiten erschien das Buch über die „Fürstlich Jülichsche etc. Hochzeit“ bei Franz Hogenberg in Köln. Es war nicht auf Befehl des jülich-klevischen Hofes erschienen, aber sicherlich mit Wohlwollen dort aufgenommen worden, trug das Werk doch den Aufwand der Feierlichkeiten in die Welt. Schon 1585 hatte der Kölner Bürger Hermann Weinsberg in seinen tagebuchartigen Aufzeichnungen vermerkt, dass dieser Ehrentag mit solchem Prunk gefeiert worden sei, wie es sich für einen solch mächtigen Fürsten wohl geziemt.
Tatsächlich waren die Rahmenbedingungen für die Hochzeit nicht eben gut. Der Vater des Bräutigams, Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg (1516–1592), war nach mehreren Schlaganfällen gesundheitlich sehr angeschlagen. Der erste Erbsohn Karl Friedrich war 1575 in Rom an den Blattern verstorben. Die Auswirkungen des spanisch-niederländischen und des Kölner Krieges destabilisierten die Herzogtümer. Wenige Wochen vor den Hochzeitsfeierlichkeiten war die auf der anderen Rheinseite in Sichtweite von Düsseldorf liegende Stadt Neuss von niederländischen Truppen eingenommen worden. Der Alltag bei Hofe wurde von konfessionellen Gegensätzen bestimmt, die das Binnenklima nachhaltig vergifteten. Hinzu kam, dass mit der Hochzeit Jakobe von Baden als zukünftige Fürstin die ranghöchste Person bei Hofe war. Ihre Schwägerin Sibylle von Jülich-Kleve-Berg (1557–1628), die bis dato unverheiratet geblieben war, fühlte sich dadurch zurückgesetzt und stand ihr deshalb ablehnend gegenüber.

Johann Wilhelm I. war für eine geistliche Laufbahn – er sollte Fürstbischof von Münster werden – bestimmt gewesen. Er machte von Anfang an gegenüber seinem älteren Bruder Karl Friedrich einen schwachen und kränklichen Eindruck. Als er schließlich nach dem Tod seines Vaters 1592 die Regentschaft übernahm, zeigten sich sehr bald bei ihm Anzeichen geistiger Verwirrtheit. Heute würde man sein Krankheitsbild als manisch-depressiv mit bipolarer Störung charakterisieren. Jakobe, die eine sehr willensstarke Frau war, versuchte, die Regierungsgeschäfte an sich zu ziehen. Das stieß bei wichtigen Teilen der Hofräte auf wenig Gegenliebe. Ihre Position war zudem dadurch geschwächt, dass sie keinen Erbfolger geboren hatte. Angesichts des Gesundheitszustandes ihres Mannes lag die Schuld dafür eher nicht bei ihr, aber der Druck war groß, sie durch eine andere Ehefrau zu ersetzen. Schon 1594 soll es die Intrige gegeben haben, sich ihrer durch Vergiftung zu entledigen. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits der Vorwurf des Ehebruchs mit dem Edelmann Dietrich von Hall im Raum. Im Mai 1595 wurden 90 Anklagepunkte gegen Jakobe erhoben, die nun unter Arrest gestellt wurde. Zu einer Verhandlung im Rahmen des Prozesses kam es aber nicht mehr, da Jakobe am Morgen des 3. Septembers 1597 tot in ihrem Bett gefunden wurde. Es spricht viel dafür, dass sie ermordet wurde. Die Beisetzung fand in der Düsseldorfer Kreuzherrenkirche statt. Seit 1820 befinden sich ihre sterblichen Überreste in der Stiftskirche St. Lambertus.
Johann Wilhelm I. wurde 1599 mit Antoinette von Lothringen verheiratet. Die Hoffnungen, die man in diese erneute Vermählung gesetzt hatte, wurden jedoch enttäuscht: Auch diese Ehe blieb kinderlos. Mit dem Tod des Herzogs 1609 brach daher der Jülich-Klevische Erbfolgestreit aus, der das Ende des Territorienverbundes Jülich-Kleve-Berg bedeuten sollte. Der Sage nach geistert Jakobe von Baden als „Weiße Frau“ durch das Düsseldorfer Stadtschloss bis heute im einzig verbliebenen Rest, dem Schlossturm am Burgplatz.















