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Adolfo Alvarez Blanco

Adolfo Alvarez Blanco hat für sein Studium den Kontinent gewechselt. Einblicke in einen Neustart am Campus Jülich.

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Foto: la mechky+
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„Ich bin der Sohn einer Geschichtsprofessorin und eines Ingenieurs. Aufgewachsen in einem Haus, umgeben von Kultur aller Medien, Gemälden, Büchern, Enzyklopädien, VHS, Schallplatten. Ich begann, eine unstillbare Neugier nicht nur für Kultur, sondern auch für Kunst, Wissenschaft und Wissen im Allgemeinen zu entwickeln“, beschreibt Adolfo Alvarez Blanco seine Kindheit.

Der 24 Jahre alte Mexikaner wirkt modern, weltoffen und vor allem öffnet er im Gesprächsverlauf jede Schublade wieder, in die man ihn hineingesteckt hat und zeigt eine neue Facette seiner selbst. Naturwissenschaftler, Student, Musiker, Philosoph, Hobbykoch, IT-Helper – irgendwie ist er alles. Das weiß er auch: „Es liegt in der Natur meines Interesses, dass ich manchmal wenig bis gar keine Zeit habe, jede Sache, die ich tun möchte, zu Ende zu bringen, aber andererseits ist mir das Leben einen ständigen Prozess von Entwicklungen ohne wirkliches Ende, bis man das wirkliche Ende erreicht hat“, philosophiert er. Alvarez Blanco gehört außerdem zu den sogenannten ausländischen Studierenden und ist gerade kurz davor, an der Fachhochschule Aachen sein Bachelor-Studium abzuschließen. Für das Studium „Physical Engineering“ ist der Campus Jülich sein Zuhause geworden.

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Aber von vorn: Kennen Sie den Satz „Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann einen Orkan auslösen?“ Umgeben von den Büchern, Malereien und Schallplatten entdeckte Alvarez Blanco als 4-Jähriger das Keyboard seines Vaters. „Ich habe die einfach durch die verschiedenen Soundbanks auf dem Keyboard durchgeklickt und fragte mich nur: ‚Was ist der nächste Klang?‘ Ich habe mich verzaubern lassen.“ Das Interesse für Musik geweckt, sein Vater brachte ihm das Spielen der Gitarre bei. Mit 14 Jahren besuchte Blanco dann morgens die Highschool und nachmittags die Musikschule. Zwei Jahre später wurde der Rektor der Highschool auf den Jungen aufmerksam und baute mit seinen Kontakten die Brücke für das Studium in Deutschland. „Das war eine große Gelegenheit. In Deutschland Wissenschaft zu studieren, ist wie in Italien Musik zu studieren.“ Auch seine Familie habe hinter ihm gestanden und die Vorstellung andere Kulturen zu erkunden, gerade die Europas, die in Film und Fernsehen so präsent ist, lockte ihn in die Ferne.

Allerdings gab es vorher noch eine kleine Hürde: Der Bürgermeister von Queretaro, dem damaligen Wohnort Alvarez Blancos, musste dem Vorhaben und damit einem Stipendium der Regierung noch zustimmen. „Ich habe versprochen, dass ich irgendwann zurückkommen und mein Wissen teilen werde. Es gibt keinen festen Zeitpunkt, aber irgendwann will ich in die Heimat zurück.“ Dem Antrag bei dem CONACyT, dem Nationalrat für Wissenschaft und Technologie, wurde stattgegeben und das Stipendium bewilligt.

Oktober 2014: Das Flugzeug nach Frankfurt startet in die Richtung eines neuen Lebenskapitels. „Als Erstes habe ich mir eine Fanta gekauft und der Geschmack war ganz anders als in Mexiko. Auch die Luft war ganz anders“, beschreibt Adolfo Alvarez Blanco die ersten Momente nach der Landung. Ausländische Studenten an der Fachhochschule Aachen verbringen das erste Jahr in einem Freshman-Programm, in dem sie Deutsch lernen sowie die Hochschulberechtigung erlangen. Im ersten Jahr sei Alvarez Blanco öfters „Homesick“ gewesen. Das Ganze sei durch seinen Zimmerkollegen Alex und durch die anderen ausländischen Studenten in der Wohnanlage, die in derselben Situation gewesen seien wie er, abgemildert worden. So machte Alex ukrainisches Essen, Adolfo Alvarez Blanco machte Tacos. Ein gemeinsames Hobby war geboren. Auch die Umgebung wurde gemeinsam erkundet. Schonmal einen Wasserkocher gekauft, ohne zu wissen, wo man Wasserkocher kaufen kann und ohne das Deutsche und nur ein (dafür falsches) Wort auf Englisch zu kennen? Das kann etwas länger dauern, sei aber am Ende eine Erfahrung, die schmunzeln lasse. Zu der ersten Zeit in Deutschland: „Ich habe hier Sachen von mir entdeckt, die ich in anderen Umgebungen nicht entdecken würde. Man lernt wer man ist und was man will.“

Apropos Sprachbarriere: Seine Liebe für die Musik gab er auch in Deutschland nicht auf – und öffnete sogar Türen. Denn der Physikstudent nahm immer wieder an Events der Katholischen Studentengemeinde (KSG) teil und gab bei der Gemeinde fünf Semester Gitarrenunterricht. Dort traf Alvarez Blanco zum ersten Mal vermehrt auf Deutsche. „Da musste ich aus meiner Komfortzone raus kommen. Ich glaube ich habe besonders am Anfang viel Blödsinn gequatscht, aber es hat gut geklappt. Die Sprache der Musik und auch die Körpersprache haben die Kommunikation erleichtert.“

Wenn der Mexikaner mit vielen Interessen nicht gerade studiert oder Musik macht, ist es gut möglich, dass er gerade dafür sorgt, dass die Studenten am Campus Jülich miteinander verbunden sind. Denn Alvarez Blanco ist HiWi bei der Datenverarbeitungszentrale der Fachhochschule Aachen und hilft bei allem weiter, was mit Informationstechnik zu tun hat. Beispielsweise, wenn Studenten sich nicht mit dem Hochschulnetz verbinden können oder jemand bei der Einrichtung seines PCs Hilfe braucht.

Gute sechs Jahre ist es her, dass Alvarez Blanco aus dem Flugzeug in Frankfurt gestiegen ist. „Hier wo ich bin, oben am Campus Jülich, das ist mein Zuhause. Mexiko, da wo meine Familie ist, da ist meine Heimat“, stellt er fest. Nach dem Bachelor will er weiterstudieren. Kognitionswissenschaft habe es ihm angetan, wo verschiedene Disziplinen, wie die Philosophie und die Physik, miteinander kombiniert werden. Dabei will er seine Leidenschaft für die Musik nicht aus den Augen verlieren.

 

 


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