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Flora, Fauna, Festung

Egal, ob man sich einkaufswütig in den Läden tummelt, beim Frühstück im Freien den ersten Kaffee genießt oder die Sonnenbrille auf der Nase schief sitzend den AMG knattern lässt.

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Braunes Langohr. Foto: Holger Körber
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In der Innenstadt flüstern die Zeugnisse der Vergangenheit wie der Hexenturm oder der Napoleonische Brückenkopf den Passanten ihre Geschichten zu. Gekrönt wird dieses Netzwerk an Baudenkmälern durch die Zitadelle als Herz der Festung. Dabei hat sich das Bauwerk über die Jahrhunderte an die Bedürfnisse der Herzogstädter angepasst.

Bettete in vergangenen Tagen der Herzog sein Haupt im Ostflügel der Zitadelle, ist dort heute das Gymnasium zu finden. Wo sich hinter 35 bis 43 Meter dicken Wällen der Zitadelle bei der Belagerung Jülichs im Jahre 1610 Kaisergetreue vor Rivalen verschanzten, wird heute Artenschutz betrieben.
Wie die dicken Gemäuer zum Schutz erbaut worden sind, suchen nun rund 400 Fledermäuse diesen und haben in den zahllosen Winkeln der Zitadelle eine Zuflucht gefunden. Insgesamt seien schon neun Fledermausarten in der Zitadelle gesichtet worden, sagt Dr. Christoph Fischer, Mitarbeiter im Museum Zitadelle. Darunter auch das Graue Langohr. Dieses ist vom Aussterben bedroht.

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Für die Fledermäuse bietet der alte Gebäudekomplex genügend Zwischenräume von Stein zu Stein sowie genügend Hangplätze inmitten eines Tunnelgeflechts, das inmitten der Herzogstadt zu Teilen für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist und so erst zum Reich der Fledermäuse wird. Ihre Wächter sind dabei im Arbeitskreis Fledermausschutz Aachen, Düren, Euskirchen zu finden. Das ist ein Zusammenschluss aus den Naturschutzorganisationen NABU, BUND und LNU und wird in ihren Reihen ebenfalls durch das ortsansässige Team des Museums verstärkt.

Auch die Dunkelheit und die Feuchtigkeit machen den Fledermäusen nichts aus. Im Gegenteil: Die Tiere orientieren sich mit der Hilfe von Ultraschall. Ihr gut ausgebildetes Gehör und die Schallwellen, die von den Gemäuern wieder auf sie zurückfallen, ermöglichen Orientierung ohne Licht. Und in dieser Schwärze verbringen die kleinen Drachen den Großteil ihres Lebens. Neben dem Winterschlaf, bei dem nur vier Herzschläge pro Minute gezählt werden, finden die nachtaktiven Säugetiere hier auch ihr Taglager, und ebenfalls die Jungtiere werden hier zur Welt gebracht. Dann versammeln sich die Weibchen an der Decke hängend und bringen im Schutz und in der Wärme der Gruppe ihren Nachwuchs zur Welt. Deswegen sind die genauen Plätze, an denen die Fledermäuse leben, übrigens geheim. So soll verhindert werden, dass ungebetene Gäste die Ruhe stören.

Eine weitere Sache kommt den kleinen Flugwesen ebenfalls zugute: Die Zitadelle ist das reinste Biotop und bietet damit genügend Futter. Laut Fischer vertilgt eine Fledermaus bis zu 4000 Insekten pro Nacht.

Von alleine über 300 Pflanzenarten berichten Dr. Ralf Theisen, der Kreiskoordinator LNU, und Robert Mohl, der Naturschutzwart und ehrenamtlicher Mitarbeiter des Kreisumweltamtes ist, bei einer Begehung. Die meisten davon Blühpflanzen. Durch ein Projekt wird diese Vielfalt sichtbarer. Vor gut einem Jahr hat der Sozialwissenschaftskurs des Gymnasiums Zitadelle ein Blühwiesenprojekt ins Leben gerufen. Auf 50 bis 100 Quadratmetern fanden so Blumen ihren Platz. Nun wird das Projekt auf natürliche Weise fortgeführt. Der Rasenmäher soll so still wie möglich stehen. Natürlich vorkommende Pflanzen, die den heimischen Arten Lebensraum bieten, breiten sich auf den Wällen, die zu dem Museum gehören, aus. Schon jetzt leuchten beispielsweise Wilde Möhren, Schafgarbe und Weißer Mauerpfeffer um die Wette und werden von Wildbienen, Hummeln, Faltern und vielen anderen Insekten besucht. Damit entsteht auf der Zitadelle eine riesige Blühfläche. Komplementiert wird das Bild durch Eisvögel, Reiher, Falken und Singvogelarten. Im umliegenden Wassergraben tummeln sich übrigens auch zahlreiche Amphibien.

Darunter auch, im Schlamm versteckt, die Muttkrat.


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