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Tobi Freudenthal

Schüchtern, zurückhaltend? Den Eindruck macht Tobi Freudenthal nun wirklich nicht. Baseball Cap verkehrt herum auf dem Kopf, sportlich gekleidet, und seine Sätze kommen Schlag auf Schlag.

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Tobi Freudenthal. Foto: Dorothée Schenk
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Von sich selbst sagt Tobi Freudenthal, er sei wie „ADHS ohne Pillen“. Als Stand-up-Comedian ist er auf den Bühnen bundesweit zu Hause – und auch beim „Heimspiel“, den #Stadtgesichtern in Broich. Bis es so weit kam, so erzählt der Wahl-Kölner, habe er viele Umwege genommen.

Geboren ist er in Hamburg. Mit fünf Jahren zog er zuerst nach Jülich ins Nordviertel und als Teenager mit der Familie nach Barmen. „Jülich habe ich immer komplett geliebt“, sagt er strahlend. Hier war Skaten angesagt, bei „Fischer“ Sticker kaufen, Karneval auf dem Schlossplatz feiern, mit dem Discobus nach Himmerich („der fährt immer noch?“), und er hat die ersten romantischen Erfahrungen in den Kasematten der Zitadelle gemacht.

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Apropos: Das Gymnasium in der Festung hat er nach der Grundschulzeit an der GGS Nord auch zwei Jahre besucht. „Dann bin ich von der Schule geflogen“, lacht er. Das ist nicht ganz so ernst gemeint, denn es war kein Fehlverhalten, es waren die Noten. Alternativ ging er auf die Realschule, machte hier den Abschluss und setzte noch den Abschluss am Berufskolleg drauf. Schon zu der Zeit war es sein Wunsch, die Bühnen zu entern. „Dadurch dass meine Mutter das Tanztheater hat, hatte ich immer so eine Nähe zur Bühne. Ich mochte das, diese dicken Theaterseile, diese Atmosphäre, der Geruch, die Kostüme…“ Vor öffentlichen Auftritten hätte er allerdings immer viel zu viel Angst gehabt. Im Ernst? Und das, obwohl er als Kind schon auf der Bühne stand? „Ich war als Kind zweimal bei der Mini Playback Show. Das war so ein Ding hier in Jülich. Da war ich plötzlich so ein Superstar für eine Woche“, sagt er lachend. Und auch die Kreativferien in der Bleiberger Fabrik, in denen er etwa Videokurse belegte, halfen nicht: „Wenn dann irgendwas kam, so eine Szene, vielleicht eine Liebesszene, da war ich so schüchtern, richtig geschwitzt, hatte richtig Angst. Das hat sich aber verloren.“ und das blieb lange so. Neun Jahre lang hat er im „stillen Kämmerchen“ immer nur für sich geschrieben. An Auftritte war nicht zu denken, bis ihn 2017 sein Freund Jan von Weyde bei Kunst gegen Bares angemeldet hat. „Das war dann auch schlimm die ersten anderthalb Jahre. Diese Nervosität!“ Freudenthal rollt mit den Augen. Und wie kriegt man das in Griff? „Einfach durch die Masse an Auftritten. Ich nehme alles an. Es gibt viele, die sagen: ,Ich mache keine Weihnachtsfeier, keine Gala, Karneval, niemals.‘ Ich mache alles, und dann erlebst du Sachen, nach denen du irgendwann abgehärtet bist.

Es hätte allerdings auch alles anders kommen können, und Tobi Freudenthal hätte nach bürgerlichen Gesichtspunkten sein Leben in ganz geregelten Bahnen verleben können. Nach dem Berufskolleg studierte er nämlich Betriebswirtschaft in Aachen. „Und obwohl ich Mathe mein Leben lang wirklich geliebt habe, bin ich an Finanzmathematik und Wirtschaftsmathematik im Diplom zerbrochen.“ Nichts mehr verstanden, Studium abgebrochen, eine Lehre zum Industriekaufmann abgeschlossen, gearbeitet, Geld verdient, um dann Mitte 20 festzustellen: Da gibt es noch mehr! Und wenn nicht jetzt, dann nie mehr, und so brach Tobi Freudenthal die Zelte ab, flog ans andere Ende der Welt nach Australien und verbrachte dort ein halbes Jahr bei „Work & Travel“ an der Ostküste und tourte durchs Outback.

