Start Magazin 30 Jahre – und kein bisschen leise

30 Jahre – und kein bisschen leise

Der Förderverein Stadtbücherei Jülich feiert seinen runden Geburtstag.

343
0
TEILEN
Der Förderverein der Stadtbücherei Jülich | Foto: Stadtbücherei Jülich
30 Jahre Stadtbücherei Jülich! | Foto: Stadtbücherei Jülich
- Anzeige -

Leise sein konnte sich der Förderverein von Anfang an nicht leisten. Immer wieder mussten der Verein und seine Mitglieder im Interesse der Stadtbücherei in den vergangenen 30 Jahren ihre Stimmen erheben und wenn nötig auch einmal laut und lästig werden.

Schon der Anfang vollzog sich nicht ohne Dramatik. Lassen wir den Pressebericht der Jülicher Nachrichten zur Gründungsversammlung im Februar 1983 zu Wort kommen: „Nach einem reibungslosen Beginn der Gründungsversammlung saßen die angehenden Mitglieder plötzlich im Dunkeln. Die automatische Lichtschaltanlage der Stadtbücherei hatte ihnen das Licht genommen. Aber sie ließen sich nicht verdrießen, wechselten das Lokal, verabschiedeten eine Satzung und wählten Vorstand und Beisitzer.“

- Anzeige -

Die Idee, einen Förderverein zu gründen, der die Stadtbücherei ideell und materiell unterstützen soll, hatte Christa Bartel, die damalige Büchereileiterin, und ihrer Einladung waren so viele interessierte Leser und Leserinnen, auch aus dem Kulturausschuss des Stadtrats, gefolgt, dass sich am Ende der Versammlung  bereits 27 Mitglieder eingetragen hatten. Die erste Vorsitzende, Rosemarie Förthmann, – eine wie sich bald herausstellen sollte sehr gute Wahl – unterstützte von Anfang an mit großem und nie erlahmendem Einsatz die Belange der Stadtbücherei. Zusammen mit dem zweiten Vorsitzenden, dem Rektor der Gemeinschafts-Hauptschule Josef Worms, stellte sie sich der großen Herausforderung, das Kellerdasein im Untergeschoss des Stüssgen-Marktes in der Kapuzinerstraße der Stadtbücherei zu beenden. – Und es gelang: Die vielen Briefe und Anträge des Vereins fanden bei der neuen rotgrünen Stadtregierung unter Bürgermeister Heinz Schmidt (SPD) Gehör und im Mai 1992 konnte die Stadtbücherei – neben Museum und Archiv – in die hellen Räume des neuen Kulturhauses am Hexenturm einziehen. Auch die wichtige Aufgabe, Kinder und Jugendliche für das Lesen zu interessieren und zu begeistern, nahmen Stadtbücherei und Förderverein gemeinsam erfolgreich in Angriff: Lesewettbewerbe, Autorenlesungen, Quiz für Kinder und (im neuen Kulturhaus) Leseschmökernächte wurden sowohl finanziell als auch tatkräftig von den mittlerweile mehr als 60 Mitgliedern unterstützt. Die finanziellen Mittel setzten sich – damals wie heute – aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Erlösen von Bücherflohmärkten zusammen.

Zum 10. Geburtstag, 1993, gab es ein großes Büchereifest mit einem abwechslungsreichen Programm für Kinder und Erwachsene. Nach 10 Jahren hatte Rosemarie Förthmann nicht mehr für den Vorsitz kandidiert. Ihre Nachfolgerin wurde Ursula Pelzer, die sich nun dafür einsetzte, dass mit Hilfe der Fördervereinsmittel neue Möbel für die Kinderbibliothek und die Erwachsenenbibliothek angeschafft werden konnten. Da im neuen Kulturhaus ein größerer Veranstaltungsraum (leider nur bis 1998) zur Verfügung stand, konnte die Stadtbücherei mit finanzieller Unterstützung des Fördervereins auch anspruchsvolle Theateraufführungen dem Jülicher Publikum anbieten, die die Attraktivität der Stadtbücherei steigern konnten.

