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Friedenslauf unter dem Kreuz

Das Kreuz Jesu auf sich nehmen – und das mehr als nur sinnbildlich konnten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Haus Overbach in Barmen.

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In Achter-Teams trugen die Schülerinnen und Schüler von Haus Overbach abwechselnd das Friedenskreuz. Foto: Henning Achenbach
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Gemeinsam trugen die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Haus Overbach jeweils in achtköpfigen Teams das 150 Kilogramm schwere Aachener Friedenskreuz von ihrer Schule zur fünf Kilometer entfernten Propsteikirche der Pfarrei Heilig Geist in der Jülicher Innenstadt.

Eine anstrengende, aber wohl auch intensive Erfahrung, so dass Äußerungen fielen wie: „Jetzt ahne ich, wie Jesus sich gefühlt haben muss, der das Kreuz allein tragen musste.“ Auch von außen schien die Wirkung beachtlich zu sein, denn die Kreuzträger zogen manche Blicke auf sich. Die Verwunderung war groß, Neugierde machte sich breit. Sogar Anfeuerungen waren zu hören.

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Daneben war auch an diesem Tag zum Friedenslauf ein breites Programm geplant. Doch dann kam die Orkanwarnung dazwischen, und der Lauf wurde zwar nicht abgesagt, aber doch vehement verkleinert. Statt dem ursprünglich geplanten Lauf mit allen 800 Schülerinnen und Schülern von Haus Overbach nahmen letztlich nur drei Q1-Kurse an dem Friedenslauf teil, immerhin noch 40 junge Frauen und Männer.

Am Morgen hätten die Verantwortlich lange hin und her überlegt, wie denn zu verfahren sei, erklärt Marco Maria Emunds, Religionslehrer an Haus Overbach und Mitglied des Vorbereitungsgremiums. Zwar gab es die Unwetterwarnung für Jülich und Umgebung, aber so schlecht sah die örtliche Situation gar nicht aus. Und auch die Ankündigung eines Sturms tags zuvor entpuppte sich als nicht übermäßig gravierend.

Andererseits ist die Verantwortung über eine derart große Menge an Schülerinnen und Schülern einfach zu groß. Eine Anzahl von 40 sei noch handelbar. Zur Not ließe sich der Linienbus nehmen oder sie erhielten irgendwo Unterschlupf. Dies war aber mit mehreren hundert kaum hinzubekommen. Also fiel der Entschluss, das Ganze abzuspecken.

Dabei war es auch schon vorbereitet, wie bei einem Sponsored Walk waren Geldgeber für jeden gelaufenen Kilometer gesucht worden. „Es war viel Arbeit im Vorfeld“, bekräftigt Emunds. „Es stand alles.“ So auch die Buchung des Brückenkopf-Parks Jülich samt Kulturmuschel, wo der Abschluss in der Kulturmuschel stattfinden sollte. Nun ging es direkt zum Zielort, der Propsteikirche auf dem Marktplatz der Herzogstadt.

Bis dahin war die Woche hingegen sehr vielversprechend verlaufen, seit sonntags das Friedenskreuz auf seinem Weg von Krefeld nach Aachen als Zwischenstation in Jülich angekommen war. In der Propsteikirche wurde die Ankunft des Kreuzes mit einer Konzertlesung mit Kirchenmusikdirektor Prof. Michael Hoppe und Dr. Stefan Voges, geistlicher Beirat von pax christi Aachen, unter dem passenden Namen „Friedensnoten“ gefeiert.

