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Gute Noten und Disziplin

Kicken, Boxen, Karate, Taekwondo... Es geht Schlag auf Schlag, wenn Valeri Kippes all die Sportarten aufzählt, die gemeinsam zur Einheit „Kickboxen“ verschmelzen. Seit seinem 16. Lebensjahr steht der ebenso begeisterte wie engagierte Kickboxer quasi tagtäglich für seinen Sport auf der Matte oder sogar im Ring.

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Foto: Verein
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Als Jugendlicher hat Valerie Kippes mit dem Training angefangen. Im März 2010 schließlich ist der Verein „Fight Club Jülich e.V.“ gegründet worden. Die ersten Übungseinheiten fanden in einer ehemaligen Squashhalle statt. Danach gab es noch einige Umzüge. Seit 2019 schließlich hat der Verein in den Räumen des einstigen „Kinderhauses Halking“ eine neue Heimat gefunden. Auf zwei Etagen gibt es nun reichlich Platz für die vielen Sportler – und Sportlerinnen, denn der Frauenanteil wächst stetig, erzählt Valeri Kippes. Nachwuchssorgen haben die Kickboxer auch ansonsten eher nicht. Von Anfang an hätte der Verein viel Zuspruch erfahren. Gleich am ersten Tag sind 21 Leute Mitglied geworden, erinnert sich der Trainer. Die 70 Quadratmeter in der alten Squashhalle waren schnell zu klein.

Als Verein für Erwachsene gegründet ist der Fight Club inzwischen offen für alle Altersklassen. Die jüngsten Vereinsmitglieder, von Kippes liebevoll „unsere Bambini“ genannt, beginnen schon mit drei, vier Jahren mit den ersten Trainingseinheiten. Fünf Tage in der Woche wird im Fight Club trainiert. Die meisten Trainingseinheiten leitet Valeri Kippes selbst. Ein wenig Unterstützung durch seinen Bruder Paul und ein paar andere Ehrenamtler hätte er, lässt aber durchblicken, dass er sich über weitere Unterstützung durch andere Übungsleiter freuen würde.

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Was ist denn nun das Wichtigste beim Kickboxen? Schnelligkeit, Reflexe, Schlagkraft? Weit gefehlt: „Disziplin“, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. „Das ist das erste, was die Kinder bei uns lernen“, erzählt der Trainer. Disziplin und ein kompliziertes Regelwerk – schließlich kommen hier eine Menge Einzel-Sportarten mit ihren je eigenen Regeln zusammen – sind zwei wichtige Säulen für ein erfolgreiches Training. Wenn Valeri Kippes von Disziplin spricht, meint er nicht nur den Sport, sondern beschreibt einen großen Bogen. Vor allem die Schule und das soziale Miteinander seiner Schützlinge sind ihm ein wichtiges Anliegen. „Stimmen die Noten nicht, gibt es kein Training“, betont Kippes. Das wissen auch die Jugendlichen.

Und noch eines ist ihm besonders wichtig: Auf der Straße prügeln ist schlicht nicht drin. Der einzige, der nach Strich und Faden Prügel beziehen darf, ist der gigantische Sandsack. In langer Reihe hängen die Trainingsgeräte gleich neben dem Viereck des Trainings-Rings. Planlos drauflos hauen ist allerdings nicht Sinn der Übung. Hier wird an bestimmten Kicks und Bewegungen gefeilt.

Direkt über den Sandsäcken schmückt eine lange Reihe verschiedenster Flaggen die Wand: vom Libanon über Südafrika, Deutschland, Israel hin zu Aserbaidschan, Russland und vielen weiteren. Die Vereinsmitglieder kommen aus allen diesen und noch einigen weiteren Nationen, sprechen verschiedenste Sprachen und haben diverse Religionen. Doch das ist im Grunde unwichtig: „Wer durch diese Tür kommt, ist für mich einfach nur ein Mensch.“ Religionsstreitigkeiten oder Vorurteile gegenüber Menschen anderer Kulturen und Hautfarben haben im Jülicher Fight Club keinen Platz, betont der Vereinsgründer und erhält Schützenhilfe von einem alten Freund.

Welch wichtigen Beitrag der Sport zu Gemeinsamkeit und Integration leisten kann, haben Valeri Kippes und sein Schulfreund Mo Khomassi am eigenen Leib erfahren. „Wir sind beide Migrationskinder. Wir haben uns in der Schule kennengelernt“, erzählen die zwei. Sport war für beide wichtiger Fixpunkt im Leben – bei dem einen das Kickboxen, der andere spielt lieber Fußball. „Fußball ist nichts für mich“, lacht Valeri Kippes, „da würde ich über den Ball fallen und mir alles brechen.“

Motivation zur Vereinsgründung war auf der einen Seite die Freude am Sport und der Gedanke, diese Begeisterung an den Nachwuchs weitergeben zu wollen. Auf der anderen Seite stand der soziale Aspekt, die Idee, junge Menschen über den Sport zusammenzubringen, sie „von der Straße zu holen“ und ihnen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu bieten. „Es ist der Hammer, was hier für eine soziale Arbeit geleistet wird“, bringt es Mo Khomassi, der als Besucher immer gerne mal beim Fight Club Jülich e.V. vorbeischaut, auf den Punkt.


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