Im Juni 2003 feierte der Förderverein seinen 20. Geburtstag mit einer Autorenlesung. Die Stadtbücherei hatte in diesem Jahr ihre höchsten Ausleih- und Besucherzahlen seit ihrem Bestehen erreicht, doch die schwierige Finanzlage der Stadt machte die Aufstellung eines Haushaltssicherungskonzeptes erforderlich. Die Stadt plante besonders starke Kürzungen des Stadtbüchereihaushaltes und es gab Überlegungen, die Bücherei auf eine Kinder- und Jugendbücherei zu reduzieren.

Die Vorsitzende Ursula Pelzer rief zu einer Unterschriftenaktion auf, ein Infostand wurde in der Fußgängerzone eingerichtet und nach einigen Tagen hatten sich über 1200 Jülicher mit ihrer Unterschrift für den Erhalt einer Gesamtbibliothek ausgesprochen. Die Aktion hatte Erfolg, die Stadtbücherei blieb eine Bücherei auch für Erwachsene, wenn auch mit stark reduziertem Büchereiteam.

Nach 10 Jahren kandidierte auch Ursula Pelzer nicht mehr für den Vorstand. So wurde Elisabeth Vietzke 2003 als neue Vorsitzende gewählt. Der Förderverein organisierte weiter Bücherflohmärkte, einen Liederabend zum Heinejahr in der Schlosskapelle (zusammen mit dem Förderverein Gymnasium Zitadelle), finanzierte die Vorstellung neuer Bücher von Frau Kaschluhn und erleichterte die Finanzierung mancher Einrichtungen, die der städtische Haushalt nicht hergab.

Sonst schien zunächst kein besonderes Engagement des Fördervereins nötig zu sein. Christa Bartel, die langjährige Büchereileiterin, die Geburtshelferin des Fördervereins, die die Bücherei an vielen Klippen vorbei führen konnte, ging in Ruhestand. Auch Werner Wieczorek, ihr engagierter Nachfolger wurde Mitglied – es waren inzwischen weit über 100 -. Doch schon nach einigen Wochen kam ein neuer Anschlag aus dem Rathaus: Die Fläche der Stadtbücherei sollte zu Gunsten des Archivs verkleinert werden. Nun war Klartext gefragt: Der Förderverein musste wieder auf die Straße gehen – und das im kalten Dezember – und Unterschriften sammeln: „Der Raumbestand der Stadtbücherei soll erhalten bleiben.“ In kürzester Zeit kamen knapp 700 Unterschriften zusammen, die im Februar 2009 dem Bürgermeister überreicht werden konnten, und die Fläche wurde nicht verkleinert. Im nunmehr siebten Jahr führt die Stadtbücherei gemeinsam mit dem Förderverein in diesem Sommer das Projekt zur Leseförderung, den SommerLeseClub, durch. Wieder nehmen sich viele Fördervereinsmitglieder in den Sommerferien die Zeit, den jungen Lesern geduldig zuzuhören, wenn sie die Abenteuer ihrer Lektüre nacherzählen.

Seit gut einem Jahr ist auch die neue Büchereileiterin Mirka Reef ein Fördervereinsmitglied. Die jahrelang gewachsene gute Zusammenarbeit mit dem Team der Bücherei wird weiter vertieft und gebührend gefeiert mit möglichst vielen Freunden und Förderern der Stadtbücherei am Freitag, den 8. November, auf einem Festabend mit Oliver Steller als Gast am 30. Geburtstag des Förderverein Stadtbücherei Jülich.


§ 1 Der Kommentar entspricht im Printprodukt dem Leserbrief. Erwartet wird, dass die Schreiber von Kommentaren diese mit ihren Klarnamen unterzeichnen.
§ 2 Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.
§ 3 Eine Veröffentlichung wird verweigert, wenn der Schreiber nicht zu identifizieren ist und sich aus der Veröffentlichung des Kommentares aus den §§< 824 BGB (Kreditgefährdung) und 186 StGB (üble Nachrede) ergibt.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here