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Wirtschaftsmotor Wasserstoff

Die Basis wird breiter: Wasserstoff wird zu einem namhaften Wirtschaftsfaktor nicht nur für die Region, sondern auch für Jülich.

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Die Ummantelung besteht aus vielen tausend gewebten Teerfasern, die den hohen Druckbelastungen standhalten. Foto: NPROXX
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Der Name, der derzeit von unternehmerischer Seite mit dem Zukunftsantriebsstoff in Verbindung gebracht wird, ist „NPROXX“. Die Tochtergesellschaft von ETC mit Sitz im Stetternicher Staatsforst und direkter Nachbarschaft zum Forschungszentrum Jülich ist nicht nur jüngst mit dem Innovationspreis ausgezeichnet worden, sie baut derzeit ihren Platz am Markt und am Standort aus. Seit gut einem Monat ist das angestrebte Joint Venture mit Cummins Inc., einem weltweit führenden Unternehmen im Bereich von Antriebslösungen, in trockenen Tüchern. Früher als erwartet. „Das war ein schwer planbarer Prozess. Von daher waren wir von der Geschwindigkeit positiv überrascht und freuen uns, dass es jetzt vollzogen ist“, sagt der sichtlich zufriedene NPROXX-Geschäftsführer Rainer vor dem Esche.

Der Vorteil für die Jülicher Entwickler ist der Zugang zu den weltweiten Märkten. „Wenn man eine große Firma im Rücken hat, wird man automatisch als leistungsfähiger wahrgenommen“, weiß vor dem Esche. Das schaffe Vertrauen. Cummins ist in 180 Ländern der Welt vertreten und beschäftigt rund 100.000 Mitarbeiter. Dagegen ist die 20 Kopf starke Jülicher Mannschaft von NPROXX zahlenmäßig noch klein. Das Interesse des weltweit agierenden US-Unternehmens ist also vor allem strategischer Natur in der Erkenntnis, dass das derzeitige Hauptgeschäft Dieselmotoren ein Auslaufmodell ist. Daher investiert das Unternehmen seit zwei Jahren intensiv in den Wasserstoffbereich. Viele Bausteine, um große Wasserstofffahrzeuge zu bauen, hat Cummins schon zusammengetragen. „Da fehlte noch der Tank. Deswegen haben sie sich auch gefreut, mit uns zusammenzuarbeiten“, sagt der NPROXX-Geschäftsführer schmunzelnd. ETC hält als gleichwertiger Partner 50 Prozent der Anteile an NPROXX, das seinen seit 2018 bestehenden Firmennamen weiterführt.

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Künftig denkt NPROXX auch an den Ausbau der Produktion und damit die Stärkung des Standortes in Jülich, für den Klaus Peter Kopper viele Vorteile sieht. Die bisherige Fertigungsumgebung wirdauf mittlere Sicht an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, weswegen man schon jetzt nach einem neuen Betriebsgelände Ausschau hält. Unter anderem mit dem Brainergy-Park sei man deswegen im Gespräch, weil dort viel Kompetenz gebündelt werde. „Wir wollen in den nächsten Jahren unsere Produktion jedes Jahr verdoppeln“, gibt Kopper die Perspektive vor. „Wir sehen einem großen Anstieg in der Nachfrage. Alle Fahrzeughersteller fangen an, an Wasserstofffahrzeugen zu arbeiten.“ Damit die Erweiterung gelingt, soll der Mitarbeiterstamm auf 300 erweitert werden. Schon jetzt kommt 90 Prozent der Belegschaft aus der Region, und das soll so bleiben. Gute Aussichten für das Rheinische Revier im Strukturwandel, denn Kopper betont: „Wenn wir hier die Produktion schaffen, schaffen wir hier auch Jobs, die im Tagebau obsolet werden.“

Ab 2025, davon geht der NPROXX Geschäftsführer aus, hat das Wasserstoff-Auto Serienreife. Das wird seinen Preis haben, auch da ist sich Rainer vor dem Esche sicher. Dennoch wird Wasserstoff in der Mobilität ein „Jedermanns-Antrieb“, weil es nach Prognose von NPROXX vor allem in Großraumfahrzeugen wie Busse und Bahnen zum Einsatz kommen wird, die ja bereits im Kreis Düren Fahrt aufnehmen. „Die Technik ist momentan noch sehr groß und verbraucht dementsprechend viel Platz. Außerdem rentiert es sich eher bei Fahrzeugen, die viel fahren.“ Ohne Brennstoffzelle geht es allerdings beim Antrieb Wasserstoff nur sehr begrenzt. „Die Brennstoffzelle ist dann sowas wie eine Reichweitenverlängerung. Die Brennstoffzelle lädt quasi über den Wasserstoff die Batterie permanent wieder auf – so wie das Ladekabel an meinem Laptop“, erläutert Klaus Peter Kopper das Verfahren. Die Alternative beschreibt Rainer vor dem Esche: „Man kann auch Hybride bauen und die Brennstoffzelle als Nachlader verwenden. Das ist eigentlich das Konzept, aus dem man am meisten Vorteile zieht.“ Schmunzelnd ergänzt er: „Auch beim Fahrspaß. Wir wollen alle, dass unsere Autos so knapp 150 PS hat, auf der anderen Seite aber auch die Reichweite von einem normalen PKW. Das ist die Lösung, die sich herauskristallisieren wird.“

Wichtig sind neben der Größe der benötigten Tanks zwei weitere Punkte: die Logistik und die Umweltfreundlichkeit. Benötigt wird ein Tankstellennetz, das dicht genug ist, und die Erzeugung von grünem Wasserstoff. Das Erzeugen des Wasserstoffs verbrauche viel Energie. „Der Wirkungsgrad ist eigentlich geringer als bei einem Auto mit Batterie“, räumt vor dem Esche ein und: „Wenn ich dann auch noch ,dreckigen Strom’ nehme – um den Ausdruck jetzt mal zu verwenden – und mache daraus Wasserstoff, habe ich zwar ein Auto, das keine Emissionen hat, nicht riecht und leise ist, aber am Ende mehr Emissionen verursacht als ein altes Dieselauto. Deswegen muss man grünen Wasserstoff bereitstellen.“ Womit das nächste Thema auf dem Tisch liegt: die Bezahlbarkeit. „Das geht über Masse und Standardisieren. Erst dann wird sich das System verbreiten.“

Klar ist, dass Wasserstoff – und damit die Produktionsschiene Wasserstofftanks bei NPROXX – ein wichtiger Baustein ist, um die gesetzten Klimaziele bis 2050 zu erreichen. Während schon einige Schiffe zusätzlich zum Schweröl mit Wasserstoff betankt werden, da sie einige Häfen wegen der Auflagen sonst nicht mehr anfahren dürften, bleibt die Idee, Flugzeuge mit Wasserstoff zu betreiben, in absehbarer Zeit eher eine Vision.


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