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Klaus Krafft

Klaus Krafft ist zusammen mit Matthias Scheidt den meisten Jülichern bekannt als Filmvorführer im Kuba-Kino. Aber er dreht auch selbst Filme. Nun mal hübsch der Reihe nach.

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Klaus Krafft. Foto: La mechky +
Klaus Krafft. Foto: La mechky +
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Schon seine Geburt könnte aus einem Filmdrama stammen. Bei einem Fliegeralarm im Oktober 1944 kam er zur Welt, fast schon auf der Treppe zum schützenden Keller. Das war in Limburg an der Lahn. Seine hochschwangere Mutter war zu Besuch bei der zukünftigen Oma von Klaus. Eigentlich hat die Familie in Dortmund gewohnt, aber auch sein Bruder ist bei einem Oma-Besuch Erdenbürger geworden und wurde im Limburger Dom getauft. Klaus bedauert, dass ihm dieses Privileg nicht auch vergönnt war. Klaus bedauert: „Eigentlich habe ich keine richtige Heimat. Meine Heimat ist immer da, wo ich gerade wohne. Jetzt aber schon fast 50 Jahre in Jülich.“

Er kam schon sehr früh zu seiner Filmleidenschaft. „Mein Vater war beim Bundesluftschutzverband. Für Schulungen gab es dort zwei verschiedene 16mm-Filmprojektoren. Ich erinnere mich wie heute an den T4 Junior Projektor und an die Lehrfilme. Ich war so zwischen 14 bis 15 Jahre jung.“

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„Bald darauf kam ich zum sogenannten Dortmunder Filmdienst. Dieser bestand aus einem Mann und zwei Helfern. Der eine war ich, der andere mein Bruder, der im Dom getaufte. Er ist zwei Jahre älter als ich. Wir tourten mit einem Loyd Kombi durch Dortmund und starteten an verschiedenen Stellen parallel je einen Filmabend, zu dem es auch jeweils einen Vortrag gab. Alles wurde generalstabsmäßig durchorganisiert. An Stelle eins wurde ich mit einem 16mm-Projektor abgesetzt und fing an aufzubauen und zu projizieren, an Stelle zwei mein Bruder und an der dritten Stelle begann der Chef schon mal mit dem Vortrag. Nach dem ausgeklügelten Rotationsverfahren konnten drei verschiedene Publikums-Gruppen Film und Vortrag an verschiedenen Stellen in Dortmund genießen, mit einer einzigen Film-Kopie. Wir bekamen pro Abend 10 bis 15 DM. Das war Ende der 50er Jahre viel Geld.“

Später sind seine Eltern nach Titz gezogen. „Wir besuchten oft meine Tante in Wildenrath. Ihr Vermieter hat uns oft mit in sein Wochenend-Domizil im Siegerland mitgenommen. Er hatte eine Normal8-Kamera. So etwas galt damals als fast unerschwinglich. So bekam ich Kontakt zu diesem Medium und hatte auch Freude mich im Bewegtbild wiederzuerkennen. Als dann eigene Kinder kamen, stand ich vor der Entscheidung, Fotoapparat oder Filmkamera und ich entschied mich für die bewegten Bilder. Ich habe damals bei Radio Müller gearbeitet und als Jülich 10 zum dritten mal Deutscher Meister wurde, habe ich die Tontechnik übernommen. In dieser Zeit bin ich dem Amateurfilmclub Jülich beigetreten. Ich habe dann vor allem das Heranwachsen meiner Kinder filmisch begleitet, erst kam eine Tochter, dann die Zwillinge, ein Sohn und eine Tochter. In den 80er Jahren waren wir ja dann auch mal zusammen mit Manfred und Hannelore nach Berlin zum Amateuer-Spielfilm-Bundeswettbewerb gefahren, erinnerst Du Dich?“

Peer: „Oh, ja, sehr gut! Gibt es den Amateurfilmclub Jülich noch?“ „Auf dem Papier, ja. Wir treffen uns sporadisch, um das Geld aufzuessen, das noch da ist. Wir sind nur noch ein halbes Dutzend Mitglieder, in der Hochzeit hatten wir 30. Manfred ist jetzt im Club Mönchengladbach und ich bin inzwischen der Vorsitzende im Aachener Club. Der frühere Vorsitzende Josef Kerschgens ist gestorben. Von ihm gibt es eine interessante Geschichte. Ihm gehörte ein Haus in Belgien. Das Terrain kam irgendwann zu Deutschland. Er hat vorher das Haus komplett mit Kaffee ausgestopft und so einen Riesengewinn gemacht, ohne zu schmuggeln.“ „Das ist ja wie im Film. – Du arbeitest regelmäßig mit dem Griechen Jannis Karayannakos zusammen? Eure Filme waren ja mal im Kino hzu sehen.“

