Start featured Sechs Herzöge im Bild

Sechs Herzöge im Bild

Ein vielfach kopiertes Gemälde aus dem 17. Jahrhundert zeigt sechs Klever Herzöge vor dem Stadtbild von Kleve. Drei von ihnen, Johann III. († 1539), Wilhelm V. († 1592) und Johann Wilhelm I. († 1609) waren zudem Herzöge von Jülich und Berg.

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Sechs Herzöge in einem Bild | Foto: Museum Zitadelle
Sechs Herzöge in einem Bild | Foto: Museum Zitadelle
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Die Bildnisse sind damit ein sinnfälliges Zeugnis der Geschichte der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg zwischen 1521 und 1609. In dieser Zeit erlebte Jülich den Ausbau zur idealen Residenz-, Stadt- und Festungsanlage auf der Grundlage italienischer Architekturvorstellungen. Für das Jülicher Museum in einer der Residenzen der Klever Herzöge, der Zitadelle Jülich, ist das bekannte Bild der sechs Herrscher eine schöne und publikumswirksame Bereicherung seiner Sammlung.

Die Jülicher Version wurde im vergangenen Jahrhunderten unsachgemäß restauriert und übermalt. Mit Unterstützung des Restaurierungsprogramms Bildende Kunst 2018, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, wird die Originalsubstanz freigelegt und fachgerecht ergänzt. Die Blickpunktausstellung anlässlich des Jubiläums „25 Jahre Museum Jülich“ führt ab dem 8. Juli diesen Jahres die schrittweise Restaurierung des Gemäldes anschaulich vor Augen und erläutert den historischen Hintergrund des frühneuzeitlichen Historienbildes.
Das sogenannte Herzöge-Bild, auch als „Rathausbild“ bezeichnet, existiert bzw. existierte neben der Jülicher Version in qualitativ sehr unterschiedlichen Fassungen in Altena, Dinslaken, Düsseldorf (Kopie um 1938), Duisburg, Emmerich, Gransee (Schloss Dannenwald, zerstört), Hamm, Kleve, Krumau (Tschechien), Rees (1944 zerstört), Wesel (1944 zerstört, heute durch eine moderne Kopie ersetzt) und Wuppertal. Es zeigt jeweils vor einer Ansicht der Residenzstadt Kleve mit der Stiftskirche und der Schwanenburg die Porträts der Klever Herzöge Adolf I. (reg. 1394–1448), Johann I. (reg. 1448–1481), Johann II. (reg. 1481–1521), Johann III. (reg. 1521–1539), Wilhelm V. (reg. 1539–1592) und Johann Wilhelm I. (reg. 1592–1609).

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Die Porträts wurden nach zeitgenössischen Vorlagen geschaffen, während die Stadtansicht von Kleve einer Vedute des vor Ort tätigen Künstlers Hendrick Feltman folgt. Diese wurde von dem Drucker Jacob von Biesen 1653 als großformatiger Kupferstich herausgegeben. Wahrscheinlich ist das in Kleve erhaltene Herzöge-Bild die ursprüngliche Fassung, die Ende der 1660er-Jahre entstanden sein dürfte. Damit stellt sich die Frage nach dem historischen Kontext der Bildfindung und nach dem Grund für die immerhin in einem guten Dutzend angefertigten Kopien. In der Entstehungszeit der Gemälde lag die Zeit der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg schon ein halbes Jahrhundert zurück. Die Territorien Kleve-Mark und Ravensberg unterstanden dem Kurfürsten von Brandenburg, während die Herzogtümer Jülich-Berg vom Haus Pfalz-Neuburg regiert wurden.

Der Erhalt des Herzöge-Bildes konzentriert sich auf das Gebiet der Länder Kleve und Mark und hier ist auch ihr Ursprung zu sehen. Die Herrschaft der Kurfürsten von Brandenburg über ihre westlichen Besitzungen war sehr konfliktreich, da die Stände der Territorien – die Städte und der Adel – äußerst selbstbewusst auftraten. Immer wieder sahen sich die Brandenburger gezwungen, mit harter Hand durchzugreifen oder aus ihrer Sicht ärgerliche Kompromisse zu schließen. Da die verschiedenen Fassungen des Herzöge-Bildes wohl ursprünglich hauptsächlich in städtischen Rathäusern hingen, waren es wohl die Stände, die das Motiv hatten entwickeln lassen. In einer Zeit einer tiefreichenden Missstimmung zwischen den Ständen und den Kurfürsten von Brandenburg erinnerten die Porträts der Klever Herzöge des 14. bis 17. Jahrhunderts daran, dass damals die Herrscherfamilie aus dem Land selbst stammte, mit diesem eng verbunden war und die Rechte der Landstände weitgehend respektierte.

Im Rückblick also goldene Zeiten, die in einem starken Kontrast zur bedrückend empfundenen Gegenwart standen, als vor allem der „Große Kurfürst“ Friedrich Wilhelm von Brandenburg (reg. 1640–1688) nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges einen rücksichtslosen Regierungsstil gegenüber den Landständen pflegte. Insoweit ist das Gemälde auch ein bemerkenswertes Zeugnis für die immerwährende Neukonstruktion der Vergangenheit und ihre Indienstnahme für aktuelle Zwecke. Diese Mechanismen aufzudecken und zu erläutern ist eine der vornehmsten Aufgaben eines Geschichtsmuseums, wie es das Museum Zitadelle ist.

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Guido von Büren
Eine echte Muttkrat und mit unbändiger Leidenschaft für Geschichte und Geschichten, Kurator mit Heiligem Geist, manchmal auch Wilhelm V., Referent, Rezensent, Herausgeber und Schriftleiter von Publikationen, Mitarbeiter des Museums Zitadelle und weit über die Stadtgrenzen hinaus anerkannter Historiker, deswegen auch Vorsitzender der renommierten Wartburg-Gesellschaft

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