Start featured Einmal Pfadfinder – immer Pfadfinder!

Einmal Pfadfinder – immer Pfadfinder!

Eine runde Sache erscheint das Pfadfinder-Dasein, wenn Barbara Lafos-Teschers, Arwin Teschers und Johannes Pauli vom Stamm Franz von Sales davon erzählen und dabei das ein oder andere Mal ins Schwärmen kommen. Weit mehr als ein Hobby oder eine Vereinsmitgliedschaft, eher eine Lebenseinstellung. So nebenbei benennt Barbara es auch sehr treffend: „Einmal Pfadfinder – immer Pfadfinder!“

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Foto: Nina Köth
Foto: Nina Köth
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Vier Jahrzehnte hat der Jülicher Stamm bereits auf dem Buckel. Fast von Anfang des Sales-Stammes dabei ist Johannes Pauli. Nachdem Dieter Apweiler, Hans-Martin Schmitz sowie Birgit Schwarthoff im Gespräch mit Pfarrer Günter Esters angeregt hatten, für die Pfarre St. Franz Sales einen Pfadfinderstamm als verbandliche Jugendarbeit einzuführen, gründete sich dieser 1978.

„Damals war hier noch eine etwas andere Bevölkerungsstruktur. Es waren viele Familien mit Kindern im Nordviertel. Dadurch bot sich das an“, erinnert sich Johannes Pauli, der Messdiener der Pfarre war: „Das ging dann durch die Messdienergruppe, und dann wurde wir halt auch Pfadfinder.“

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Allerdings war beim ersten Treffen 1978 so ein Andrang, dass es zunächst nicht klappte. Als zur zweiten Truppstunde noch einmal 10 bis 20 Kinder kamen, wurden diese auf das darauffolgende Jahr vertröstet. „Deshalb bin ich 1979 Pfadfinder geworden. In meinem Pfadfinderausweis steht mein Versprechungsdatum als Eintrittsdatum, das ist 1980 gewesen.“

Bereits Robert Baden-Powell empfand, dass jeder Pfadfinder an etwas glauben sollte, wobei dies nicht auf die christliche Religion festgelegt sei, erklärt das Jülicher Team. Immerhin gebe es fast in jedem Land Pfadfinder, darunter auch muslimische. „Dadurch dass wir Mitgliedsverband des Bundes der katholischen Jugend sind, sind wir natürlich Bestandteil der katholischen Kirche. Da liegen schon unsere christlichen Grundlagen“, unterstreicht Johannes Pauli. Auch wenn Religion eine Rolle spiele, sei sie kein Aufnahmekriterium oder Dogma.

Barbara Lafos-Teschers ist erst 2009 dazu gestoßen, als Sohn Leo Wölfling war. Der engagierten Frau wurde bald ein Leitungsposten von Johannes angetragen. Man könne als Quereinsteiger auch im gesetzteren Alter bei den Pfadfindern einsteigen, unterstreicht Barbara. „Man muss halt offen und tolerant sein und Meinungen annehmen, auch von Leuten, die nur halb so alt sind.“ Und lernwillig müsse man sein.

Foto: Nina Köth
Foto: Nina Köth

Bei der Ausbildung zur Leiterin hat sie dann viele nette und interessante Menschen mit dem gleichen „Spirit“ kennengelernt, die alle sehr ähnlich wie sie fühlten. Das sei es, was sie weiter antreibe, denn hier gehe es um Gemeinschaft und sich für die Vermittlung von Werten einzusetzen, eben nach dem Baden-Powell-Spruch, die Welt ein bisschen besser zu hinterlassen, als man sie vorgefunden habe.

Besonders engagiert sie sich im Arbeitskreis Team Mensch dafür, behinderte oder beeinträchtigte Pfadfinder mitzunehmen, egal ob gehörlos, mit Krankheiten wie Diabetes oder in sonstiger Hinsicht etwas mehr Unterstützung brauchend. „Wir gehen einfach davon aus, dass die Pfadfinderei für alle da sein sollte.“

Die Welt ist eben nicht perfekt, auch das ist selbstverständlich für Pfadfinder. Da passt das Motto „learning by doing“ ganz genau. Einfach etwas in die Hand nehmen und auszuprobieren, ob es klappt. Auch wenn man nicht so begabt ist und es noch nie zuvor getan hat wie zum Beispiel Schwedenstühle bauen. Irgendwie wird es schon hinhauen. Improvisieren wird groß geschrieben. „Wir sind kein leistungsbezogener Verband, uns wird man nicht nach Leistung beurteilen“, meint Johannes Pauli.

Ein weiteres wichtiges Thema lautet „Selbstreflexion“, sich und sein Tun immer wieder neu betrachten. Oder „Diskussionskultur“: Dass man nicht in allen Punkten einer Meinung sein muss, sondern streiten und diskutieren kann, sich respektiert und dann in Freundschaft wieder auseinander geht.

Natürlich spielt das gemeinsame Schaffen dabei eine große Rolle – gerade auch in der Natur. „Für ein Kind ist es erst einmal egal, wie das Verhalten ist, die wollen raus, die wollen etwas erleben, die wollen in Zelten schlafen, ein Lagerfeuer machen, das halt viel mit Erlebnispädagogik zu tun“, unterstreicht Johannes. Dazu gehören das Erlernen von Knoten oder Feuer machen, Wege per Kompass finden und nachzeichnen genau so wie den Umgang mit dem Messer lernen inklusive einer Erste-Hilfe-Einheit.

Foto: Nina Köth
Foto: Nina Köth

Gemeinschaft kommt auch zum 40-Jährigen zum Zug. Begangen wird das runde Jubiläum am Samstag, 16. Juni, mit einem Fest ab 15 Uhr rund um das Truppheim am Stadionweg 5 beim Fußballverein Jülich 10/97. Es wird eine große Party für Freunde, Förderer und Ehemalige, nachmittags mit Spielen und einem Unterhaltungsprogramm, eine Generationen übergreifende Veranstaltung.

Über eine stabile Mitgliederbasis verfügt der Stamm: rund 80 Mitglieder, davon rund 60 Kinder und Jugendliche. Letztere durchlaufen die altersmäßigen Stufen Wölflinge, Jufis (Jungpfadfinder), Pfadfinder und Rover ehe sie dann selbst per Weiterbildung Leiter werden können. Ganz aktuell hat sich der Vorstand verjüngt: Nina Köth und Daniel Schmeißer sind seit Mitte März am Ruder. Damit möchten die älteren Platz für jüngere Leute machen, damit diese in Ruhe in die Aufgaben hineinwachsen können.

Ganz aufhören ist für Johannes Pauli jedoch keine Option: Ohne pathetisch zu wirken: Es ist schon eine Sache, die mein Leben ordentlich beeinflusst hat im Privaten wie im Beruflichen. Man nimmt viel aus dieser Ausbildung auch als Leiter mit, was man persönlich doch auch in vielen anderen Lebenslagen anwenden kann.“

Weitere Infos unter pfadfinder-juelich.de

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