„Ja, wir fahren im Jahr 14 Tage nach Griechenland und gehen vor allem ökologischen Themen nach. Wir haben auch einen Film über herrenlose Straßenhunde in Athen gedreht. Wir arbeiten heute nur noch Videoformate.“ „Und schneidet?“ „mit einem Schnittprogramm auf dem PC. Der ist in seiner Leistung dann aber schon ein wenig aufgemotzt.“ „Das ist aber noch nicht alles, richtig?“

„Ja, vor gut zehn Jahren etwa, gab es einen Zeitungs-Aufruf von einem Wolfgang Merz. er suchte Filmschaffende für seinen 90-Minuten Spielfilm: „Das schwarze Requiem“. Ich habe Kontakt aufgenommen und dann Kamera gemacht. Daraus entstand eine feste Gruppe aus knapp zehn Personen, die immer noch zusammen arbeitet. Da wird Wert gelegt auf hohe Qualität. Die arbeiten fast schon professionell. Wenn wir Schauspieler brauchen, sprechen wir Amateurgruppen an. Wir haben auch einen Film über die Neuzustellung eines Hochofens bei Thyssen-Krupp gedreht und dokumentiert, wie alle Schamott-Steine erneuert wurden.“

„Du bist aber auch Vorführer? im Kuba“ „Ja, Im Winter 2008 sah ich einen Zettel zum Abreißen mit einer Telefonnummer in der Eisdiele. Das war noch unter Christoph Clemens kurz vor dem Wechsel zu Cornel. Seitdem teile ich mir den Job mit Matthias Scheidt.“ „Du bist aber nicht allein?“ „Meine Frau Christel hilft an der Kasse und unser Hund Asterix darf auch mit.“ Peer: Und den habe ich kennengelernt. Als wir bei Klaus das Interview führten, kam der Briefträger. Er hat immer „Leckerli“ in der Tasche, ein Ritual wie im Film.

„Der erste Film, den Du im Kuba vorgeführt hast?“ „Burn after Reading“ am 29. Dezember. Das ist unser Hochzeitstag. Damals kam meine Frau noch nicht mit und ich kam spät nach Hause. Die Arbeit in dem jungen Team macht mir irren Spaß. „Dann bleib doch gleich da!“ meinte meine Frau.“

„Inzwischen ist sie ja auch längst infiziert. Aber ihr habt ja noch ein anderes Hobby, wenn ich mich hier so umsehe, fallen die vielen Modelle auf.“ „Ja, sie stammt aus einem Autohaus und wir mögen Oldtimer.“ „Wohl eher die sportlichen, oder?“ „Nun ja, sei hat einen 190 SL Cabrio mit in die Ehe gebracht.“ „Verstehe, den Nitribit-Mercedes. Da gibt es ja auch einen hübschen Film!“

„Die beiden Hobbies passen gut zusammen, das eine ist eher Winter orientiert, das andere konzentriert sich auf den Sommer.“
„Beide Hobbys haben ja viel mit Technik zu tun, passend zu Deinem Beruf, oder?“ „Ja, ich habe erst eine Lehre als Radio- und Fernsehtechniker absolviert und kam dann zu COSY zu Prof. Rudolf Meyer also in die KFA, wie sie damals noch hieß. Dort hatte ich die Gelegenheit berufsbegleitend die Technikerschule in Aachen zu besuchen. Meine offizielle Berufsbezeichnung war Staatlich geprüfter Techniker der Fachrichtung Elektronik.“ „Du bist schon einige Jahre in Rente, vermisst Du Deinen Beruf?“ „Es war ein Traumjob. Ich war sehr eigenständig und konnte meine Arbeit gut einteilen. Ich hatte einige Zeit eine Freundin in Wien und das passte alles wunderbar zusammen. Aber jetzt gehöre ich ganz Jülich, meiner Frau, unserem Hund und meinen beiden technischen Hobbys. Das füllt mich und uns aus.“ „Vielen Dank!“

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Peer Kling
Peer Kling, typisches "KFA-Kind", nicht aus der Retorte, aber in der zweiten Volksschulklasse nach Jülich zugezogen, weil der Vater die Stelle als der erste Öffentlichkeitsarbeiter "auf dem Atom" bekam. Peer interessiert sich für fast alles, insbesondere für Kunst, Kino, Katzen, Küche, Komik, Chemie, Chor und Theater. Jährlich eine kleine Urlaubsreise mit M & M, mit Motorrad und Martin.

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