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Luc Rey

Im Reich der Einheiten: Zwischen Therapie und Toxizität.

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Luc Rey. Foto: La Mechky +
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Apotheker, Karnevalist, Muttkrat – bekanntes Jülicher Gesicht. Das ist Luc Rey. Die Schlossplatz Apotheke, gegründet im Jahr 1961 von Vater Berthold Rey, von ihm übernommen im Jahr 1996 und 2001 an neuer Stätte eröffnet, ist sein Reich der Einheiten.

Er freut sich, zum Schlagwort „Einheit“ befragt zu werden. Zugleich wird er nachdenklich, wenn er sich mit diesem Begriff auseinandersetzt. Ganz Apotheker bietet es sich für ihn an, systematisch heranzugehen. Was nicht bedeutet, alles zu vereinheitlichen – im Gegenteil! Die mathematisch-physikalischen Einheiten, auf die sich die Menschheit im Großen und Ganzen geeinigt hat, bieten so gut wie keinen Ansatz für Interpretation. Das ist auch gut so. Für die weltweite Lehre und Forschung ist es eine große Errungenschaft, hier einheitlich zu agieren, um Missverständnissen und / oder gravierenden Problemen möglichst aus dem Weg zu gehen.

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Er merkt an, was es bedeutet, schon bei einfachen Dingen wie dem metrischen System Meter und Yards in Einklang zu bringen. Schon muss da eine Umrechnungsformel herhalten. So sein erster Gedankengang. Eine einheitliche Verkehrsführung auf der Erde würde womöglich die Zahl der Opfer im Straßenverkehr reduzieren. Wer sich schon mal in Ländern mit Linksverkehr bewegt hat, wird dies nachvollziehen können. Insofern muss Einheit kombiniert mit Einheitlichkeit nicht unbedingt schlecht sein. Wenn Einigkeit noch hinzukommt, erleichtert dies vieles.

Im Beruf ist der Apotheker sehr dankbar, weitestgehend mit festgelegten Einheiten arbeiten zu können. Sehr häufig liegen therapeutische und toxische Dosierungen nicht weit auseinander. Hier wären komplexe Umrechnungsverfahren absolut kontraproduktiv und gefährlich.

In den organisatorischen und politischen Bereichen unter Berücksichtigung psychologischer und philosophischer Aspekte ist es aus seiner Sicht mit der Begrifflichkeit der Einheit nicht mehr ganz so einfach. Freiheit, Individualität, Toleranz, Rücksicht, Liebe und Verantwortung sind für Luc Rey wichtige und untrennbare Begriffe beim Versuch, das Idealbild einer Einheit zu zeichnen. Als Beispiel nennt er die Wunschvorstellung einer friedlichen Einheit der Menschheit.

Realistischer sind für ihn kleinere Einheiten. Er ist überzeugt, dass die konsequente Berücksichtigung der genannten Attribute zu sehr guten und überraschenden Ergebnissen in der Gesellschaft führen kann. Als sportbegeisterter Mensch denkt er an Mannschaftserfolge im Fußball (WM 1954 Deutschland – EM 2004 Griechenland). Hier war es die erfolgreiche Einheit von Individuen, die in der Lage waren, ihre Fähigkeiten in den Dienst der Mannschaft zu stellen.

Ein Symbol der Einheit ist für Luc Rey seine Familie. Das Gleichgewicht zwischen Zusammensein und Loslassen, die Bereitschaft, auch in kritischen Situationen zuzuhören und zu reflektieren, gelingt. Er sieht seine Familie als eine natürliche, ungezwungene Einheit. Die Tatsache, dass seine Großeltern ihre beiden Töchter in den 50iger Jahren einen Deutschen und einen Italiener heiraten ließen, zeugt von Mut und der Überzeugung, ohne Vorurteile neue Einheiten auch über Grenzen hinaus bilden zu können. Durch diese international geprägte Familie ist er pluralistisch denkend erzogen und aufgewachsen. Dass Menschen mit Gewalt und Mauern voneinander getrennt werden, ist ihm dadurch bis heute fremd. Gleichgültig, wo dies auf der Welt geschieht.

Erzwungene Einheiten, die geprägt sind von unangemessener Autorität und dem Gegenteil von dem, was vorab beschrieben ist, lehnt er ab. Denn dort, wo Individualität und Freiheitsdrang mit rohen Worten und Gewalt mit Füssen getreten werden, können keine gesunden Einheiten entstehen. Er warnt, sich aktuell nur von der Kraft der Bilder leiten zu lassen. Er warnt vor der Gefahr einer Reizüberflutung durch die Masse der Bilder, die in Echtzeit um die Welt fliegen.

Den Fall der Mauer haben er und seine Frau in der damaligen Bundeshauptstadt und seinem Studienort Bonn erlebt. In der letzten Phase seines Studiums. Noch heute hat er eine Gänsehaut, wenn er daran denkt. Die im Oktober 1990 zustande gekommene Deutsche Einheit ist für ihn welthistorisch, ein Ereignis von großer Bedeutung. Ein Glücksfall ist für ihn, dass die damals verantwortlichen Politiker trotz vielleicht berechtigter Bedenken den Mut hatten, die Wiedervereinigung auf den Weg zu bringen. Eine besondere Jahreszahl auch, weil der erste Sohn in diesem Jahr geboren wurde.

Luc Reys Fazit: „Jeder von uns ist in der Lage, gesunde kleine Einheiten zu schaffen. Diese entstehen nicht vom Zuschauen. Sie könnten als Impfkristall wirken und zu einem größeren Ganzen werden. Wir sollten niemals müde werden, es immer wieder zu versuchen.“

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Frank Lafos
Reisender, fotografierender Menschenbeobachter, der seit über 15 Jahren Kurzgeschichten schreibt. Eingeborener Muttkrat, Karnevalist und bekennender Rheinländer. Lebt in Jülich und Starnberg. Entwickelt karnevalistisch-musikalische Bühnenstücke vom Text bis zur Regieanweisung. Über 20 Jahre Co-Autor des Ulk Magazins. Fachlich-berufliche Schwerpunkte und Veröffentlichungen zu Innovationstechniken, digitaler Kommunikation und neuen Arbeitsformen. Diplom Ingenieur, zertifizierter Coach und kreativer Gestalter.

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