Tags darauf wurde es morgens mit einer Schulmesse auf dem Overbacher Schlosshof von den Barmenern in Empfang genommen. „Das war seit längerem das erste Mal, dass die gesamte Schulgemeinde wieder zusammen eine Messe gefeiert hat“, schwärmt Marco Maria Emunds. „Wir haben das sehr genossen.“ Dabei habe dann natürlich das Kreuz und seine Botschaft vom Frieden im Mittelpunkt gestanden. „Theologisch ausgedrückt: Christus hat durch seinen Tod am Kreuz und die Auferstehung dem Leid und dem Tod das letzte Wort genommen und das Kreuz dadurch für Christen zu einem Symbol der Hoffnung und des Lebens gemacht. Beides Dinge, die nur dort gedeihen können, wo Frieden herrscht.“

Die Tatsache, dass aktuell Flüchtlinge aus der Ukraine in Overbach leben und teilweise auch als Schüler die Klassen besuchen, habe das Thema von Krieg und Frieden natürlich nochmal präsenter gemacht, was sich auch in den Fürbitten der Schüler gezeigt hat, die dabei sehr bewusst und aktiv für die Menschen aus der Ukraine und ihre friedliche Zukunft gebetet haben. So wurde auch ein Friedensgebet in Form eines Taizégebetes abgehalten, gestaltet und musikalisch begleitet von Rebecca Dicke und Hannah Weitenberg (ehemals Meurer).

Grund genug, um Spenden der Teilnehmenden des gut besuchten Vortrags „Krieg und Frieden in Jülich. Eine Festungs- und Garnisonsstadt im Spiegel der Jahrhunderte“ des Historikers Jacek Grubba vom Museum Zitadelle Jülich für die geflüchteten Ukrainer in Jülich und Overbach zu sammeln. Gleiches galt für Spenden beim Abschlusskonzert mit Sängerinnen und Sängern verschiedener Jülicher Chöre unter Leitung von Kantor Christof Rück, der auch als Organist fungierte, in der Propsteikirche, mit spirituellen Impulsen von Pfarrer i.R. Josef Jansen und Maria Schmelzer im Rahmen des „Forums ziviler Friedensdienst“.

Die Jubiläumsaktion zum 75-Jährigen des Aachener Friedenskreuzes lief unter dem Titel „Gib dem Frieden dein Gesicht“. Unterstützt wurde dies teilweise von der Schülerschaft durch eine Postkartenaktion. So erhielten alle eine weiße Postkarte, um das eigene „Gesicht“ oder auch Friedensbotschaften darauf zu malen.

Während der gesamten Woche stand die Klosterkirche von Haus Overbach Besuchern und Schulklassen offen. So konnten Interessierte sich das hölzerne Friedenskreuz und auch die begleitende Ausstellung zu dessen Geschichte in den letzten 75 Jahren ansehen. „Viele Schüler sind in den Religionsstunden hingegangen“, bestätigt Emunds. „Ich war auch mit Schülern da. Das ist schon beeindruckend.“

Kreuz und Ausstellung lösten etliche Gedanken aus, und manche Frage wurde geäußert: „Ist das wirklich 75 Jahre alt? Darf man das mal anfassen?“ Das Kreuz habe ja eine Geschichte, unterstreicht Emunds, der unter anderem mit Organisator Thomas Hohenschue (Mitglied der Projektgruppe „Gib dem Frieden dein Gesicht“), Stefan Voges (Pax Christi), Mechtild Jansen (Geschäftsführerin des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Aachen), Esther Fothen (Gemeindereferentin der Pfarrei Heilig Geist Jülich und Propst Josef Wolff (Pfarrei Heilig Geist Jülich) bereits in der Vorbereitungsgruppe aktiv war.

Man sehe auf den Fotos der Ausstellung, wer das Kreuz schon alles getragen hat. Ähnliches gelte für das goldene Buch, in das sich jeder eintragen kann. Dort sei der früheste Eintrag auf 1997 datiert, damals auch in Haus Overbach, meint Marco Maria Emunds. „Vielleicht findet man sich in 20 oder 30 Jahren dann da wieder.“

Weitere Infos unter https://gymnasium-overbach.de, https://gib-dem-frieden-dein-gesicht.de/start/

Die Fotos stammen von Henning Achenbach / Haus Overbach und Arne Schenk.


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