Start featured Ort der Erholung im Zentrum der Stadt

Ort der Erholung im Zentrum der Stadt

Der Schlossplatz in Jülich hat im Laufe der Jahrhunderte schon viele Gestalten gehabt und ist immer wieder verändert worden, zum letzten Mal vor 25 Jahren in Vorbereitung auf die Landesgartenschau.

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Abb 11 1989 03-0-0-5-4 Schlossplatz 1989
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Bis zum 19. Jahrhundert war der Bereich des heutigen Schlossplatzes gar keine freie Fläche. Quer über den Platz verlief die Mauer der Stadtbefestigung aus der Renaissance-Zeit (Abb. 1–3). Davor lag ein Graben, der ähnlich tief war wie der Graben, der heute um die Zitadelle verläuft. Im heutigen Bereich zwischen Galeria Juliacum und der Tourist-Info befand sich eines der Stadttore, das „Kölntor“. 1860 wurde die Festung Jülich aufgegeben, und die Mauern wurden geschleift. Übrig blieb eine freie Fläche, für die man zunächst keine Verwendung hatte. Der Graben wurde zur Entsorgung von Abfall benutzt. Erst etwa 25 Jahre später, 1887, wurde er zugeschüttet. Zwei Jahre brauchten Soldaten der Garnison und Unteroffiziersschule, um ihn zu füllen.

Weitere fünf Jahre vergingen, bis der Platz neugestaltet wurde. Federführend bei der Neugestaltung war der Jülicher Kriegerverein und insbesondere der damalige ehrenamtlich tätige Beigeordnete der Stadt Peter Linnartz, von dem sich zwei ausführliche Berichte über die Schlossplatzneugestaltung im Stadtarchiv erhalten haben. Es wurden neue Wege angelegt, und der Platz wurde neu bepflanzt (Abb. 2/3), außerdem entstanden zahlreiche Denkmäler wie das Kreis-Kriegerdenkmal. Manche von ihnen wie das Denkmal für Kaiser Friedrich III. (errichtet 1903, Abb. 4) oder eine in Kirchberg geborgene römische Aschekiste haben sich erhalten und stehen auch heute wieder auf dem Schlossplatz. Ebenfalls 1903 wurde ein Musikpavillon errichtet, in dem das Musikcorps der Unteroffiziersschule häufig Konzerte gab. Diese Ausgestaltung des Schlossplatzes, der übrigens erst seit den 1880er Jahren so genannt wird, ist typisch für den beginnenden Militarismus der wilhelminischen Zeit und zeigt, dass die Jülicher sich mit dem preußischen Staat identifizierten.

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In den 1930er Jahren wurden zahlreiche der um die Jahrhundertwende gepflanzten Bäume gefällt, um die Fläche auszulichten und den Schlossplatz erneut zu gestalten (Abb. 1.2). Diese Fällaktion löste große Proteste in der Bevölkerung aus. Bei der Bombardierung der Stadt wurde der Schlossplatz stark in Mitleidenschaft gezogen. Nach dem Krieg wurden dann Notunterkünfte, u.a. Nissenhütten genannte Wellblechhütten, für die zurückkehrenden Jülicher auf dem Schlossplatz errichtet (Abb. 5).

Die Wiederherstellung des Schlossplatzes nach dem Krieg begann 1947 (Abb. 6/7/8). In der Mitte des Platzes wurde 1957 eine überdachte Veranstaltungsbühne errichtet, die von den Jülichern wieder Musiktempel genannt wurde (Abb. 9). Erste Kinderspielplätze wurden angelegt, neue Gedenksteine kamen hinzu wie 1954 ein Gedenkstein an der Kölnstraße zur Erinnerung an die Bombardierung der Stadt vom 16. November 1944 und 2003 das Denkmal zur Würdigung der Wiederaufbauleistung der Jülicher. Seit 2011 schmückt die Ecke Kölnstraße / Kurfürstenstraße der Muttkratebrunnen von Bonifatius Stirnberg.

Die bislang letzte Neugestaltung erfuhr der Schlossplatz im Zuge der Vorbereitung auf die Landesgartenschau in Jülich 1998: Wege und Bepflanzung wurden umgestaltet, um einen besseren Blick auf die Zitadelle zu erhalten. Der Spielplatz wurde verlegt, und der Musiktempel abgerissen. Inzwischen ist der Schlossplatz zu einem Ort für zahlreiche Veranstaltungen geworden. Er dient den Jülichern immer noch als Ort der Erholung inmitten des Stadtzentrums so wie schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Einen kurzen Überblick über die Geschichte des Platzes bietet auch der „Historische Stadtspaziergang Jülich“ unter dem 4. Punkt „Schlossplatz


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