Rückkehr zurück in den Job? Nein! Der Mann „mit ADHS ohne Pillen“ startete neu durch und entschied sich, seine erste Leidenschaft zu leben: Sport. Schon zu Schülerzeiten in Jülich spielte er Fußball – zuerst bei Jülich 10, später bei den Zwölfer – und Squash: „Bundesliga, Nationalmannschaft, Kader, und da dachte ich mir, ich es liebe so…“ Daraus sollte das Sport-Studium werden – dafür musste Tobi Freudenthal aber erst mal das „Voll-Abi“ nachholen. Und das machte er als einer der Besten und hielt für seinen 1,5 Notendurchschnitt auch noch eine Auszeichnung. Damit ging er nach Köln an die Uni zum Studium Sport Management Kommunikation. „Ich dachte, vielleicht wirst du Sportkommentator, weil ich parallel bei 100,5 das Hitradio gejobbt habe und zwei Jahre ein bisschen die belgische Liga kommentiert habe.“ Damit nicht genug. „Dann habe ich diese Ausschreibung gefunden: Mediapark, Startup, Golf, Post Online Magazin. Da bin ich heute noch.“

Allmählich schwirrt der Schädel: Er ist also ein Comedian und Moderator, gleichzeitig Sportjournalist mit den Qualifikationen BWL (wenn auch abgebrochen), Industriekaufmann und Sportmanagement. Ach ja und er spielt auch noch in der Komiker-Nationalmannschaft Fußball, in der Matze Knop Kapitän ist. Und gegen wen spielt man da so? Es gibt wohl mehrere Komiker-Nationalmannschaften in anderen Ländern und auf nationaler Ebene Schaukämpfe gegen „All Stars“. „In der Soccer Halle in Köln haben wir gegen Pietro Lombardi und seine Auswahl gespielt. Die waren auch Horror, die Jungs! Und dann machen wir jetzt auch den Kick and Comedy Club.“

„Alltagsgeschichten mit dem Publikum. Er hat auf jede Frage eine Antwort, für jedes Problem eine Lösung und spricht das aus, was alle denken!“ So steht es auf der Internetseite von Tobi Freudenthal. Er selbst sagt von sich: „Ich mache sehr oberflächlichen Humor. Also dieses so deswegen hab ich eben Jim Carrey gesagt mehr so acting Fantasiegeschichte auch mal unter der Gürtellinie oder wie man so schön sagt, ein bisschen viel PKK – Pippi Kaka – aber ist halt mein Ding. Das heißt ja nicht, dass ich ein oberflächlicher Mensch bin.“ Im Gegenteil. Viele Gedanken macht sich der Vater einer Tochter auch über seine Zukunft. Was er sich noch wünscht? Nah dran bleiben am Publikum: „Hallen mit Platz für 1000 Leute. Das ist für mich eine super Größe. Man ist als man ist auch als Gast, sag ich mal, nah genug dran, aber auch weit genug weg.“ Was ist, wenn die Bühnenzeit zu Ende ist? „Eine eigene Agentur aufbauen“, für Comedians, versteht sich, „weil ich, glaube ich, ein gutes Gefühl dafür habe, wie man jemanden aufbauen kann“. Aus seinen Erfahrungen heraus, meint Tobi Freudenthal, wisse er eben, was auch den Künstlern gut tut und „wie es nicht gut ist.“ Vielfach würden Booking-Agenturen eher Künstler „verwalten“. „Aber ich würde gerne so eine Agentur haben, wo ich dann richtig Gas gebe und jemanden als Marke aufbaue.“

Bei dem Fundus, aus dem er schöpfen kann, besteht kein Zweifel, dass er mühelos die nächsten 20 Jahre noch mit seinen Geschichten auf der Bühne füllen kann, ehe er eigene Marken aufbaut.


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